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Kurzantwort
Ein Standardlastprofil (SLP) ist eine normierte, zeitabhängige Verbrauchskurve. Sie beschreibt nicht den gemessenen Verlauf eines einzelnen Haushalts, sondern das typische Abnahmeverhalten einer Kundengruppe. Der Netzbetreiber skaliert das Profil mit einer Jahresverbrauchsprognose und stellt daraus eine Viertelstunden-Zeitreihe für die Bilanzierung bereit. So können viele Entnahmestellen massenmarkttauglich bewirtschaftet werden, auch wenn kein viertelstündlicher Lastgang vorliegt.
SLP ist damit ein Bilanzierungs- und Prognoseverfahren, kein Tarif und kein Zählertyp. RLM (registrierende Leistungsmessung) liefert dagegen einen tatsächlich gemessenen Lastgang. Ein Lastprofil ist die zeitliche Form des Verbrauchs; eine Prognose ist die Erwartung für einen kommenden Zeitraum. Diese drei Begriffe dürfen im Fachkonzept nicht synonym verwendet werden.
Für Entnahmestellen im Niederspannungsnetz mit bis zu 100.000 kWh Jahresentnahme schreibt § 12 StromNZV grundsätzlich vereinfachte Methoden vor, sofern nicht nach dem Messstellenbetriebsgesetz Last- oder Zählerstandsgänge übermittelt werden. Der Netzbetreiber führt für die SLP-Abweichungen einen Differenzbilanzkreis. Nach dem Lieferjahr werden die tatsächlich ermittelte Arbeit und die prognostizierte Arbeit über Jahresmehr- und Jahresmindermengen gegeneinander abgegrenzt.
Warum SLP gebraucht werden
Das Stromnetz muss zu jedem Zeitpunkt ausgeglichen betrieben werden, während viele kleine Kunden keine kontinuierlich übertragene Leistungsmessung besitzen. Eine Einzelprognose für jede Wohnung wäre teuer, datenintensiv und bei kleinen Zufallslasten nicht automatisch genauer. SLP bündeln diese Kunden zu statistisch ähnlichen Gruppen und machen ihren erwarteten Verbrauch als Zeitreihe planbar.
Die Vereinfachung liegt nicht darin, dass überhaupt keine Energie gemessen wird. Die Jahresarbeit wird typischerweise durch Ablesung oder ein zulässiges Ermittlungsverfahren festgestellt. Vereinfacht wird vor allem die zeitliche Zuordnung dieser Arbeit: Das SLP verteilt die Jahresmenge auf Viertelstunden, obwohl für die einzelne Entnahmestelle kein echter Viertelstundenverlauf vorliegt.
§ 12 StromNZV nennt als typische Gruppen Gewerbe, Haushalte, Landwirtschaft, Bandlastkunden, unterbrechbare Verbrauchseinrichtungen und Heizwärmespeicher. In der praktischen Marktkommunikation werden hierfür Profilcodes und netzbetreiberspezifische Bezeichner verwendet. Ein Code wie H0 oder G0 ist deshalb nicht automatisch überall eine identische Zeitreihe: Version, Feiertagskalender, Region und Verfahren müssen zusammen betrachtet werden.
SLP entlasten die Prozesse von Messstellenbetreiber, Netzbetreiber und Lieferant. Gleichzeitig verlagern sie Prognoserisiken in die Differenzbilanzierung. Ist das aggregierte Kundenverhalten anders als die Profilkurve, entsteht eine Mehr- oder Mindermenge. Die Qualität des Verfahrens zeigt sich daher nicht am SLP einer einzelnen Wohnung, sondern an der Abweichung der gesamten Gruppe.
Wie ein SLP entsteht und skaliert
Interaktives Lernmodell · synthetische Daten
Ein Jahreswert wird zur Tageskurve
Gib einen Jahresverbrauch ein und beobachte, wie ein normierter Profilverlauf die Menge über einen beispielhaften Tag verteilt. Die Kurven sind frei erfunden und keine offiziellen BDEW-Koeffizienten.
Haushalt: 9,59 Kilowattstunden pro synthetischem Tag, Spitzenwert 0,81 Kilowattstunden um 19:00 Uhr.
Alle 24 Werte als Tabelle anzeigen
| Intervall | Profilanteil | Arbeit | mittlere Leistung |
|---|---|---|---|
| 00:00–01:00 | 2,38 % | 0,23 kWh | 0,23 kW |
| 01:00–02:00 | 1,99 % | 0,19 kWh | 0,19 kW |
| 02:00–03:00 | 1,79 % | 0,17 kWh | 0,17 kW |
| 03:00–04:00 | 1,69 % | 0,16 kWh | 0,16 kW |
| 04:00–05:00 | 1,74 % | 0,17 kWh | 0,17 kW |
| 05:00–06:00 | 2,48 % | 0,24 kWh | 0,24 kW |
| 06:00–07:00 | 4,47 % | 0,43 kWh | 0,43 kW |
| 07:00–08:00 | 6,95 % | 0,67 kWh | 0,67 kW |
| 08:00–09:00 | 5,21 % | 0,50 kWh | 0,50 kW |
| 09:00–10:00 | 3,57 % | 0,34 kWh | 0,34 kW |
| 10:00–11:00 | 2,98 % | 0,29 kWh | 0,29 kW |
| 11:00–12:00 | 2,88 % | 0,28 kWh | 0,28 kW |
| 12:00–13:00 | 2,98 % | 0,29 kWh | 0,29 kW |
| 13:00–14:00 | 3,18 % | 0,30 kWh | 0,30 kW |
| 14:00–15:00 | 3,48 % | 0,33 kWh | 0,33 kW |
| 15:00–16:00 | 3,97 % | 0,38 kWh | 0,38 kW |
| 16:00–17:00 | 4,97 % | 0,48 kWh | 0,48 kW |
| 17:00–18:00 | 6,36 % | 0,61 kWh | 0,61 kW |
| 18:00–19:00 | 7,70 % | 0,74 kWh | 0,74 kW |
| 19:00–20:00 | 8,44 % | 0,81 kWh | 0,81 kW |
| 20:00–21:00 | 7,45 % | 0,71 kWh | 0,71 kW |
| 21:00–22:00 | 5,86 % | 0,56 kWh | 0,56 kW |
| 22:00–23:00 | 4,27 % | 0,41 kWh | 0,41 kW |
| 23:00–24:00 | 3,23 % | 0,31 kWh | 0,31 kW |
Einordnung: Ein echtes SLP nutzt gültige Profilversionen, Zeitraster und Prozessregeln des zuständigen Netzbetreibers. Dieses Lernmodell zeigt nur das Prinzip „normierte Form × Jahresmenge“.
Ein normiertes Profil hat für jedes Zeitintervall einen Profilwert. Je nach Modell sind diese Werte als relative Anteile oder als normierte Leistungswerte zu verstehen. Entscheidend ist, dass die Summe über den Lieferzeitraum zur zugrunde liegenden Jahresmenge passt. Der Netzbetreiber ordnet einer Marktlokation eine Profilgruppe zu und verwendet die gültige Jahresverbrauchsprognose.
Vereinfacht kann die Skalierung so dargestellt werden:
SLP-Menge(t) = normierter Profilwert(t) × Jahresverbrauchsprognose
In einer realen Umsetzung kommen Einheiten, Tagesparameter, Schaltzeiten, Feiertagskalender, Schaltprofile und Rundungsregeln hinzu. Bei temperaturabhängigen Profilen wird zusätzlich ein Tagesparameter wie die Temperatur verwendet. Ein kalter Tag kann dann eine andere Profilkurve erzeugen als ein milder Tag. Der konkrete Prozess und der Zeitreihentyp sind aus den jeweils gültigen Marktprozessdokumenten zu übernehmen.
Die Jahresverbrauchsprognose legt der Verteilnetzbetreiber nach § 13 StromNZV in der Regel auf Basis des Vorjahresverbrauchs fest und teilt sie dem Lieferanten oder Netznutzer mit. Der Lieferant kann einer unplausiblen Prognose widersprechen und eine eigene Prognose vorlegen. Kommt keine Einigung zustande, entscheidet der Netzbetreiber; eine unterjährige gemeinsame Anpassung ist nur in begründeten Ausnahmefällen vorgesehen.
Für Abgrenzungen ist der Gültigkeitszeitpunkt entscheidend. Ein Einzug, Lieferantenwechsel oder eine Umstellung auf ein anderes Messverfahren darf nicht lediglich die Jahreszahl überschreiben. Die Zeitreihe muss den richtigen Zeitraum, die richtige Marktlokation und den richtigen Lieferanten abbilden.
Synthetisch und analytisch: zwei Verfahren
Beim synthetischen Verfahren verwendet der Netzbetreiber normierte Profilkurven und skaliert sie anhand der Jahresverbrauchsprognosen der zugeordneten Marktlokationen. Die Summe der einzelnen skalierten Profile bildet die erwartete Last der Gruppe beziehungsweise des Lieferanten. Die Abweichung zwischen dieser Summe und der später festgestellten Gesamtarbeit wird über den Differenzbilanzkreis behandelt.
Beim analytischen Verfahren prognostizieren Lieferanten beziehungsweise Bilanzkreisverantwortliche die erwarteten Lasten ihrer SLP-Kundengruppen. Der Netzbetreiber ermittelt die tatsächliche Gesamtlast nachträglich und verteilt sie anhand der gemeldeten beziehungsweise bilanzierten Anteile. Der Begriff „analytisch“ bedeutet nicht, dass für jede Wohnung ein echter Lastgang gemessen wird. Auch hier handelt es sich um eine aggregierte Prognose.
Die Verfahren haben unterschiedliche Datenflüsse und Verantwortlichkeiten. Ein Systemwechsel darf daher nicht nur die Profilbezeichnung ändern. Profilverfahren, Zeitreihentyp, Version und historische Werte müssen nachvollziehbar bleiben. In der aktuellen MaBiS-Systematik werden normierte Profile versioniert und profilscharf bereitgestellt; ändert sich Verfahren oder Zeitreihentyp, ist ein neuer Bezeichner erforderlich.
| Merkmal | Synthetisches Verfahren | Analytisches Verfahren |
|---|---|---|
| Ausgangspunkt | Normiertes Profil je Kundengruppe und Jahresprognose | Prognose des Lieferanten für die Kundengruppe |
| Hauptverantwortung für Profil-/Prognosebildung | Netzbetreiber | Lieferant bzw. BKV |
| Zeitpunkt der Ermittlung | Vor beziehungsweise während des Liefertags | Prognose vorab, tatsächliche Zuordnung nachgelagert |
| Abweichungsbehandlung | Differenzbilanzierung und Mehr-/Mindermengen | Nachträgliche Differenz zwischen Prognose und ermittelter Last |
| Technische Voraussetzung | Gültige Profile, Versionen und Prognosen | Plausible Lieferantenprognose und korrekte Gruppierung |
Die konkrete Anwendung, insbesondere bei neuen Messkonzepten und intelligenten Messsystemen, richtet sich nach StromNZV, MsbG und den aktuellen Festlegungen. Das historische Gegensatzpaar „synthetisch oder analytisch“ erklärt die Grundidee, ersetzt aber keine Prüfung des aktuell gültigen Zeitreihentyps.
SLP, RLM, Lastgang und Prognose sauber abgrenzen
Ein Lastgang ist eine Zeitreihe von Messwerten oder aus Messwerten abgeleiteten Leistungswerten. Bei RLM werden Leistung beziehungsweise Arbeit in kurzen Zeitintervallen registriert und für die Marktprozesse übertragen. Der Lastgang beschreibt, was an der Messlokation tatsächlich passiert ist, einschließlich Betriebszeiten, Spitzen und kurzfristiger Schwankungen.
SLP ist kein gemessener Lastgang der einzelnen Marktlokation. Es ist eine standardisierte Ersatzbeschreibung, die eine Jahresarbeit zeitlich verteilt. Ein SLP-Haushalt kann morgens duschen, wenn das Profil einen Mittelwert über viele Haushalte abbildet; diese individuelle Abweichung wird nicht sichtbar. Erst die Summe vieler Kunden wird statistisch belastbarer.
RLM ist außerdem nicht einfach die Bezeichnung für „viel Verbrauch“. Die Zuordnung kann von gesetzlichen Schwellen, Messkonzept, Netzbetreiberregeln und der tatsächlichen Messausstattung abhängen. Umgekehrt können intelligente Messsysteme Zählerstandsgänge beziehungsweise andere Zeitreihen ermöglichen, ohne dass man sie fachlich als klassische RLM-Zeitreihe bezeichnen sollte.
Eine Prognose ist wiederum ein Blick nach vorn: Sie schätzt Last oder Arbeit für einen zukünftigen Zeitraum. Ein SLP kann als Bestandteil einer Prognose verwendet werden, ist aber nicht mit ihr identisch. Ein Lieferant kann auf Basis von SLP, Wetter, Kundenbestand und Handelspositionen eine eigene Beschaffungsprognose erstellen.
| Begriff | Beantwortet vor allem die Frage | Typischer Status |
|---|---|---|
| SLP | Wie verteilt sich eine prognostizierte Jahresarbeit typischerweise über die Zeit? | standardisiert / versioniert |
| RLM | Welche Leistung oder Arbeit wurde je Intervall tatsächlich registriert? | gemessen / qualitätsbewertet |
| Lastgang | Wie sieht die Zeitreihe der Leistung oder Arbeit aus? | Ist-Zeitreihe, Prognose oder Ersatzwert möglich |
| Prognose | Welche Menge wird künftig erwartet? | erwarteter, versionierter Wert |
Mehr- und Mindermengen in der Bilanzierung
§ 13 StromNZV behandelt die Differenz zwischen der gemessenen oder anderweitig ermittelten elektrischen Arbeit und der Arbeit aus den prognostizierten Lastprofilen als Jahresmehr- oder Jahresmindermenge. Diese Differenz ist im Verhältnis zwischen Netzbetreiber und Lieferant so zu behandeln, als habe der Netzbetreiber die zusätzliche Menge geliefert oder die fehlende Menge abgenommen. Daraus folgt nicht, dass der Netzbetreiber den individuellen Verbrauch innerhalb jedes Viertelstundenintervalls nachträglich kennt.
Im operativen Bilanzkreis werden SLP-Summen als Zeitreihen berücksichtigt. In der MaBiS-Kommunikation existieren dafür definierte Zeitreihentypen und Summenreihen. Eine SLP-Summe ist weder automatisch eine RLM-Summe noch eine Restlast. Standardeinspeiseprofile und bestimmte tagesparameterabhängige Profile sind ebenfalls getrennt zu behandeln. Die richtige Codierung ist daher ein fachlicher Kontrollpunkt, nicht nur ein Formatdetail.
Die Mehr-/Mindermengenabrechnung benötigt stabile Versionen. Wenn der Netzbetreiber ein Profil rückwirkend korrigiert oder eine Jahresprognose ändert, müssen Ursache, Gültigkeit und betroffene Liefermonate bekannt sein. Ein EDM sollte deshalb Ursprungswerte, Korrekturstände und Abrechnungsversionen aufbewahren, statt nur den letzten Stand zu überschreiben.
Praxisfall: Haushalt mit Wärmepumpe und PV
Eine Marktlokation verbraucht im Vorjahr 4.200 kWh. Sie wird zunächst als Haushalts-SLP geführt. Im Frühjahr nimmt der Betreiber zusätzlich eine Wärmepumpe in Betrieb; eine PV-Anlage erzeugt Strom, der teilweise selbst verbraucht wird. Ohne Anpassung bildet das alte H0-Profil weder die zusätzliche Winterlast noch die Erzeugungs-/Verbrauchsbeziehung ab.
Das Marktteam prüft zuerst das Messkonzept und die Frage, ob hinter dem Netzanschlusspunkt Verbrauch und Erzeugung gemeinsam stattfinden. Bei einem intelligenten Messsystem kann § 12 Abs. 5 StromNZV die Anwendung standardisierter Lastprofile am Netzanschlusspunkt ausschließen, wenn erzeugter Strom nicht vollständig eingespeist wird. Maßgeblich ist nicht allein die Existenz einer PV-Anlage, sondern die konkrete Mess- und Bilanzierungssituation.
Bis zur wirksamen Umstellung wird die Jahresverbrauchsprognose nach den geltenden Regeln angepasst und der Lieferant informiert. Die ursprüngliche SLP-Zeitreihe bleibt versioniert erhalten. Nach der Umstellung werden neue Zeitreihentypen, Gültigkeitsdaten und Messwerte verarbeitet. So kann die Abrechnung erklären, warum Wintermengen nicht einfach mit den alten Haushaltsprofilen verglichen werden dürfen.
SAP-IS-U- und EDM-Praxis
In SAP IS-U liegen die Bausteine eines SLP-Falls typischerweise an mehreren Stellen: Anlage und Zählwerk beschreiben die technische Messung, Marktlokation und Bilanzierungsmerkmale die energiewirtschaftliche Zuordnung, Vertrags- und Lieferdaten den Abrechnungszusammenhang. Ein EDM oder Datawarehouse verarbeitet Profile, Zeitreihen, Prognosen, Versionen und Summenmeldungen. Die genaue Objekt- und Transaktionsstruktur ist release- und kundenspezifisch.
Für die Datenqualität sind mindestens folgende Attribute gemeinsam zu führen: Marktlokations-ID, Profilcode, Profilverfahren, Netzbetreiber, Lieferant, Bilanzkreis, Jahresverbrauchsprognose, Einheit, Zeitzone, Gültigkeitsintervall, Profilversion und Messwertstatus. Werden diese Informationen getrennt oder verspätet aktualisiert, können fachlich plausible Mengen der falschen Gruppe zugeordnet werden.
Ein robustes EDM trennt Stammdaten, normierte Profilwerte, skalierte Bilanzierungszeitreihe, tatsächliche Ablesearbeit und Mehr-/Mindermengenabrechnung. Es protokolliert, mit welcher Profilversion und welcher Prognose eine Zeitreihe erzeugt wurde. Bei einer Korrektur wird eine neue Version erzeugt; die alte bleibt für Audit und Nachrechnung auffindbar.
Vor dem Versand oder Import helfen Plausibilitätsregeln: Profilwerte müssen zum Zeitraster passen, die Jahres- oder Monatsumme muss die erwartete Skalierung ergeben, doppelte Marktlokationen müssen auffallen, und ein Verfahrenswechsel darf keine überlappenden Gültigkeiten erzeugen. Sommer-/Winterzeit, Feiertagsregionen, Ein- und Auszüge sowie Ersatzwerte gehören in die Testfälle.
Typische Missverständnisse
„SLP bedeutet, dass überhaupt nicht gemessen wird.“ Nein. Häufig wird die Jahresarbeit gemessen oder ermittelt; nur ihr zeitlicher Verlauf wird standardisiert.
„H0 ist überall dieselbe Kurve.“ Nicht zwingend. Netzbetreiber, Version, Feiertagskalender, Region und Profilverfahren können die konkrete Zeitreihe bestimmen.
„Ein Kunde unter 100.000 kWh muss immer SLP sein.“ § 12 StromNZV formuliert die Grundregel für das Niederspannungsnetz, lässt aber die Übermittlung von Last- oder Zählerstandsgängen und weitere gesetzliche Vorgaben zu. Messkonzept und aktuelle Regeln sind entscheidend.
„SLP ist eine Tarifart.“ Nein. SLP beschreibt die Bilanzierung und zeitliche Mengenverteilung, nicht den Preis oder das Vertragsmodell.
„RLM und Lastgang sind Synonyme.“ RLM bezeichnet ein Mess- beziehungsweise Bilanzierungsverfahren; der Lastgang ist die Zeitreihe selbst. Ein Lastgang kann auch prognostiziert oder als Ersatzwert verarbeitet werden.
„Das Standardprofil prognostiziert den einzelnen Haushalt.“ Es beschreibt eine Kundengruppe. Individuelle Gewohnheiten werden erst in einer ausreichend großen Aggregation statistisch geglättet.
„Eine neue Profilversion kann die alte überschreiben.“ Für nachvollziehbare Marktprozesse müssen Version, Gültigkeit und betroffene Zeiträume erhalten bleiben. Sonst ist eine Mehr-/Mindermengenabrechnung nicht reproduzierbar.
Quellen und Pflegehinweis
Dieser Artikel wurde am 8. September 2026 fachlich geprüft. Rechtsgrundlage für die Grundanwendung im Niederspannungsnetz, die Profilgruppen, die Differenzbilanzierung sowie Jahresverbrauchsprognosen sind §§ 12 und 13 StromNZV. Die Bundesnetzagentur hat mit Mitteilung Nr. 72 vom 5. Februar 2026 auf aktualisierte Standardlastprofile Strom und deren Bedeutung für die Mehr-/Mindermengenberechnung hingewiesen. Profilcodes, Zeitreihentypen, Versionen und Übertragungsprozesse sind dennoch regelmäßig gegen die aktuelle GPKE-/MaBiS-Dokumentation und die Vorgaben des jeweils zuständigen Netzbetreibers zu prüfen.
Besondere Aufmerksamkeit benötigen Änderungen durch intelligente Messsysteme, Zählerstandsgänge, neue Profilversionen und die Weiterentwicklung der MaBiS-Prozesse. Die Begriffe „SLP“, „analytisch“ und „synthetisch“ sind daher immer zusammen mit Zeitreihentyp, Gültigkeitszeitraum und konkretem Marktprozess zu lesen.
- StromNZV §§ 12–13: Standardisierte Lastprofile und Jahresmehr-/Jahresmindermengen
- BNetzA Mitteilung Nr. 72: Aktualisierte Standardlastprofile Strom
- BNetzA MaBiS: Profile und Zeitreihen, BK6-24-174
- BNetzA: Codeliste der Standardlastprofile und Zeitreihentypen
- BNetzA Beschluss BK8-17-1177: Mehr-/Mindermengen und Lastprofilverfahren
Primärquellen zum Nachlesen
- Stromnetzzugangsverordnung §§ 12–13 – Standardisierte Lastprofile und Jahresmehr-/Jahresmindermengengesetze-im-internet.de
- Bundesnetzagentur – Mitteilung Nr. 72 zur GPKE (aktualisierte Standardlastprofile Strom)bundesnetzagentur.de
- Bundesnetzagentur – MaBiS, Konsultationsfassung BK6-24-174 (Profile und Zeitreihen)bundesnetzagentur.de
- Bundesnetzagentur – Codeliste der Standardlastprofile nach TUMbundesnetzagentur.de
- Bundesnetzagentur – Beschluss BK8-17-1177 (Mehr-/Mindermengen und Lastprofilverfahren)data.bundesnetzagentur.de
