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Kurzantwort
Die Marktkommunikation arbeitet mit externen Objekten wie Marktlokation, Messlokation und Marktpartner. SAP IS-U führt dagegen interne Objekte wie Geschäftspartner, Vertragskonto, Anschlussobjekt, Anlage und Messobjekte. Ein belastbares Konzept bildet die externen Objekte auf die internen Objekte ab und hält beide Sichten konsistent.
Dabei gilt eine klare Rollenverteilung. Der Geschäftspartner beschreibt, wer handelt. Das Vertragskonto, in SAP als Vertragskontokorrent (FI-CA) geführt, steuert die Zahlungsabwicklung. Die Marktlokation ist der Bezugspunkt der Belieferung. Welche Objekte ein Unternehmen benötigt und wie sie zusammenhängen, leitet sich aus den Marktprozessen ab, nicht aus der Systematik der Software.
MaLo-ID – Ort der Belieferung und Bilanzierung.
MeLo-ID – Ort der Messung samt Messaufbau.
MP-ID (BDEW-Codenummer) je Marktrolle.
NeLo – Anschluss an das Netz des NB.
Person oder Organisation; Rollen wie Kunde, Anschlussnehmer, Anschlussnutzer.
FI-CA als Vertragskontokorrent – fordert an und gleicht Zahlungen ab.
technischer Ort der Versorgung mit Netz- und Umspannebene.
kaufmännische Belieferung mit Produkt, Preisen und Abrechnung.
Geräte, Zählwerke und Profile für Lastgang und Zählerstände (EDM).
Der Vertragspartner des Lieferanten ist der Letztverbraucher. In der Marktkommunikation senden und empfangen aber Marktrollen; das System muss beide Sichten sauber verbinden.
Die konkrete Zuordnung von externen Marktobjekten zu SAP-Objekten hängt von Produktstand und Add-ons ab. Ein belastbares Konzept startet beim externen Objekt und leitet daraus die internen Objekte und Prüfungen ab.
Externe Objekte als fachlicher Anker
Die Marktkommunikation kennt ihre eigenen Objekte. Die Marktlokation ist der Ort der Belieferung und Bilanzierung, die Messlokation der Ort der Messung, die Netzlokation der Ort der Netzanbindung. Dazu kommen die technischen und steuerbaren Ressourcen sowie die Marktpartner mit ihren Marktpartner-Identifikationsnummern.
Diese Objekte existieren unabhängig von den Systemen der einzelnen Unternehmen. Eine Marktlokation wird vom Netzbetreiber vergeben und bleibt über Unternehmensgrenzen hinweg gültig. Deshalb eignen sich die externen Objekte als fachlicher Anker für die Kommunikation. Ein Lieferant und ein Netzbetreiber können über eine MaLo-ID sprechen, ohne die internen Systeme des jeweils anderen zu kennen.
Für SAP-IS-U-Projekte heißt das: Die externen Objekte müssen im System geführt und mit den internen Objekten verknüpft werden. Die MaLo-ID gehört zu den Stammdaten der Belieferung, die MeLo-ID zu den Stammdaten der Messung. Fehlt diese Verknüpfung, kann das System eingehende Nachrichten nicht zuordnen.
Geschäftspartner und Vertragskonto
Der Geschäftspartner in SAP IS-U beschreibt eine Person oder Organisation. Er trägt die Rollen, die im Energiemarkt vorkommen: Kunde, Anschlussnehmer, Anschlussnutzer, Anlagenbetreiber. Diese Rollen sind wichtig, weil sie unterschiedliche Rechte und Pflichten begründen. Ein Kunde hat einen Liefervertrag, ein Anschlussnutzer nutzt den Anschluss, ein Anlagenbetreiber betreibt eine Erzeugungsanlage.
Das Vertragskonto bündelt die finanziellen Vorgänge. In SAP heißt dieser Bereich Contract Accounts Receivable and Payable, kurz FI-CA, auf Deutsch Vertragskontokorrent. FI-CA verwaltet Forderungen, Zahlungen und Mahnläufe. SAP Help: Vertragskontokorrent Ein Kunde kann mehrere Verträge haben, die über ein oder mehrere Vertragskonten abgerechnet werden.
Vertragspartner des Lieferanten ist der Letztverbraucher. Diese Aussage klingt trivial, hat aber Konsequenzen. Der Vertrag läuft zwischen Lieferant und Letztverbraucher, während die Marktkommunikation zwischen den Marktpartnern läuft. Ein System muss beide Ebenen führen: die vertragliche Beziehung zum Kunden und die marktliche Beziehung zu den Marktpartnern.
Anlage, Anschlussobjekt und Marktlokation
Die Anlage in SAP IS-U bildet die Belieferung eines Kunden ab. Sie verknüpft den Vertrag mit der technischen Versorgung und steuert die Abrechnung. Das Anschlussobjekt beschreibt den Ort der Versorgung mit seinen technischen Daten wie Netz- und Umspannebene. SAP Help: Intercompany Data Exchange
Die Marktlokation ist das externe Gegenstück zur Belieferung. Sie wird über die Marktkommunikation gepflegt und ist der Bezugspunkt für Lieferbeginn, Lieferende und Bilanzierung. In der Praxis führt das System die MaLo-ID an der Anlage oder am Vertrag, damit eingehende Nachrichten die Belieferung finden.
Die Zuordnung ist nicht immer eindeutig. Eine Marktlokation kann mehrere Anlagen betreffen, etwa bei Tranchen, oder eine Anlage kann über mehrere Marktlokationen laufen, etwa bei getrennter Messung von Bezug und Einspeisung. Wer diese Fälle kennt, modelliert die Zuordnung flexibel. Wer nur eine 1:1-Beziehung annimmt, scheitert an den realen Konstellationen.
Bei solchen Konstellationen entscheidet der Prozess, welches Objekt die Nachricht nennt. Ein Lieferbeginn für eine Tranche nennt die Marktlokation und den Zeitraum der Tranche. Ein Abgrenzungswert nennt die Messlokation. Das System muss aus diesen Angaben die richtige Belieferung finden. Eine starre Zuordnungstabelle reicht dafür nicht aus; gefragt ist eine Zuordnung mit Zeitbezug.
Messwesen und Profile
Das Messwesen in SAP IS-U verwaltet Geräte, Zählwerke und Messlokationen. Das Energiedatenmanagement (EDM) verarbeitet die Profile, also Lastgänge und Zählerstände, und stellt sie der Abrechnung bereit. SAP Help: Energy Data Management Diese Bausteine bilden die Messsicht des Unternehmens.
Die Messlokation verbindet die externe Messsicht mit den internen Gerätedaten. Eine eingehende Messwertlieferung nennt die MeLo-ID. Das System muss daraus die Geräte und Profile finden und die Werte zuordnen. Fehlt die Verknüpfung, landen die Werte im Klärfall.
Wichtig ist die Trennung zwischen Messsicht und kaufmännischer Sicht. Ein Gerätewechsel ändert die Messlokation und ihre Ausstattung, aber nicht automatisch die Belieferung. Ein Lieferantenwechsel ändert die Belieferung, aber nicht die Geräte. Wer diese Sichten in einem Objekt zusammenführt, kann die Vorgänge nicht mehr sauber trennen.
Für die Abrechnung ist diese Trennung besonders folgenreich. Die Abrechnung braucht die Mengen der richtigen Zeiträume und die Zuordnung zur richtigen Belieferung. Ein Messwert, der der falschen Messlokation zugeordnet ist, verfälscht die Abrechnung, auch wenn das Gerät technisch korrekt misst. Die Qualität der Objektbeziehungen entscheidet damit über die Qualität der Abrechnung.
Datenaustausch und Nachrichtenverarbeitung
Den Datenaustausch übernimmt in SAP IS-U der Bereich Intercompany Data Exchange. SAP bietet dafür Funktionen für den Austausch mit anderen Marktpartnern, die auf die Anforderungen des deutschen Energiemarkts zugeschnitten sind. SAP Intercompany Data Exchange for German Electric Utilities
Die Nachrichtenverarbeitung übersetzt die eingehenden EDIFACT-Dateien in interne Vorgänge. Eine UTILMD mit Lieferbeginn wird zur Anlage oder zum Vertrag, eine MSCONS mit Lastgang wird zum Profil. Diese Übersetzung braucht die Zuordnung der externen Objekte zu den internen Objekten.
Die Verantwortung für die Qualität dieser Zuordnung liegt im Fachbereich, nicht in der Technik. Ein Mapping kann nur so gut sein wie die Stammdaten, auf denen es aufbaut. Wer die Marktlokationen nicht pflegt, kann auch die beste Nachrichtenverarbeitung nicht zum Laufen bringen. Systemverantwortung heißt deshalb zuerst Datenverantwortung.
In der Praxis bewährt sich eine klare Aufgabenteilung zwischen Fachbereich und IT. Der Fachbereich definiert, welche Objekte das Unternehmen führt und welche Regeln gelten. Die IT setzt diese Regeln in Customizing und Prozessen um. Fehlt die fachliche Vorgabe, entscheidet das System über die Fachlichkeit, und das führt zu falschen Ergebnissen, die niemand verantwortet.
Verantwortung über Objektgrenzen
Die Marktprozesse verteilen die Verantwortung über Objektgrenzen. Der Netzbetreiber pflegt die Marktlokation und ihre netzbezogenen Daten. Der Messstellenbetreiber pflegt die Messlokation und ihre Konfiguration. Der Lieferant pflegt die Belieferung und den Vertrag. Kein Unternehmen besitzt alle Objekte, und kein Objekt gehört nur einem Prozess.
Diese Verteilung prägt die Systemverantwortung. Ein Lieferant führt die Marktlokationen seiner Kunden, aber nicht die Netzlokationen. Er erhält die Daten, die er für seine Prozesse braucht, und pflegt die Daten, für die er verantwortlich ist. Ein System, das mehr Daten hält, als der Rolle zustehen, erzeugt Abhängigkeiten und Fehlerquellen.
Für SAP-IS-U-Berater heißt das: Die Objekte werden nicht zentral vervollständigt, sondern prozessbezogen geführt. Welche Felder einer Marktlokation das System pflegt, ergibt sich aus der Rolle des Unternehmens und den Prozessen, die es betreibt. Ein Netzbetreiber und ein Lieferant pflegen dieselbe Marktlokation mit unterschiedlichen Inhalten.
Dazu kommt die Qualität der Daten über die Zeit. Ein Objekt ändert seinen Zustand, seine Zuordnung und seine Gültigkeit. Die Systeme müssen diese Änderungen nachvollziehbar dokumentieren, damit spätere Rückfragen beantwortbar sind. Wer nur den aktuellen Stand speichert, verliert die Historie, die für Abrechnung und Klärung nötig ist.
Ein weiterer Aspekt ist die Abgrenzung zwischen den Systemen. In vielen Unternehmen laufen Netz, Vertrieb und Messwesen in getrennten Anwendungen. Die Marktlokation verbindet diese Welten. Wer die Objekte nicht konsistent über die Systemgrenzen führt, baut Schnittstellen, die Daten duplizieren oder verlieren. Die Fachobjekte sind deshalb nicht nur ein SAP-Thema, sondern ein Thema der gesamten Systemlandschaft.
Praxisbeispiel: Eine eingehende Anmeldung richtig zuordnen
Ein Netzbetreiber erhält eine Anmeldung zum Lieferbeginn. Die Nachricht nennt die MaLo-ID, den neuen Lieferanten und den gewünschten Zuordnungsbeginn. Das System sucht die Marktlokation in seinen Stammdaten und findet die zugehörige Anlage.
Die Prüfung läuft über mehrere Objekte. Liegt die Marktlokation im Netzgebiet? Passt der Zeitpunkt? Ist die Messlokation bekannt? Erst wenn alle Prüfungen erfolgreich sind, bestätigt das System die Zuordnung und stößt die Folgeprozesse an. Jede dieser Prüfungen berührt ein anderes Objekt, und jedes Objekt muss korrekt gepflegt sein.
Das Beispiel zeigt, warum die Objektmodellierung am Anfang eines Projekts steht. Wer zuerst die Nachrichtenverarbeitung baut und die Objekte später ergänzt, muss die Verarbeitung mehrfach umbauen.
Für die Einführung neuer Objekte, etwa einer neuen Lokationsart, gilt dieselbe Logik. Zuerst klärt das Team die fachliche Bedeutung und die Beziehungen zu den bestehenden Objekten. Danach folgen Stammdaten, Prüfungen und Nachrichten. Wer ein Objekt einführt, ohne seine Beziehungen zu definieren, erzeugt Daten, die niemand zuordnen kann.
Zur Einführung gehört auch die Schulung der Fachbereiche. Ein Objektmodell hilft nur, wenn die Menschen es verstehen. Wer erklärt, warum Marktlokation, Messlokation und Anlage getrennt geführt werden, verhindert, dass Kollegen die Objekte im Alltag wieder vermischen. Fachliches Verständnis und saubere Daten gehören zusammen.
Typische Missverständnisse
„FI-CA ist ein Buchungskreis.“
Nein. FI-CA ist das Vertragskontokorrent, in SAP Contract Accounts Receivable and Payable. Es verwaltet Forderungen und Zahlungen für viele Verträge.
„Marktlokation und Anlage sind dasselbe.“
Nein. Die Marktlokation ist das externe Marktobjekt, die Anlage das interne SAP-Objekt der Belieferung. Sie müssen verknüpft, aber nicht gleichgesetzt werden.
„Der Marktpartner ist der Kunde.“
Nein. Der Kunde ist Vertragspartner des Lieferanten. Marktpartner sind die Rollen im Nachrichtenaustausch, identifiziert über die MP-ID.
„Ein Zähler erklärt die Belieferung.“
Nein. Der Zähler gehört zur Messlokation. Die Belieferung hängt an der Marktlokation und der Anlage.
„Die Objektmodellierung ist Sache des Customizing.“
Sie beginnt in der Fachlichkeit. Die externen Objekte und ihre Beziehungen bestimmen, welche internen Objekte das System benötigt.
Quellen und Pflegehinweis
Die Begriffe der Marktkommunikation stehen in den Glossaren der GPKE, die SAP-Objekte in der SAP-Dokumentation. Die konkrete Abbildung hängt vom Produktstand und von Add-ons ab. Für jedes Projekt die aktuell gültigen Prozessfassungen und die passende SAP-Version prüfen.
- SAP Help: SAP Intercompany Data Exchange for German Electric Utilities
- SAP Help: Intercompany Data Exchange (IDE)
- SAP Help: Energy Data Management (EDM)
- SAP Help: Vertragskontokorrent (FI-CA)
- Bundesnetzagentur: GPKE Teil 1 (Glossar)
- BDEW Codes: BDEW-Codenummern als Marktpartner-ID
Abrufdatum aller Quellen: 7. September 2026.
Primärquellen zum Nachlesen
- SAP Help Portal – SAP Intercompany Data Exchange for German Electric Utilitieshelp.sap.com
- SAP Help Portal – Intercompany Data Exchange (IDE)help.sap.com
- SAP Help Portal – Energy Data Management (EDM)help.sap.com
- SAP Help Portal – Vertragskontokorrent (FI-CA)help.sap.com
- Bundesnetzagentur – GPKE Teil 1, einführende Prozessbeschreibung (Glossar)bundesnetzagentur.de
- BDEW Codes – BDEW-Codenummern als Marktpartner-IDbdew-codes.de
