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Kurzantwort
Der Geschäftspartner ist in SAP IS-U die Stammdatenfigur für eine Person, eine Organisation oder eine Gruppe. Er beschreibt noch keine Versorgungsbeziehung. Erst eine Rolle, eine Adresse, Beziehungen zu anderen Geschäftspartnern und der Bezug zu Vertragskonto und Vertrag machen aus ihm einen Kunden im fachlichen Sinn. Diese Trennung erlaubt es, dass ein Geschäftspartner mehrere Verträge, mehrere Vertragskonten und mehrere Rollen gleichzeitig hat. Sie verlangt aber Disziplin bei der Pflege, weil ein Duplikat falsche Forderungen und fehlerhafte Marktkommunikation erzeugt.
Warum der Geschäftspartner nicht der Kunde ist
Der Begriff „Kunde” ist im Energierecht weiter und enger zugleich. Das EnWG fasst unter Kunden Großhändler, Letztverbraucher und Unternehmen, die Energie kaufen (EnWG § 3 Nr. 64). Eine Versorgungsbeziehung entsteht also erst aus Kauf und Belieferung, nicht aus einem Stammsatz.
Genau diese Unterscheidung bildet das SAP-Datenmodell ab. Der Geschäftspartner ist nach der SAP-Hilfe die zentrale Figur, zu der Geschäftsbeziehungen geführt werden. Er trägt allgemeine Daten wie Name, Adressen und Bankverbindungen. Erst in der Rolle MKK Vertragspartner, englisch „Contract Partner”, ist er im Vertragskontokorrent und in der Fakturierung verwendbar (SAP-Hilfe, Geschäftspartner in der Rolle des Vertragspartners). Die Rolle liefert den Geschäftskontext, nicht die Daten selbst.
Daraus folgt eine praktische Regel: Ein Stammsatz ohne Rolle ist für die Belieferung wertlos. Eine Rolle ohne zugeordnetes Vertragskonto erzeugt keine Forderung.
Die Bestandteile des Geschäftspartners
Die SAP-Hilfe nennt die Bausteine in einer festen Reihenfolge (SAP-Hilfe, Geschäftspartnerrolle):
- Kategorie: Person, Organisation oder Gruppe. Die Kategorie steuert, welche Felder im Pflegebild überhaupt erscheinen. Bei einer Organisation kommen etwa Rechtsform und Branche hinzu.
- Rolle: der Geschäftskontext, in dem der Partner auftritt. Für Utilities nennt die Dokumentation Vertragspartner und Installateur, für das Vertragskontokorrent zusätzlich Kontoinhaber und Kontoauszugsempfänger. Zentrale Daten wie Name, Adressen und Bankverbindungen liegen nur einmal, auch wenn mehrere Rollen gepflegt sind.
- Adressen: ein Geschäftspartner kann mehrere Adressen für verschiedene Arten tragen, etwa eine Liefer- oder eine Korrespondenzadresse. Für jeden Zeitpunkt darf genau eine Adresse die Standardadresse sein.
- Beziehungen: die betriebswirtschaftlich relevante Verbindung zwischen zwei Geschäftspartnern. Der Beziehungstyp beschreibt die Art, etwa Ansprechpartner eines Unternehmens oder eine Konzernzugehörigkeit. Anfangs- und Enddatum der Beziehung grenzen sie zeitlich ab.
- Bankverbindung: mehrere Bankverbindungen je Geschäftspartner sind zulässig.
Eine Besonderheit verdient Aufmerksamkeit. Die Rolle MKK Vertragspartner darf zeitlich nicht abgegrenzt werden. Sie muss nach der SAP-Hilfe durchgehend bis zum 31.12.9999 gültig sein, und SAP prüft diese Gültigkeit beim Sichern der Rolle (SAP-Hilfe, Geschäftspartner in der Rolle des Vertragspartners). Adressen und Bankverbindungen dagegen sind zeitabhängig pflegbar.
Vom Stammsatz zur Versorgungsbeziehung
Die Objektlandkarte zeigt, wie die Ebenen zusammenspielen. Kaufmännische und technische Sicht bleiben getrennt.
Das Vertragskonto ist die Ebene für Forderungen und Zahlungsverkehr. Es enthält die Steuerungsdaten, die der Geschäftspartner nicht hat. Dazu zählen Buchungskreisgruppe, Zahlweg, Mahnverfahren und Toleranzgruppe. Die SAP-Dokumentation zur IS-U-Extraktstruktur führt diese Felder in der Tabelle FKKVKP, jeweils mit der Geschäftspartnernummer GPART und der Beziehung VKPBZ, also der Beziehung eines Geschäftspartners zum Vertragskonto (SAP-Dokumentation, IS-U: Vertragskontofelder, Abschnitt Datenmodellierung).
Der Vertrag trägt die Versorgungsleistung, also Produkt, Laufzeit und Preis. Über den Vertrag hängt die technische Sicht an: Anschlussobjekt, Anlage, Marktlokation und Messlokation. Wer dort sucht, findet den Geschäftspartner nie direkt, sondern nur über den kaufmännischen Weg.
Beispiel: Der Umzug einer Familie
Eine Familie zieht innerhalb der Stadt um. Der Vorgang zeigt, welche Objekte sich ändern und welche bleiben.
- Der Geschäftspartner bleibt derselbe. Name und Geburtsdatum ändern sich nicht.
- Die alte Adresse bekommt ein Enddatum, die neue Adresse ein Beginndatum. Beide bleiben im System, weil die alte Abrechnung sie noch braucht.
- Der Vertrag für die alte Wohnung endet. Für die neue Wohnung entsteht ein neuer Vertrag.
- Das Vertragskonto kann bestehen bleiben, wenn die Zahlungseinstellungen gleich bleiben. Eine Abschlagsforderung läuft über dasselbe Konto weiter.
- Wechselt die Familie den Lieferanten, bleibt der Geschäftspartner beim bisherigen Lieferanten bestehen. Der neue Lieferant legt ihn erneut an.
Wer in Schritt 2 einfach die Adresse überschreibt, zerstört die Zuordnung der Altforderung. Ohne Dublettenprüfung in Schritt 5 entsteht derselbe Kunde mehrfach.
Folgen für Datenpflege und Prozesse
Ein Geschäftspartner kann mehrere Vertragskonten und mehrere Verträge haben. Für die Pflege heißt das: Prüfe zuerst, ob ein Stammsatz schon existiert. Die SAP-Dokumentation zur Dublettenprüfung beschreibt, dass die Prüfung in die Adresspflegedialoge integriert ist und in den Stammdatentransaktionen über den Funktionsbaustein ADDR_ENABLE_DUPLICATE_CHECK aktiviert wird (SAP-Dokumentation, Dublettenprüfung, Abschnitt Dublettenprüfung). Ähnliche Sätze schlägt die Prüfung vor; die Entscheidung zwischen Ändern und Neuanlegen trifft der Sachbearbeiter.
Ein Duplikat wirkt an mehreren Stellen gleichzeitig. Es erzeugt zwei Forderungen für eine Lieferung. Es führt zu zwei Marktlokationen in der Marktkommunikation, wenn der Prozess den falschen Satz zieht. Und es verfälscht jede Auswertung zur Kundenanzahl.
- Historisierung: Namensänderungen, Umzüge und Bankwechsel gehören mit Gültigkeitszeiträumen gepflegt. Geplante Änderungen laufen über die Zeitabhängigkeit des Geschäftspartners.
- Rollenprüfung: Vor jeder Nutzung in der Fakturierung muss die Rolle MKK Vertragspartner vorhanden sein. Fehlt sie, schlägt die Buchung fehl.
- Berechtigungen: Änderungen an Stammdaten laufen über Berechtigungsobjekte. Prüfe im Berechtigungskonzept, wer Rollen und Beziehungstypen pflegen darf, und trenne dieses Recht von der reinen Anzeige.
- Nachvollziehbarkeit: Änderungsdatum und Name des Sachbearbeiters werden am Datensatz geführt. Die IS-U-Extraktstruktur enthält dafür die Felder ERDAT, ERNAM, AEDATP und AENAMP.
- Datenschutz: Name, Adresse, Geburtsdatum und Bankverbindung sind personenbezogene Daten. Ihre Verarbeitung braucht eine Rechtsgrundlage nach der Datenschutz-Grundverordnung, und Beschäftigtendaten folgen eigenen Regeln.
Passende Vertiefungen im Atlas: Geschäftspartner und Vertragskonto und Fachobjekte und Systemverantwortung.
Typische Missverständnisse
Der Geschäftspartner ist das Rechnungskonto. Falsch. Gebucht wird auf das Vertragskonto. Der Geschäftspartner liefert nur Name, Adresse und Bankverbindung. Deshalb darf ein Kunde mehrere Vertragskonten haben, etwa je Liegenschaft eines.
Eine Adressänderung ist eine Vertragsänderung. Falsch. Die Adresse gehört zum Geschäftspartner und wird dort zeitabhängig gepflegt. Der Vertrag bleibt unberührt. Eine Vertragsänderung ist ein eigener Vorgang mit eigener Wirkung auf Laufzeit und Preis.
Ein Ansprechpartner ist ein Vertragspartner. Falsch. Der Ansprechpartner hat eine reine Beziehung zum Unternehmen. Er trägt keine eigene Rolle als Vertragspartner und begründet keinen Vertrag. Wer eine Belieferung starten will, braucht den Vertragspartner selbst.
Der Geschäftspartner ist die Marktlokation. Falsch. Die Marktlokation gehört zur technischen Ebene und hängt am Vertrag. Sie wechselt bei einem Lieferantenwechsel, der Geschäftspartner bleibt beim jeweiligen Lieferanten.
Quellen und Pflegehinweis
Die Aussagen zu Rollen, Adressen, Beziehungen und zur MKK-Rolle stammen aus der SAP-Hilfe zum Geschäftspartner und zur Geschäftspartnerrolle. Die Feld- und Tabellenangaben stammen aus der IS-U-Extraktdokumentation zur Tabelle FKKVKP. Die Dublettenprüfung ist in der gleichnamigen SAP-Dokumentation beschrieben. Die Begriffe Kunde und Letztverbraucher stehen in Paragraph 3 des EnWG in der am 11. September 2026 geltenden Fassung.
Für die Pflege dieser Seite gilt: Prüfe die Feldnamen und Transaktionen in der SAP-Hilfe deines Release nach. Funktionsumfang und Rollenbenennungen ändern sich zwischen Release-Ständen. Ergänze keine Transaktionscodes, die du nicht in der Systemdokumentation gefunden hast. Nächste Prüfung spätestens nach dem nächsten Release-Wechsel.
Primärquellen zum Nachlesen
- SAP-Hilfe – Geschäftspartner in der Rolle des Vertragspartners (MKK)help.sap.com
- SAP-Hilfe – Geschäftspartnerrolle (GP-Rolle)help.sap.com
- SAP-Dokumentation – IS-U: Vertragskontofelder (DataSource 0UC_ACCNTBP_ATTR_2)help.sap.com
- SAP-Dokumentation – Dublettenprüfung in der Adressverwaltunghelp.sap.com
- EnWG § 3 – Begriffsbestimmungen (Kunden, Letztverbraucher, Netznutzer)gesetze-im-internet.de