Prozessmonitoring und Klärfälle

SAP Utilities & Betrieb

Worklists und Wiedervorlagen

Wie offene Vorgänge im Utilities-Betrieb zu einer priorisierten Arbeitsliste werden und wie sich Worklist, Eingangskorb und Wiedervorlage sauber trennen lassen.

Auf dieser Seite 11 Abschnitte

Kurzantwort

Eine Worklist ist eine gefilterte, sortierte Liste offener Vorgänge für einen Sachbearbeiter. Der Eingangskorb sammelt dagegen alles Neue ungefiltert. Die Wiedervorlage ist dagegen ein Termin: Das System legt den Vorgang bis zu einem Datum zurück und zeigt ihn danach erneut vor. Priorisiert wird nach Fälligkeit und Priorität, nicht nach Eingangsreihenfolge. Überfällige Vorgänge müssen sichtbar bleiben und bei Fristüberschreitung eskaliert werden.

Einordnung

Der Artikel „Prozessmonitoring und Klärfälle“ beschreibt die Prozesssicht: Welche Marktprozesse offen sind und welche Fristen laufen. Dieser Artikel behandelt die Arbeitsebene darunter. Hier geht es um die Frage, wie ein Sachbearbeiter seine offenen Vorgänge zu einer abarbeitbaren Liste macht.

Beide Ebenen brauchen dieselben Daten. Das Monitoring liefert Fälligkeiten und Zustände, die Worklist macht daraus eine Reihenfolge. Ohne Monitoring hat die Worklist keine Fristen. Ohne Worklist hat das Monitoring keine Wirkung.

Der Artikel richtet sich an Fachliche im Utilities-Betrieb und an Berater, die Arbeitsvorräte aufsetzen. Er beschreibt Begriffe und Steuerungslogik, keine Bedienklicks.

Drei Dinge, die oft verwechselt werden

Der Eingangskorb ist ein Postfach. Er nimmt jede neue Nachricht und jeden neuen Klärfall auf, unabhängig von der Zuständigkeit. Ein Eingangskorb sortiert nicht nach Dringlichkeit. Er ist vollständig, aber ungeordnet.

Die Worklist, oft auch Arbeitsliste oder Arbeitsvorrat genannt, ist eine Abfrage mit Selektionskriterien. Sie zeigt die Vorgänge, die eine Person oder ein Team bearbeiten soll. Die Liste lebt von ihren Filtern: Status, Bearbeiter, Fälligkeit. In der Klärungsfallbearbeitung des erweiterten Nachrichtenmanagements selektieren Sie nach Status, etwa Neu und In Bearbeitung, und schränken zusätzlich über die Organisationseinheit oder den Benutzer ein (Klärungslisten, Abschnitt Selektion).

Die Wiedervorlage ist ein Termin am Vorgang. In der Workflow-Wiedervorlage legen Sie ein Workitem bis zu einem angegebenen Termin zurück. Es verschwindet bis dahin aus dem Workflow-Eingang und erscheint anschließend wieder zur Bearbeitung (Workflow-Wiedervorlage, Abschnitt Ablauf).

Wer diese drei gleichsetzt, baut Listen, die niemand abarbeitet. Der Eingangskorb wächst, die Fristen laufen, und niemand sieht, welcher Fall heute zuerst dran ist.

Der Weg eines Vorgangs

jajaneinjaneinnein, Frist überschrittenNeuer VorgangEingangskorbWorklist: Filter nach Statusund BearbeiterPriorisieren: Fälligkeitaufsteigend, PrioritätabsteigendFrist noch offen?Bearbeitung heutemöglich?BearbeitenWiedervorlage setzenWorkitem wartend, fällt ausdem EingangErledigt?Dokumentieren undabschließenTerminüberschreitungmeldenEskalation: Empfänger odermodellierte Reaktion
Der Weg eines Vorgangs vom Eingang über Priorisierung und Wiedervorlage bis zum Abschluss. Die Fristgrenze entscheidet, ob normal weitergearbeitet oder eskaliert wird.

Priorisieren statt abarbeiten

Eine Worklist ist erst dann brauchbar, wenn sie eine Reihenfolge vorgibt. Zwei Kriterien tragen diese Reihenfolge: die Fälligkeit und die Priorität. Sortieren Sie nach Fälligkeit aufsteigend und nach Priorität absteigend. Der Fall, der zuerst abläuft, steht oben.

Diese Kombination löst einen typischen Konflikt. Ein Fall mit hoher Priorität, der noch zwei Wochen Zeit hat, verdrängt sonst einen unscheinbaren Fall, der morgen abläuft. Beide Größen zusammen halten den Vorrat im Fluss.

Speichern Sie die Selektion deshalb als Variante oder Layout. Wenn jede Kraft ihre Sicht jeden Morgen neu zusammenklickt, unterscheiden sich die Ergebnisse. Eine feste Variante macht den Bearbeitungsstand zwischen Teams vergleichbar.

Ein Hinweis zur Zuständigkeit: Bei der Übernahme eines Falls im Klärungsfallmanagement wird der Benutzer als Bearbeiter gesetzt, und der Fall ist für andere gesperrt (Bearbeiten von Klärungsfällen, Abschnitt Übernahme). Wer einen Fall nur ansieht, blockiert ihn also nicht. Wer ihn übernimmt, verpflichtet sich.

Wiedervorlage und Frist sind verschieden

Die beiden Begriffe beschreiben zwei verschiedene Zeitpunkte, und diese Unterscheidung ist der Kern des Themas.

Der Vorlagetermin bestimmt, wann ein Vorgang wieder vorgelegt wird. Im Workflow hat das Workitem bis dahin den Status Wartend und wird erst zum Termin Bereit (Workflow-Wiedervorlage, Abschnitt Status). Die Wiedervorlage ist damit eine Arbeitserleichterung. Sie sagt: Jetzt noch nicht, aber dann.

Die Frist ist der späteste Zeitpunkt für den Abschluss. Das Workflowsystem überwacht mehrere Terminarten, darunter den Vorlagetermin, den spätesten Starttermin, den gewünschten Endtermin und die Frist (Terminüberschreitung überwachen, Lektion 20). Die Frist ist nicht verhandelbar. Sie löst eine Reaktion aus.

Merksatz für die Praxis: „In drei Tagen erneut vorlegen“ ist ein Vorlagetermin. „Spätestens in drei Tagen erledigt, sonst gibt es Ärger“ ist eine Frist. Wer beides in ein Feld schreibt, verliert die Eskalation.

Was bei Fristüberschreitung passiert

Bei einer Fristüberschreitung gibt es zwei Wege. Im Standard erhält ein definierter Empfänger ein Terminüberschreitungs-Workitem. Alternativ führt das System einen eigens modellierten Zweig aus, etwa eine Nachricht, eine Eskalation an die Vertretung oder den Entzug des ursprünglichen Workitems (Modeled Deadline Monitoring or Standard Escalation, Abschnitt Ablauf).

Der erste Weg liefert vor allem Sichtbarkeit. Der zweite greift in die Bearbeitung ein und kostet Modellierung. Beide Wege brauchen aber jemanden, der die Meldung liest. Eine Eskalationsregel ohne benannten Empfänger erzeugt zusätzliche Post im Eingangskorb.

Wichtig ist auch die Kette. Eine Terminüberschreitung ist eine Information, keine Lösung. Der Vorgang bleibt offen und trägt jetzt eine zweite Frist. Wer die Eskalation nur quittiert, verschiebt das Problem.

Vereinfachtes Beispiel

Ein Sachbearbeiter startet morgens seine Arbeitsliste. Die Selektion steht auf Status Neu und In Bearbeitung, Bearbeiter gleich seinem Benutzer, sortiert nach Fälligkeit aufsteigend. Die Liste zeigt vier Fälle.

Fall 1 ist heute fällig und betrifft eine unterbrochene Belieferung. Er wird abgeschlossen. Fall 2 läuft morgen ab, hängt aber an einer fehlenden Rückmeldung eines Marktpartners. Dafür setzt der Sachbearbeiter eine Wiedervorlage auf übermorgen. Fall 3 ist in zwei Wochen fällig und betrifft eine Stammdatenkorrektur. Er bleibt liegen, weil die Fälligkeit das zulässt. Fall 4 ist seit gestern überfällig.

Für Fall 4 läuft die Terminüberschreitung im Hintergrund. Der Empfänger im Laufweg hat das Workitem bereits erhalten. In der Liste des Sachbearbeiters erscheint der Fall trotzdem, weil sein Status offen ist. Genau das ist die Absicherung. Die Worklist zeigt den Bearbeitungsstand. Die Terminüberwachung zeigt die Verletzung. Wer sich nur auf die Eskalationspost verlässt, hat im Fall 4 ein Postfach statt einer Liste.

Zur Wiedervorlage gehört die Pflicht, sie wieder zu schließen. In der Wiedervorlagenliste stehen Funktionen wie Aktualisieren, Workitem anzeigen und Wiedervorlage beenden bereit. Das Beenden legt das Workitem wieder in den Workflow-Eingang zurück (Workflow-Wiedervorlage, Abschnitt Funktionen). Wer sie vergisst, erzeugt Vorgänge, die dauerhaft im Vorrat hängen.

Folgen und Fehlerfälle

Der Vorrat wächst und niemand merkt es. Eine Worklist ohne Kapazitätsbezug zeigt irgendwann dreihundert Fälle. Dann arbeitet niemand mehr nach Liste, sondern nach Gefühl. Teilen Sie Arbeitsvorräte und prüfen Sie regelmäßig die Verweilzeit.

Die Frist fehlt am Vorgang. Ohne Fälligkeit sortiert die Liste nach Eingangsdatum. Der Fall, der morgen abläuft, steht dann unten. Prüfen Sie, ob jeder Vorgangstyp eine Fälligkeit setzt.

Die Wiedervorlage ersetzt die Bearbeitung. Wer jeden schwierigen Fall eine Woche weiterlegt, verschiebt ihn in die nächste Überfälligkeit. Begrenzen Sie die Zahl der Wiedervorlagen pro Vorgang. Die zweite Wiedervorlage kann eine Eskalation auslösen.

Die Dokumentation bleibt dünn. Der Bearbeitungsstand muss nachvollziehbar bleiben, damit ein Fall auch nach einem Personalwechsel weitergeht. Halten Sie fest, was geprüft und was geklärt wurde.

Zustand und Sperre sind unbekannt. Wer nicht weiß, ob ein Fall übernommen und damit gesperrt ist, greift zum selben Fall wie eine Kollegin. Klären Sie für jedes Team, wann ein Fall übernommen wird.

Typische Missverständnisse

„Der Eingangskorb ist meine Worklist.“ Der Eingangskorb ist vollständig und unsortiert. Die Worklist ist gefiltert und sortiert. Ohne Filter arbeitet man die Liste von oben nach unten ab und trifft nie den dringenden Fall.

„Wiedervorlage heißt, der Fall ist erledigt.“ Nein. Der Vorgang bleibt offen, nur außerhalb des aktiven Vorrats. Fristen laufen während der Wiedervorlage weiter.

„Die Frist ist der Vorlagetermin.“ Zwei verschiedene Felder mit zwei verschiedenen Folgen. Verwechselt man sie, kommt die Eskalation zu spät.

„Eskalation löst den Fall.“ Die Eskalation informiert. Gelöst wird der Fall durch Bearbeitung.

„Eine Wiedervorlage muss ich nicht abschließen.“ Wer sie nach Erledigung nicht beendet, erzeugt immer wieder neue Arbeitslisteneinträge für einen bereits erledigten Vorgang.

Quellen und Pflegehinweis

Die Kriterien für Selektion und Sortierung stehen in der SAP-Dokumentation zum erweiterten Nachrichtenmanagement und zu Klärungslisten. Die Zeitlogik mit Vorlagetermin, Frist und Terminüberschreitung steht in der SAP-Workflow-Dokumentation. Prüfen Sie beim Pflegen, ob Ihr System die Wiedervorlage über den Workflow, über die Klärungsfallbearbeitung oder über eine eigene Tabellenlösung führt. Davon hängt ab, welche Felder tatsächlich existieren. Trennen Sie die drei Begriffe an jeder Stelle: Eingangskorb, Worklist, Wiedervorlage. Fehlt eine Frist in Ihrem Vorrat, fehlt die Grundlage jeder Priorisierung.

Primärquellen zum Nachlesen