Prognose und Fahrplan

Energiedaten & Bilanzierung

Lastprognose im Bilanzkreis

Wie Lieferanten und Bilanzkreisverantwortliche den Stromverbrauch prognostizieren, daraus Fahrpläne ableiten und Abweichungen sauber bewerten.

Arbeitsplatz mit Stromzähler, Netzlandschaft und visualisierten Last- und Bilanzkurven
Zeitreihen machen sichtbar, wann Erzeugung, Verbrauch und Bilanz auseinanderliegen.
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Kurzantwort

Eine Lastprognose ist eine zeitaufgelöste Schätzung, wie viel elektrische Energie eine Kundengruppe, ein Lieferportfolio oder ein ganzer Bilanzkreis in den kommenden Viertelstunden benötigt. Sie ist eine Entscheidungsvorlage: Aus ihr werden Handelsgeschäfte und ein Fahrplan abgeleitet. Sie ist weder der Fahrplan selbst noch ein gemessener Ist-Verbrauch.

Im Bilanzkreis treffen drei Sichtweisen aufeinander. Die Prognose beschreibt die Erwartung, der Fahrplan die beim Übertragungsnetzbetreiber (ÜNB) angemeldete kommerzielle Position und die Messwert-Zeitreihe die nachträglich festgestellte Realität. Ihre Differenz bildet – zusammen mit Einspeisungen und weiteren Geschäften – die Bilanzkreisabweichung. Der ÜNB hält das Gesamtsystem mit Regelreserve stabil und rechnet die verbleibenden Ungleichgewichte gegenüber dem Bilanzkreisverantwortlichen (BKV) mit Ausgleichsenergiepreisen ab. Regelenergie ist deshalb nicht die „Prognoseenergie“ eines Lieferanten.

SystemebeneHistorische LastgängeLastprognoseWetter, Kalender, PreiseHandelsentscheidungAngemeldeter FahrplanMesswerte /MaBiS-ZeitreihenIst-BilanzBilanzkreisabweichungAusgleichsenergie-AbrechnungRegelreserve durch ÜNB
Von Messdaten und Annahmen zur Bilanzkreisabrechnung – vereinfachte Wirkungskette.

Warum ein Bilanzkreis eine Lastprognose braucht

Elektrische Energie wird im Großhandel für konkrete Zeitintervalle beschafft. Ein Lieferant kauft nicht einfach „den Jahresverbrauch seiner Kunden“, sondern muss Mengen je Viertelstunde oder – abhängig vom Prozess – in der jeweils geltenden Zeitauflösung planen. Der Bilanzkreis bündelt diese Entnahmen mit Einspeisungen und Handelsgeschäften. Das EnWG beschreibt ihn als Zusammenfassung von Einspeise- und Entnahmestellen, mit der Abweichungen durch Durchmischung minimiert und Handelsgeschäfte abgewickelt werden können.

Die Prognose erfüllt dabei zwei Aufgaben. Erstens unterstützt sie die Beschaffung: Ein Lieferant möchte ausreichend Energie einkaufen, ohne dauerhaft teure Übermengen zu halten. Zweitens ermöglicht sie eine plausible Fahrplanbewirtschaftung. Ein Fahrplan soll die erwartete Position des Bilanzkreises ausdrücken und dem ÜNB rechtzeitig zeigen, welche Energiemengen zwischen Bilanzkreisen fließen sollen. Die ÜNB beschreiben das Ziel des Fahrplanmanagements als möglichst ausgeglichene Saldierung von Einspeisung und Entnahme.

Eine Prognose kann trotzdem falsch sein. Menschen kochen, Maschinen fallen aus, ein Feiertag liegt in einer ungewöhnlichen Woche und eine Photovoltaikanlage produziert bei Bewölkung anders als erwartet. Gute Prognosearbeit bedeutet daher nicht, Zufälle zu beseitigen. Sie bedeutet, systematische Fehler zu erkennen, Unsicherheit sichtbar zu machen und neue Informationen schnell in die nächste Berechnung einzubauen.

Ein Bilanzkreis gleicht Erzeugung, Handel und Verbrauch einer Bilanz ab
Lieferant / ErzeugerMengen im Bilanzkreis

Entnahmen und Einspeisungen der zugeordneten Marktlokationen sowie Handel.

Bilanzkreisverantwortlicher (BKV)führt den Bilanzkreis

Prognose, Fahrplan, Bilanzkreistreue. Der BKV schließt den Bilanzkreisvertrag mit dem ÜNB.

Übertragungsnetzbetreiber (ÜNB)regelt die Differenz

Führt die Bilanzkreisabrechnung durch und stellt Abweichungen als Ausgleichsenergie in Rechnung.

Kunde

Vertragspartner des Lieferanten, nicht Sender in der Marktkommunikation.

Bilanzierungsgebiet

räumliche Zuordnung, in der die Bilanzierung erfolgt.

Mehr-/Mindermengen

Salden, die zwischen Bilanzkreisen und Netzbetreibern verrechnet werden.

Die vier Begriffe, die sauber getrennt werden müssen

Prognose

Die Lastprognose ist ein Rechenergebnis mit Erstellungszeitpunkt, Horizont, Zeitraster und Annahmen. Typisch sind Prognosen für den nächsten Tag, die nächste Woche, den Monat oder ein Jahr. Für die operative Bilanzkreisbewirtschaftung ist besonders die kurzfristige Prognose wichtig. Sie kann zunächst den erwarteten Verbrauch des gesamten Portfolios enthalten und später durch aktuelle Temperatur-, Wetter- oder Kundendaten korrigiert werden.

Fahrplan

Der Fahrplan ist die verbindliche oder nach den geltenden Regeln änderbare Anmeldung von Energiepositionen beim ÜNB. Er enthält nicht zwingend alle internen Prognosedetails, sondern die für den Fahrplanaustausch erforderlichen Zeitreihen und Geschäfte. Ein BKV kann deshalb intern mehrere Modelle, Szenarien und Kundensegmente führen, nach außen aber einen konsolidierten Fahrplan melden. Die ÜNB-Prozessbeschreibung nennt neben Handelsfahrplänen auch Prognosezeitreihen für physische Erzeugung und Verbrauch, etwa FC-PROD und FC-CONS, sofern die Voraussetzungen des Bilanzkreisvertrags erfüllt sind.

Bilanzkreisabweichung

Die Abweichung entsteht erst, wenn die tatsächliche Bilanz vorliegt. Vereinfacht gilt für ein Intervall:

Bilanzkreisabweichung = Ist-Einspeisung − Ist-Entnahme − angemeldete Netto-Handelsposition.

Je nach Vorzeichenkonvention des verwendeten Systems kann die Darstellung umgekehrt aussehen. Deshalb muss ein Fachkonzept immer festlegen, ob eine positive Zahl Über- oder Unterspeisung bedeutet. Die Messwerte werden nach den Marktprozessen aggregiert und bilanziell zugeordnet; eine einzelne Kundenprognose ist noch keine Bilanzkreisabweichung.

Ausgleichsenergie und Regelenergie

Ausgleichsenergie bezeichnet im Abrechnungskontext die Energiemenge beziehungsweise finanzielle Bewertung, mit der das Ungleichgewicht eines Bilanzkreises ausgeglichen wird. Der reBAP ist der regelzonenübergreifend einheitliche Bilanzausgleichsenergiepreis für die Abrechnung von Bilanzungleichgewichten.

Regelenergie beziehungsweise Regelarbeit wird dagegen auf Systemebene durch den ÜNB aktiviert, um die Frequenz und die Leistungsbilanz der Regelzone zu stabilisieren. Der BKV bestellt nicht einfach Regelenergie, wenn seine Lastprognose abweicht. Er trägt die finanzielle Verantwortung für seine Abweichung; der ÜNB organisiert die dafür notwendige Systemregelung. Beide Größen hängen über die Systembilanz und die Preisbildung zusammen, sind aber unterschiedliche Produkte und Prozesse.

Eingangsdaten: Was eine gute Prognose wirklich braucht

Der wichtigste Eingang ist eine konsistente historische Zeitreihe. Sie muss dieselbe Marktlokation oder Kundengruppe über die Zeit abbilden und darf Zählerwechsel, Lieferbeginn, Lieferende, Ersatzwerte und Zeitumstellungen nicht stillschweigend vermischen. Viertelstundenwerte müssen mit einem klaren Zeitstempel und einem Status versehen sein. Ein fehlender Messwert ist keine Null und ein geschätzter Wert ist kein gleichwertiger Trainingswert.

Für Haushalts- und Kleingewerbekunden ohne registrierende Leistungsmessung werden häufig Standardlastprofilverfahren verwendet. Das Profil ist eine standardisierte Verbrauchsstruktur, die mit Jahresverbrauch und weiteren Parametern skaliert wird. Es ersetzt nicht jede operative Prognose: Wetter, Wochentag, Ferien, Feiertage und Portfoliozusammensetzung können trotzdem eine Rolle spielen. Bei RLM-Kunden stehen gemessene Lastgänge zur Verfügung; hier sind Betriebszeiten, Produktionspläne, Schichtwechsel und geplante Stillstände besonders aussagekräftig.

Weitere Einflussgrößen sind Außentemperatur, Bewölkung und Wind, soweit sie die Last oder die gekoppelte Erzeugung beeinflussen. Kalendermerkmale müssen für Deutschland und die betroffene Region korrekt sein. Ein gesetzlicher Feiertag kann in einem Bundesland gelten und in einem anderen nicht. Auch die Umstellung zwischen Sommer- und Winterzeit ist fachlich relevant: Das Modell und die Datenpipeline müssen eindeutig behandeln, ob ein Tag 92, 96 oder 100 Viertelstunden enthält.

Schließlich ändern neue Kunden, Auszüge, Lieferantenwechsel, Eigenerzeugung, Wärmepumpen, Speicher und Elektromobilität die Struktur des Portfolios. Ein Modell, das nur historische Summen fortschreibt, kann bei einer stark wachsenden oder schrumpfenden Kundengruppe systematisch danebenliegen. Deshalb gehören Stammdatenqualität und Prognosequalität zusammen.

Modellierung: vom einfachen Profil zur laufenden Korrektur

Für viele Portfolios ist ein transparentes Basismodell der beste Start. Es kann für jede Viertelstunde den Mittelwert vergleichbarer historischer Tage verwenden und anschließend Temperatur- und Kalendereffekte korrigieren. Vergleichbare Tage sind beispielsweise Werktage ohne Feiertag oder Samstage derselben Saison. Das Modell sollte saisonale Veränderungen und die unterschiedliche Länge von Tagen berücksichtigen.

Komplexere Verfahren können Regression, Zeitreihenmodelle oder maschinelles Lernen einsetzen. Der Algorithmus ist aber nicht automatisch besser, wenn die Eingabedaten fehlerhaft sind. Ein verständliches Modell mit sauberer Datenbereinigung und aktuellen Korrekturen ist operativ oft wertvoller als ein schwer erklärbares Modell, dessen Fehler niemand rechtzeitig bemerkt.

Ein professioneller Prozess berechnet mehrere Horizonte. Die langfristige Prognose unterstützt Budget und Beschaffung; die kurzfristige Prognose wird näher am Liefertag mit aktuellen Ist-Werten und Wetterdaten aktualisiert. Ein Forecast sollte versioniert werden: Wer hat ihn wann mit welchen Eingangsdaten erstellt? So lässt sich später unterscheiden, ob der Fehler aus dem Modell, aus einer Stammdatenänderung oder aus einer verspäteten Messwertlieferung stammt.

Wichtig ist auch die Ausweisung von Unsicherheit. Ein einzelner Punktwert suggeriert Genauigkeit, die nicht existiert. Prognosebänder oder Szenarien für milde, normale und kalte Tage helfen dem BKV, Handelsentscheidungen und Risikolimits angemessen zu gestalten. Für die eigentliche Fahrplanmeldung wird anschließend eine konkrete Position benötigt; das Szenario bleibt jedoch für die Risikosteuerung wertvoll.

Vom Forecast zur Fahrplanmeldung

Der Übergang vom Forecast zum Fahrplan ist eine fachliche Entscheidung, kein bloßer Export. Das Prognosesystem liefert beispielsweise den erwarteten Verbrauch eines Lieferportfolios. Handelspositionen, Eigenerzeugung, Speicherfahrweisen, geplante Redispatch-Mengen und bereits abgeschlossene Geschäfte werden hinzugefügt oder abgezogen. Danach wird geprüft, ob Vorzeichen, Zeitzone, Einheit, Viertelstundenraster und Bilanzkreiszuordnung stimmen.

Bei physischen Entnahmen oder Einspeisungen können nach den Regeln des Fahrplanmanagements ergänzende Prognosezeitreihen erforderlich sein. Sie dürfen nicht unkontrolliert mit anderen Reihen saldiert werden. Ein Fahrplan muss außerdem fristgerecht und in dem vom ÜNB vorgegebenen Format übermittelt werden. Die auf Netztransparenz beschriebene Standardfrist für die vortägige Fahrplananmeldung liegt bei 14:30 Uhr für den Folgetag; operative Teams müssen stets die aktuell gültige Prozessbeschreibung und mögliche untertägige Änderungsregeln verwenden.

Vor dem Versand gehören fachliche Plausibilitätschecks dazu: Ist der Verbrauch in der Größenordnung der historischen Last? Gibt es unerwartete Sprünge zwischen zwei Viertelstunden? Passt die Summe der Kundensegmente zum Portfolio? Wurde ein Lieferantenwechsel mit seinem Gültigkeitszeitpunkt berücksichtigt? Ein technisch korrekt übertragenes File kann trotzdem eine fachlich falsche Position enthalten.

Abweichung messen und Ursachen verstehen

Nach dem Liefertag werden die Ist-Zeitreihen aus Messung und Marktkommunikation verarbeitet. MaBiS regelt die Marktprozesse für die Bilanzkreisabrechnung und beschreibt die Zuordnung, Aggregation und Qualität der bilanzierungsrelevanten Daten. Das Ergebnis ist nicht sofort endgültig: Korrekturen, Ersatzwerte und nachgelagerte Abrechnungsstufen können die Zeitreihe verändern. Ein Prognosemonitoring muss daher zwischen vorläufigem und abrechnungsrelevantem Stand unterscheiden.

Sinnvolle Kennzahlen sind der mittlere absolute Fehler (MAE), der mittlere prozentuale Fehler mit vorsichtiger Behandlung kleiner Lasten sowie die kumulierte Mengenabweichung. Zusätzlich sollte der BKV die Richtung des Fehlers beobachten. Ein Modell, das jeden Tag leicht zu niedrig prognostiziert, kann dieselbe absolute Genauigkeit wie ein zufälliges Modell haben, verursacht aber eine systematische Bilanzposition.

Die Ursachenanalyse sollte nach Segmenten erfolgen: SLP und RLM, Temperaturklassen, Kundengröße, Branche, Region und Erzeugungsart. Ein großer Portfoliofehler kann aus vielen kleinen Kundeneffekten entstehen oder aus einer einzigen falsch zugeordneten Marktlokation. Deshalb müssen Prognosemonitoring, Stammdatenmonitoring und MaBiS-Klärprozesse zusammenarbeiten.

Praxisbeispiel: Ein kalter Montag im Lieferportfolio

Ein Lieferant versorgt 20.000 Haushalte und 80 RLM-Kunden. Für einen Montag prognostiziert sein Modell im Lieferportfolio 1.000 MWh. In dieser Menge sind Wetter- und Kalendereffekte berücksichtigt. Der Lieferant kauft und meldet die erwartete Netto-Position als Fahrplan. Eine geplante Eigenerzeugung von 120 MWh und ein Handelsgeschäft über 80 MWh werden getrennt dokumentiert und nach der vereinbarten Vorzeichenlogik berücksichtigt.

Am Morgen fällt die Temperatur deutlich niedriger aus als im Vortagslauf angenommen. Wärmepumpen und elektrische Heizungen erhöhen die tatsächliche Entnahme. Gleichzeitig meldet ein Industriekunde wegen eines Anlagenstillstands weniger Verbrauch. Die Saldierung des Portfolios ergibt am Ende 1.045 MWh. Der Fehler beträgt also 45 MWh gegenüber der zugrunde gelegten Position – nicht 45 MWh „Regelenergie des Lieferanten“.

Das Team prüft zuerst, ob die Messwerte vollständig und richtig zugeordnet sind. Danach trennt es Wettereffekt, Industriekundenereignis und eventuelle Handels- oder Stammdatenfehler. Für das nächste Prognose-Update fließen die aktuellen Temperaturen und die Information über den Stillstand ein. Die Abweichung wird nach den geltenden Regeln in der Bilanzkreisabrechnung bewertet. Der ÜNB hat die Systembilanz während des Tages mit Regelreserve stabilisiert; diese technische Aktivierung ist von der internen Ursachenanalyse des Lieferanten zu unterscheiden.

SAP-IS-U- und EDM-Bezug

In SAP IS-U liegen die für die Prognose relevanten Informationen verteilt: Geschäftspartner und Verträge beschreiben die Beziehung zum Kunden, Anlagen und Zählwerke die technische Messung, Marktlokationen und Bilanzierungsmerkmale die energiewirtschaftliche Zuordnung. Ein EDM- oder Datawarehouse-Baustein übernimmt typischerweise Zeitreihen, Aggregationen, Forecast-Versionen und Abweichungskennzahlen. Die genaue Lösung hängt von Release, Add-ons und der Systemlandschaft ab; eine Standardtransaktion allein ist kein fachliches Prognosekonzept.

Besonders wichtig ist die zeitliche Gültigkeit. Ein Lieferbeginn darf die neue Marktlokation nicht rückwirkend mit alten Mengen überschreiben. Ein Zählerwechsel muss die technische Kontinuität und die Abgrenzung der Zeitreihe nachvollziehbar machen. Für jeden Forecast sollten Quelle, Version, Erstellungszeitpunkt, Zeitzone, Einheit, Bilanzkreis und verwendete Messwertqualität gespeichert werden.

Die Schnittstelle zwischen IS-U, EDM und Marktkommunikation sollte Prognose und Fahrplan als unterschiedliche Objekte behandeln. Das verhindert, dass eine nachträgliche Fahrplanänderung die ursprüngliche Modellprognose zerstört oder dass ein Ersatzwert als gemessene Wahrheit in das Training gelangt. Für MaBiS-Prozesse sind außerdem Nachrichtenstatus, Gültigkeitsintervalle und Korrekturstände zu archivieren.

Ein gutes Fachkonzept beantwortet mindestens diese Fragen: Welche Zeitreihe wird prognostiziert? Wer besitzt sie fachlich? Welche Marktlokationen und Bilanzkreise sind enthalten? Welche Datenqualität ist zulässig? Wann wird ein Forecast eingefroren, wann darf er ersetzt werden? Wie wird aus Forecast, Handel und Erzeugung die Fahrplanposition? Und wie werden Abweichungen bis zur endgültigen MaBiS-Zeitreihe zurückverfolgt?

Typische Missverständnisse

„Die Lastprognose ist der Fahrplan.“ Nein. Die Prognose ist eine Erwartung; der Fahrplan ist die daraus und aus Handelspositionen gebildete Anmeldung.

„Eine Abweichung zeigt automatisch einen Modellfehler.“ Nicht zwingend. Messlücken, Ersatzwerte, falsche Zuordnungen, ungeplante Ereignisse oder Handelsdaten können denselben Effekt erzeugen.

„SLP-Kunden müssen nicht prognostiziert werden.“ Standardlastprofile liefern eine Bilanzierungsgrundlage, ersetzen aber nicht die Portfolio- und Beschaffungsprognose.

„Mehr Verbrauch bedeutet immer eine positive Abweichung.“ Das hängt von der verwendeten Vorzeichenkonvention und von der gesamten Bilanz ab. Erzeugung, Geschäfte und Entnahmen müssen gemeinsam betrachtet werden.

„Ausgleichsenergie und Regelenergie sind dasselbe.“ Nein. Regelenergie wird vom ÜNB zur Stabilisierung des Systems aktiviert; Ausgleichsenergie ist die bilanzielle beziehungsweise finanzielle Bewertung der Abweichung.

„Ein genauer Forecast macht den Bilanzkreis immer ausgeglichen.“ Auch ein sehr guter Forecast kann durch Ausfälle und kurzfristige Ereignisse abweichen. Ziel ist robuste Bewirtschaftung, nicht die Behauptung einer unmöglichen Gewissheit.

Quellen und Pflegehinweis

Dieser Artikel wurde am 8. September 2026 geprüft. Die Definition des Bilanzkreises und die finanzielle Verantwortung des BKV folgen dem EnWG. MaBiS nach Festlegung BK6-24-174 ist seit dem 6. Juni 2025 die maßgebliche aktuelle Fassung auf der BNetzA-Seite. Fristen, Zeitreihentypen, Formate und Korrekturprozesse können durch neue Festlegungen und Prozessversionen geändert werden. Das gilt insbesondere im Zusammenhang mit dem geplanten MaBiS-Hub; die BNetzA nennt dafür in ihrem Verfahrensstand eine angedachte Produktivsetzung in der zweiten Jahreshälfte 2028. Vor einer Umsetzung sind daher immer die aktuellen Dokumente des ÜNB, der BNetzA und der Marktpartner zu prüfen.

Primärquellen zum Nachlesen