Messwesen und Geräteverwaltung

SAP Utilities & Betrieb

Register und Zählwerke

Wie Messgröße, Messrichtung, Tarifstufe und Kennung eines Zählwerks festlegen, welchen Wert eine Abrechnungsposition erhält.

Auf dieser Seite 11 Abschnitte

Kurzantwort

Ein Register, im deutschen Messwesen meist Zählwerk genannt, ist der einzelne Messkanal eines Geräts. Es trägt Messgröße, Messrichtung, Einheit, Nachkommastellen, Tarifstufe und eine Kennung. Ein Gerät führt mehrere Zählwerke, und jedes Zählwerk gilt genau für einen Zeitabschnitt. Die Abrechnung erkennt den Wert über die Kombination aus Messstelle, Zählwerk und Stammdatenzuordnung. Die Kennung wie die OBIS-Zahl benennt den Messauftrag, ersetzt aber die Stammdaten nicht.

Einordnung

Die Geräteinstallation klärt, wie ein Gerät an eine Gerätestelle kommt und welche Anfangsstände entstehen. Dort endet die Betrachtung beim eingebauten Gerät. Dieser Artikel geht eine Ebene tiefer und fragt, wie aus dem Gerät eine abrechenbare Menge wird. Die fachlichen Grundlagen des Zählwerks und seiner Kennungen stehen in Zählwerk und Zählwerksdaten und in OBIS-Kennzahlen verstehen. Hier steht die System- und Abrechnungssicht: welche Objekte das Register führen und woran die Abrechnung es erkennt. Die Ebene darüber, also Anschlussobjekt, Anlage und Vertrag, steht im Artikel Anschlussobjekt, Anlage und Vertrag. Ob ein gelieferter Wert belastbar ist, entscheidet zusätzlich der Messwertstatus.

Die Objektkette vom Gerät zum Messwert

Die Kette hat sechs Ebenen. Jede trägt eine andere Aussage, und nur ein Teil ist zeitabhängig.

  • Gerät: die physische Einheit mit Seriennummer und Geräteart. Ein Gerät misst nicht selbst, es trägt Zählwerke.
  • Zählwerk (Register): der einzelne Messkanal mit Messgröße, Richtung, Einheit, Stellen und Tarifstufe.
  • Gerätestelle / Registergruppe: die technische Gruppierung, die festlegt, welche Zählwerke ein Gerätetyp besitzt.
  • Installation: die zeitabhängige Zuordnung von Gerät und Gerätestelle zum Einbauort.
  • Messstelle: die kaufmännisch und technisch benannte Einheit, an der gemessen wird.
  • Messlokation: die eindeutig identifizierte Lokation mit Zählpunktbezeichnung.

SAP beschreibt den Gerätestammdatensatz ausdrücklich als zeitabhängige Struktur. Er führt Gerätenummer, Geräteart, Register, Wicklungen, Ableseergebnisse, Geräteort, Anlage und Tarifdaten in einer Historie. SAP Learning, Abschnitt „Device and Equipment”

Was ein Zählwerk fachlich trägt

Eine Registergruppe bündelt alle Register eines Zählers für eine Sparte. Sie lässt sich mehreren Gerätearten derselben Grundkategorie zuordnen. Die Register messen Verbrauch in allen Sparten und zusätzlich Leistung im Strombereich. SAP Learning, Abschnitt „Register Group and Winding Group”

Entscheidend für die Abrechnung sind diese Merkmale:

  • Registerkategorie: summenbildend oder differenzbildend. Sie steuert, ob das System die Differenz zweier Stände bildet oder einen Summenwert liest.
  • Wirk- oder Blindanteil: das Kennzeichen ordnet das Register einer Registerbeziehung zu.
  • Einheit beim Ablesen und bei der Abrechnung: bei Gas darf die Ablesung in Kubikmetern erfolgen, die Abrechnung aber in Kilowattstunden.
  • Intervalllänge: nur Register mit Intervalllänge sind für Energiedatenmanagement und Advanced Metering relevant.
  • Tarifkennzeichen: Eintarif, Hochtarif, Niedertarif.
  • Kennung: die OBIS-Kennzahl für die Marktkommunikation.

Ein Register gehört immer zu einer Registergruppe und damit zu einem Zeitabschnitt der Installation. Bei einem Gerätewechsel entstehen neue Abschnitte mit eigenem Anfangsstand.

Kennungen: OBIS, Segmente und ihre Grenzen

Die OBIS-Kennzahl benennt den Messauftrag eines Zählwerks. Sie folgt dem Muster A-B:C.D.E*F. Für die Abrechnung zählt, welche Werte die Segmente annehmen können:

Gruppe Inhalt Beispielwert
A Medium, 1-stellig 1 = Elektrizität
B Kanal, 1- bis 2-stellig, vom MSB vergeben 0 bis 65, Kanal 66 nur für Blindmehrarbeit und Blindmehrleistung
C Messgröße 1 = Wirkleistung Bezug, 2 = Wirkleistung Lieferung, 3/4 = Blindanteile
D Messart 6 = Maximum, 8 = Zählerstand, 9 = Vorschub, 29 = Lastgang
E Tarifstufe 0 = Total, 1 = Tarif 1, 2 = Tarif 2
F Vorwertzählerstand 00 bis 99

Die BDEW-Codeliste leitet die Richtung aus der Kennzahl selbst ab: Plus steht für Bezug des Kunden aus dem Netz, Minus für Lieferung. Bei Eintarifzählern gilt Tarifstufe 0. Dieselbe Quelle zeigt die Grenzen der Kennung: Umsetzungen und Verbräuche werden nur mit positiven Werten oder 0 gemeldet, außer bei Korrekturenergiemengen. SAP nennt als Beispiel 1-1:1.8.1 für Wirkarbeit Bezug im Hochtarif. BDEW Codeliste OBIS, Kap. 2.1 und 2.2 SAP Learning, Abschnitt „Register Group Data”

Gerät, SeriennummerZählwerk HT: 1-1:1.8.1Zählwerk NT: 1-1:1.8.2Zuordnung: Messstelle,Messprodukt,TarifzuordnungAbrechnungsposition HTAbrechnungsposition NTFaktoren: Wandler- undUmrechnungsfaktorabgerechnete Menge inkWhsummenbildendesRegister: Stand direktdifferenzbildendesRegister: Endstand minusAnfangsstand
Ein Zählwerk verbindet Gerät, Kennung, Stammdatenzuordnung und Abrechnungsposition. Der summenbildende und der differenzbildende Weg führen über eigene Rechenschritte zur Menge.

Zuordnung zum Abrechnungsobjekt

Eine Kennung benennt den Messauftrag, sie kennt aber weder Vertrag noch Preis. Die Bindung entsteht über die Stammdaten. In SAP Intelligent Metering sind Messprodukt und Messinstanz eigene Objekte. Der Messinstanz-Explorer zeigt sie im Kontext der IS-U-Stammdaten wie Anlage und Anschlussobjekt und stößt darüber Geräte- und Messproduktwechsel an. SAP Help Intelligent Metering, Abschnitt „Messinstanz”

Vier Bindungen bestimmen am Ende die Menge:

  1. Das Zählwerk an die Messstelle und damit an die Messlokation.
  2. Das Zählwerk an ein Messprodukt mit definierter Auflösung und Zeitbezug.
  3. Das Zählwerk an eine Preisregel oder Tarifstufe im Abrechnungsschema.
  4. Das Zählwerk an die Faktoren, die den gemessenen Wert skalieren.

Faktoren verändern das Ergebnis

Bei halbmittelbarer Messung sitzt der Zähler hinter einem Stromwandler. Die Wicklungsgruppe kennt Primär- und Sekundärwicklung. Der Wandlerfaktor berechnet sich aus dem Verhältnis der Ströme und Spannungen der aktiven Wicklungen. Der Abrechnungsfaktor ist die Zahl, mit der der abgelesene Messwert multipliziert wird, um den tatsächlichen Verbrauch zu ergeben. SAP Learning, Abschnitt „Winding Group and Billing Factor”

Bleibt der Faktor über den Zeitabschnitt konstant, liefert die Differenz der skalierten Stände dieselbe Menge wie die skalierte Differenz. Entscheidend ist deshalb, an welcher Stelle der Faktor wirkt und dass er nur einmal wirkt. Steckt der Wandlerfaktor bereits im Messwert, darf ihn die Abrechnung nicht erneut ansetzen.

Bei Gas kommt ein zweiter Faktor hinzu. Ein normales Gasregister kennt keine thermischen Faktoren, die Ablesung steht in Kubikmetern. Ein Umwerter führt Temperatur, Druck und Kompressibilität bereits im Register und liefert Normkubikmeter. Der Brennwert muss dann aus der Installationsstruktur kommen. SAP Learning, Abschnitt „Register Group Data”

Vereinfachtes Beispiel: Zweitarifzähler mit Wandler

Ein Gewerbekunde hat einen Zweitarifzähler hinter einem Stromwandler. Der Wandler übersetzt 200 A primär auf 5 A sekundär, der Faktor beträgt also 40. Die Stände, der Faktor und die daraus gerechneten Mengen sind frei gewählte Rechenwerte.

Register OBIS Anfangsstand Endstand Differenz Menge nach Faktor
HT Wirkarbeit Bezug 1-1:1.8.1 41.250,0 44.310,5 3.060,5 122.420 kWh
NT Wirkarbeit Bezug 1-1:1.8.2 18.900,5 20.180,0 1.279,5 51.180 kWh

Die Abrechnung bildet je Register die Differenz, multipliziert mit 40 und ordnet jeden Wert einer eigenen Abrechnungsposition zu. Die Summe der beiden Positionen beträgt 173.600 kWh. Wird die Anlage zusätzlich mit einer Preisregel nach Tarifstufe versorgt, erhält die HT-Position einen anderen Arbeitspreis als die NT-Position. Ein Lastgang entsteht hier nicht, weil beide Register Zählerstände und keine Intervalle liefern.

Folgen und Fehlerfälle

  • Vertauschte Messrichtung: Ein Bezugsregister erhält die Zuordnung der Lieferung. Die Mengen erscheinen dann in der falschen Abrechnungsposition.
  • Falsches Register in der Abrechnung: Die Preisregel greift auf 1-1:1.8.2 statt auf 1-1:1.8.1. Der Arbeitspreis trifft den falschen Tarif.
  • Doppelte Verarbeitung eines Standes: Ein Ableseergebnis wird zweimal in die Historie geschrieben und verdoppelt die Differenz.
  • Faktor doppelt angewendet: Der Wandlerfaktor steckt bereits im Messwert oder in der Messwertaufbereitung und wird in der Abrechnung erneut multipliziert.
  • Stand aus dem falschen Zeitabschnitt: Nach Wandlerwechsel oder Änderung des Messprodukts liegt der Anfangsstand vor dem Wechsel.
  • Zählerüberlauf und Rücklauf: Läuft ein Register über, entsteht ein Endstand kleiner als der Anfangsstand. Das System muss den Überlauf erkennen statt eine negative Menge zu buchen.

Eichrechtlich greift zusätzlich die MessEV. Sie regelt in § 23 Aufstellung, Gebrauch und Wartung von Messgeräten und in § 34 die Eichfrist. MessEV

Typische Missverständnisse

Register und Zähler sind dasselbe. Ein Zähler ist das Gerät. Ein Register ist ein Messkanal darin. Ein Zweitarifzähler führt zwei Register, ein Mehrtarifzähler mehr.

Ein Zählwerksstand ist ein Lastgang. Ein Stand ist ein Zeitpunktwert. Zeitreihen entstehen nur bei Intervallen, die SAP an der Intervalllänge des Registers erkennt.

Der Summenwert ist immer die abrechnungsrelevante Menge. Bei differenzbildenden Registern zählt die Differenz zwischen Anfangs- und Endstand. Der Summenwert einer Registerbeziehung kann dagegen Rechenschritt sein, etwa für den Leistungsfaktor.

Die OBIS-Kennzahl ersetzt die Stammdaten. Sie beschreibt den Messauftrag. Wandlerfaktor, Preisregel, Messprodukt und Vertragsbezug kommen aus den Stammdaten.

Ein Zählwerk gilt dauerhaft. Es gilt für einen Zeitabschnitt. Wechsel von Gerät, Wandler oder Messsystem beginnen einen neuen.

Quellen und Pflegehinweis

Tragend sind die SAP-Lernunterlage zur Gerätetechnik, die BDEW-Codeliste der OBIS-Kennzahlen in Version 2.5b, die SAP-Hilfe zu Intelligent Metering sowie die MessEV. Bei der nächsten Pflege die Codeliste auf eine neue Version prüfen, weil der Kanal vom MSB vergeben wird und die Marktkommunikation feste Prüfidentifikatoren nutzt. Nach jedem Wechsel von Gerät, Wandler, Messprodukt oder Messsystem die Zeitabschnitte und Anfangswerte kontrollieren.

Primärquellen zum Nachlesen