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SAP Utilities & Betrieb

Tarifierungsmerkmale: Anlage, Vertrag, Gerät und Register

Wann ein tarifierungsrelevantes Merkmal in SAP Utilities an der Anlage, am Vertrag, am Gerät oder am Register stehen muss, wie die Ebenen zusammenwirken und welche Fehler eine falsche Ebene auslöst.

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Kurzantwort

Ein tarifierungsrelevantes Merkmal gehört auf die niedrigste Ebene, auf der es sich tatsächlich unterscheidet. Unterschiede zwischen einzelnen Messkanälen stehen am Register, zum Beispiel der Rate Type (Tarifart, Feld TARIFART) für Hoch- und Niedertarif. Betrifft ein Merkmal nur das Gerät, etwa eine Miete oder ein Rundsteuerempfänger, sitzt es am Gerät. Werte ohne Registerbezug stehen in den Fakten der Anlage. Dazu gehören die vertraglich vereinbarte Leistung und jede Pauschale. Der Vertrag trägt die Vereinbarung zwischen Lieferant und Kunde, also Laufzeit, Produkt und Zahlungsweg. Im Zusammenspiel ergeben der Rate Type an der Anlage und die Tarifkategorie (TARIFTYP, englisch rate category) am Vertragsobjekt die Fakturierungsregel.

Die Ebenen sind deshalb keine Geschmacksfrage. Sie steuern, welcher Wert bei einer Abrechnung gefunden wird, wann eine Änderung historisiert wird und ob ein Kundenwechsel den Wert mitnimmt. SAP Learning – Identifying Billing Master Data

Einordnung: Was in SAP Utilities „Tarifierung” bedeutet

Tarifierung meint in SAP Utilities die Kette, die aus einer Messung einen Preis macht. Sie beginnt beim Register, führt über den Rate Type zur Fakturierungsregel und endet in Rechnungspositionen. Diese Kette ist ein internes Abrechnungsmodell. Sie erklärt nicht, wer im Markt wem welche Menge schuldet.

Die Marktsicht liegt auf anderen Objekten. Die Marktlokation ist in der Definition der Bundesnetzagentur die Einspeise- oder Entnahmestelle, an der Energie als eine Einheit bilanziert und beliefert wird, mit unveränderlicher Kennung. BNetzA – Marktlokation Die Messlokation trägt die messtechnische Sicht. Der Rate Type, die Tarifkategorie und Operanden existieren dagegen nur im Abrechnungssystem und haben im Datenaustausch der Marktkommunikation keine eigene Kennung.

In dieser Trennung liegt der Kern des Artikels. Wer Merkmale der Marktkommunikation mit Merkmalen der Tarifierung vermischt, baut Abrechnungsmodelle, die sich im Marktprozess nicht überprüfen lassen.

Wer einen Rate Type ändert, ändert damit nur das Abrechnungsergebnis. Am Marktprozess ändert sich nichts, solange die Lokationen und Zuordnungen gleich bleiben.

Modell: Vier Ebenen und ihre Zuständigkeit

Eine Merkmal liegt auf der Ebene, auf der es sich ändert. Von unten nach oben nimmt die Reichweite zu, die Änderungshäufigkeit ab.

wirkt aufwirkt aufRegisterRate Type je MesskanalFakturierungsregelRate Type plusTarifkategorieGerätMiete, Sonderregel ohneRegisterFakten der AnlageLeistung, Pauschale,PersonenzahlTarif und SchemaVertragLaufzeit, Produkt,ZuordnungAbrechnungsbelegKundenwechsel
Die vier Ebenen der Tarifierung von unten nach oben. Der Kundenwechsel wirkt nur auf Vertrag und vertragsbezogene Anlagenfakten; Register, Gerät und gerätebezogene Werte bleiben davon unberührt.

Register: der Messkanal als Preisträger

Die Standardebene des Rate Type ist das Register. SAP Learning formuliert es klar: Der Rate Type wird in der Regel am Register eingetragen, und zwar in der Installationsstruktur. Damit legt er fest, dass Verbrauch oder Leistung dieses Registers über den zugehörigen Tarif abgerechnet werden. SAP Learning, Abschnitt Rate Type

Zwei Register an einem Zähler können damit zwei Preise tragen. Ein zweiter Zähler wird dafür nicht gebraucht. Eine zusätzliche Kennzeichnung wirkt auf die Mengenermittlung bei der Ersatzwertbildung, wenn trotz Vertragszuordnung kein Verbrauch anfällt. SAP Learning, Abschnitt Rate Type

Typische Rate Types sind Hoch- und Niedertarif für Wirkarbeit, Hochtarif für Blindarbeit und Hochtarif für Wirkleistung. Der Rate Type klassifiziert das Register für die Abrechnung, deshalb trägt er diese Stufen.

Der Weg vom Register zum Tarif ist eine feste Kette: Register, Rate Type, Tarifermittlung, Tarif, Registeroperand. Der Registeroperand macht den Registerverbrauch für das Schema verfügbar. SAP Learning, Abschnitt Rate

Gerät: Miete und Sonderfälle ohne Register

Das Gerät trägt den Rate Type nur, wenn die Abrechnung unmittelbar am Gerät hängt. SAP Learning nennt zwei Fälle: die Gerätemiete, die ohne abrechnungsrelevantes Register erhoben wird, und Geräte ohne Register wie Rundsteuerempfänger, für die ein eigener Rate Type den passenden Tarif findet. SAP Learning, Abschnitt Rate Type

Ein Registerwert am Gerät ist damit kein Ersatz für eine fehlende Registerkonfiguration. Er beschreibt eine Leistung, die das Gerät als solches erbringt.

Anlage: Werte ohne Registerbezug in den Fakten

Nicht jede Abrechnungsgröße kommt von einem Zähler. Die vertraglich vereinbarte Leistung, der Anschlusswert, die Personenzahl oder die Wohnfläche sind vereinbarte Werte. Sie stehen in den Fakten der Anlage (Installation Facts). SAP Learning beschreibt die Anlagenfakten als Ebene für individuelle Werte wie Anschlusswerte und Personenzahl, während die Tarif- und Tarifkategorie-Fakten allgemeine Werte für Kundengruppen tragen.

SAP Learning ordnet die Fakten in drei Stufen: Tariffakten, Tarifkategorie-Fakten und Anlagenfakten. Allgemeine Werte für eine große Kundengruppe stehen im Tarif oder in den Tarifkategorie-Fakten, individuelle Werte an der Anlage. Die Anlagenfakten haben dabei Vorrang vor den Tariffakten. SAP Learning, Abschnitt Operand Eine Pauschale, die nur für eine bestimmte Anlage gilt, gehört in die Anlagenfakten und nicht in den Tarif.

Fakten lassen sich auf einen Vertrag begrenzen. Ohne die Kennzeichnung als vertragsbezogener Operand bleiben sie bei einem Ein- oder Auszug erhalten und gelten für den neuen Kunden weiter. Mit der Kennzeichnung enden sie beim Auszug. SAP Learning, Abschnitt Operand Diese eine Kennzeichnung entscheidet, ob ein Wert personenbezogen oder objektbezogen ist.

Vertrag: die Vereinbarung, nicht der Tarifbaustein

Der Vertrag hält fest, was zwischen Lieferant und Kunde gilt. Er trägt den Bezug: welcher Geschäftspartner, welches Vertragskonto, welche Laufzeit. Die einzelnen Tarifbausteine liegen dagegen an der Anlage. Die Fakturierung selbst läuft ebenfalls über die Anlage.

Praktisch relevant wird das bei der Frage, ob ein Wert den Kundenwechsel überlebt. Die Zuordnung Anlage zu Vertrag ist zeitabhängig, die Tarifierungsmerkmale am Register und am Gerät sind es nicht. Wer die vereinbarte Leistung am Vertrag statt an den Anlagenfakten erwartet, findet sie dort nicht und sucht an der falschen Stelle.

Entscheidungsmatrix

Die Matrix beantwortet die Kernfrage in einem Durchgang. Sie gilt für die Frage, wo ein Merkmal liegen soll, wenn es noch nicht gepflegt ist.

Merkmal Anlage (Fakten) Vertrag Gerät Register Prüffrage
Hochtarif/Niedertarif je Messkanal nein nein nein ja Unterscheiden sich zwei Messkanäle im Preis?
Gerätemiete ohne Register nein nein ja nein Wird eine Geräteleistung ohne Zählwert berechnet?
Rate Type für Gerät ohne Register nein nein ja nein Gibt es kein abrechnungsrelevantes Register?
Vereinbarte Leistung, Anschlusswert ja nein nein nein Ist der Wert vereinbart und nicht gemessen?
Pauschale nur für diese Anlage ja nein nein nein Gilt der Wert für genau ein Objekt?
Pauschale für eine Kundengruppe Tarifkategorie (nicht Anlage) nein nein nein Gilt der Wert für viele Anlagen gleich?
Laufzeit, Produkt, Zahlungsweg nein ja nein nein Ist es eine Vereinbarung zwischen den Parteien?
Personenzahl, Wohnfläche ja nein, außer vertragsbezogen nein nein Ändert sich der Wert mit dem Nutzer?

Diese Matrix ersetzt keinen Customizing-Blick. Sie sortiert die Suchrichtung, bevor jemand in den Stammdaten sucht. Die Zulässigkeit eines Rate Type prüft das System eigenständig über die Zulässigkeitskennzeichen.

Die Zulässigkeit begrenzt die Ebenen

Ein Rate Type darf nicht überall stehen. SAP Learning dokumentiert sechs Zulässigkeiten: Register (R), Gerät (D), Fakten (F), Intervallzähler (PIM), Periodenendabrechnung (PE) und Abfallabrechnung (WB). Pro Rate Type lässt sich genau eine Zulässigkeit wählen. In der Tarifermittlung lassen sich nur Rate Types und Tarife mit gleicher Zulässigkeit kombinieren. SAP Learning, Abschnitt Rate Type

Diese Regel ist die technische Absicherung der Entscheidungsmatrix. Wer einen Rate Type für Register pflegt und ihn am Gerät eintragen will, erhält eine Abweisung und keine stille Fehlfunktion.

Konkretes Beispiel: Wärmepumpe im Einfamilienhaus

Vereinfachtes Beispiel, keine realen Preise. Ein Einfamilienhaus wird von einem Lieferanten beliefert. Es gibt zwei Zähler: einen Haushaltszähler mit zwei Registern und einen separaten Zähler für die Wärmepumpe. Das sind zwei Marktlokationen und zwei Messlokationen mit je eigener Kennung.

Auf der Tarifseite werden die Merkmale so verteilt:

  • Der Haushaltszähler hat Register für Hoch- und Niedertarif. Beide Register tragen je einen Rate Type, weil sich der Preis je Messkanal unterscheidet.
  • Am Wärmepumpenzähler trägt das Register den Rate Type für den Wärmepumpentarif.
  • Der Anschlusswert des Hauses und die vereinbarte Leistung für die Wärmepumpe stehen in den Anlagenfakten der jeweiligen Anlage, weil sie vereinbart und nicht gemessen sind.
  • Die Laufzeit und das Produkt stehen am Vertrag.

Wird der Kunde zum Monatsende ausgezogen, endet der Vertrag. Die Rate Types an den Registern bleiben, weil sie zur Anlage und zum Gerät gehören. Die vertragsbezogenen Anlagenfakten enden mit dem Auszug; nicht gekennzeichnete Fakten bleiben für den nächsten Kunden stehen.

Folgen und Fehlerfälle

Falsche Ebenen bleiben ohne Fehlermeldung und erzeugen trotzdem ein plausibel aussehendes falsches Ergebnis. Vier Muster wiederholen sich.

Der Wert steht in den Anlagenfakten, obwohl er je Messkanal gilt. Zwei Register einer Anlage bekommen denselben Preis. Die Mengen stimmen, der Betrag ist falsch. Auffallen kann das nur über einen Vergleich mit dem Tarifblatt.

Der Wert steht in den Tariffakten, obwohl er nur für eine Anlage gilt. Eine Änderung wirkt auf alle Kunden mit diesem Tarif. Korrekt ist die Historisierung an der Anlage: SAP Learning beschreibt ausdrücklich das historische Überschreiben von Operandwerten, damit ein anderer Preisschlüssel nur für einen Zeitraum an einer Anlage gilt. SAP Learning, Abschnitt Operand

Ein vertragsbezogener Wert ist nicht als vertragsbezogen gekennzeichnet. Die vertraglich vereinbarte Leistung bleibt nach dem Auszug stehen und wird dem nächsten Kunden berechnet. Die Kennzeichnung als vertragsbezogener Operand ist die Stelle, an der dieser Fehler vermieden wird.

Der Rate Type fehlt für ein abrechnungsrelevantes Register. SAP Learning hält fest, dass ein Rate Type für abrechnungsrelevante Register zwingend angegeben werden muss. Bei der Abrechnung löst das einen Abbruch aus und schreibt einen Eintrag im Anwendungsprotokoll. Eine Ausnahme gilt nur, wenn der Tarifschritt im Tarif als optional gekennzeichnet ist. SAP Learning, Abschnitt Rate Type

Typische Missverständnisse

„Tarifierungsmerkmale sind Marktobjekte.“ Nein. Rate Type, Tarifkategorie und Operand sind interne Abrechnungsobjekte. Die Marktobjekte sind Marktlokation und Messlokation mit ihren Kennungen. Eine Änderung des Rate Type löst keine UTILMD-Nachricht aus. Umgekehrt ändert ein Lieferantenwechsel nicht den Rate Type am Register.

„Register und Zählwerk sind dasselbe wie Messlokation.“ Ein Register ist ein Messkanal innerhalb eines Geräts. Die Messlokation ist dagegen der messtechnische Ort im Markt, an dem gemessen wird. An einer Messlokation können mehrere Geräte stehen.

„Je genauer, desto besser, also alles am Register.“ Nicht jede Größe existiert am Register. Eine vereinbarte Leistung hat keinen Messkanal. Wer sie an ein Register hängt, muss auf einen Wert ausweichen, den das Register nicht liefern kann.

„Der Vertrag ist die beste Ebene, weil er kundenbezogen ist.“ Der Vertrag wechselt, die Anlage bleibt. Wer Merkmale an den Vertrag hängt, muss sie bei jedem Kundenwechsel neu aufbauen und verliert bei einer Rückabwicklung den Zwischenstand. SAP Learning beschreibt genau dieses Verhalten bei Ein- und Auszug samt Reaktivierung von Zeitscheiben. SAP Learning, Abschnitt Operand

„Ein Merkmal darf an mehreren Ebenen stehen, eine gewinnt schon.“ Bei den Fakten gibt es tatsächlich eine Rangfolge, die Anlagenfakten haben Vorrang vor den Tariffakten. Bei der Zulässigkeit des Rate Type gilt das nicht: genau eine Zulässigkeit pro Rate Type, sonst keine Kombination in der Tarifermittlung. SAP Learning, Abschnitt Rate Type

Quellen und Pflegehinweis

Der Artikel stützt sich auf die SAP-Lernunterlage zu den Fakturierungsstammdaten und die SAP-Help-Seiten zu Tarifen, automatischer Abrechnung und der Erstellung von Tarifen. Die Marktobjekt-Abgrenzung folgt der Definition der Bundesnetzagentur zur Marktlokation.

Begriffe: Der Rate Type (Feld TARIFART) ist das Systemobjekt, das einen Tarif einem Register, Gerät, einer Tarifkategorie oder einer Anlage zuordnet. Die Tarifkategorie (Feld TARIFTYP, englisch rate category) trägt die übergeordneten Abrechnungskriterien. Beide sind SAP-Systembegriffe und nicht mit dem Rechtsbegriff „Tarifart” in § 36 EnWG zu verwechseln; die Abgrenzung der drei Ebenen erklärt Tarifart, Tarif und Tariftyp.

Offen und versionsabhängig: Die Auswahl und Benennung der Variantenprogramme, die Anzahl der Operandkategorien und die Customizing-Pfade unterscheiden sich zwischen Releases und zwischen Kundenkonfigurationen. Im beschriebenen System nennt SAP Learning 20 Operandkategorien und ein festes Zulässigkeitsschema aus sechs Kennzeichen. Vor einer Aussage über konkrete Operandnamen, Tabellenfelder oder Customizing-Knoten im eigenen System diese Angaben im System selbst prüfen. Die technischen Objektnamen und Kennzeichen sind aus der Quelle übernommen und nicht aus dem Gedächtnis ergänzt.

Zu prüfen bei einem Releasewechsel: die Zulässigkeitskennzeichen des Rate Type, die Operandkategorien und das Verhalten der Anlagenfakten bei Ein- und Auszug.

Primärquellen zum Nachlesen