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Kurzantwort
Ein Profil besteht aus zwei Teilen: dem Profilkopf mit den Eigenschaften und der Profilwerttabelle mit den Zeitreihenwerten. Der Profilkopf legt Intervalllänge, Mengenart, Einheit und Gültigkeit fest. Die Zuordnung verbindet das Profil über eine Rolle mit einem Zählwerk oder einer Messstelle. Die Skalierung bringt die normierten Profilwerte auf den tatsächlichen Verbrauch. Erst diese vier Bausteine zusammen ergeben eine Menge, die Abrechnung und Bilanzierung verwenden können.
Warum die Zuordnung über die Rolle läuft
Ein Profil existiert nie für sich. Es trägt an einem Zählwerk oder an einer Messstelle eine Aufgabe. Im EDM heißt diese Aufgabe die Profilrolle. Sie entscheidet, wofür die Werte des Profils gelesen werden. Beim Import von Profilwerten identifiziert das System das Zielprofil über die Messstelle, den Zählwerkcode, die Profilrolle und die Rollenkategorie (SAP Learning, Energy Data Management Components, Abschnitt Profile Role).
Die Rollenkategorie setzt die Grenze. Für die Kategorie Measurement erlaubt das System genau ein Profil je Zählwerk. Dasselbe gilt für die Kategorie Forecast, die den prognostizierten Verbrauch des Zählwerks beschreibt. Profile der Kategorie Settlement fließen in die Abrechnung ein und sind ebenfalls nur einmal je Zählwerk oder Messstelle zulässig (SAP Learning, Energy Data Management Components, Abschnitt Profile Role).
Die Zuordnung gilt in Zeitscheiben. Dasselbe Zählwerk kann zuerst ein Profil mit der Rolle Consumption Measured tragen und später ein anderes, wenn ein Gerätewechsel ansteht. Beim Gerätewechsel bleibt die Profilzuordnung erhalten (SAP Learning, Energy Data Management Components, Abschnitt Profile Changes).
Der Profilkopf legt das Zeitraster fest
Der Profilkopf ist keine Beschreibung, er ist eine Festlegung. Nach dem Sichern lässt das System nur noch drei Änderungen zu: den Profilnamen, die Gruppen der Konsistenzprüfungen und die Gruppen der Ersatzwertverfahren (SAP Learning, Energy Data Management Components, Abschnitt Profile Header).
Diese Festlegungen tragen den Rest des Prozesses:
- Profilart. Elementary, Synthetic, Formula, Day und Integral. Die Art bestimmt, woher die Werte kommen und ob sie berechnet werden.
- Intervalllänge. Der Abstand zwischen zwei Werten, etwa 5, 15, 30 oder 60 Minuten oder ein Tag. Welche Längen je Profilart zulässig sind, steht in der Profilart selbst.
- Mengenart. Menge, Faktor, Leistung oder Preis.
- Maßeinheit und Nachkommastellen. Sie legen fest, wie das System rechnet und rundet.
- Gültigkeitszeitraum. Ab wann und bis wann das Profil gilt.
- Tagesversatz. Bei Gas ist der Gastag das Standardbeispiel: Der Tagesbeginn liegt dort bei 06:00 Uhr.
- Kumulative Werte. Ist das Kennzeichen gesetzt, addiert das System jeden Intervallwert auf die vorherigen. Bei einer registrierenden Leistungsmessung ist es typischerweise nicht gesetzt.
Ein Profilwert ist nach der Definition der SAP-Dokumentation ein intervallbezogener Wert im Energiedatenmanagement, etwa ein Viertelstundenwert eines Lastgangzählers (SAP Help, Profilwert EDM). Das Zeitraster ist damit maschinell prüfbar. Ein 15-Minuten-Profil mit 96 Werten je Tag ist vollständig, ein Tag mit 92 Werten ist es nicht.
Ob Konsistenzprüfungen und Ersatzwertverfahren überhaupt zugeordnet werden dürfen, hängt von einer Kombination im Profilkopf ab. Möglich ist das nur, wenn die Originalprofilwerte in EDM liegen und das Kennzeichen Not TOU-Billable gesetzt ist (SAP Learning, Energy Data Management Components, Abschnitt Profile Header).
Das synthetische Profil und sein Kalenderbezug
Ein Standardlastprofil wird im System als synthetisches Profil geführt. Seine Werte stammen aus einem Bauplan: Saisongruppen, Tagesgruppen, Tagesarten und Zeitnutzungsgruppen (SAP Learning, Managing the EDM Profiles, Abschnitt Synthetic Profiles).
- Saisontypen beschreiben einen wiederkehrenden Zeitraum im Jahr. Winter kann zwei Zeiträume umfassen: den 1. Oktober bis 31. Dezember und den 1. Januar bis 31. März.
- Saisongruppen verteilen das Jahr lückenlos und überlappungsfrei auf Saisontypen.
- Tagesarten leiten sich aus dem Werkskalender ab. Der Werkskalender stützt sich auf einen Feiertagskalender. Montag bis Freitag gelten als Arbeitstage, Samstag, Sonntag und Feiertage als Nichtarbeitstage.
- Tagesgruppen bündeln Tagesarten. Ausnahmen für Tagesarten lassen sich pflegen, damit regionale oder betriebliche Sonderfälle einfließen.
Aus diesen Bausteinen erzeugt das System die Struktur des synthetischen Profils. Die Tagesprofile werden entlang der Hierarchie ermittelt und ihre Werte in das synthetische Profil übernommen. Sobald ein Tages-, Jahres- oder Elementarprofil zugeordnet und das synthetische Profil erzeugt ist, lässt sich die Zuordnung nicht mehr von Hand oder per Massenänderung ändern (SAP Learning, Managing the EDM Profiles, Abschnitt Synthetic Profiles).
Zwei Bausteine verändern die Form:
- Dynamische Änderungsfaktoren passen das synthetische Profil an Temperatureinflüsse über das Jahr an. Die Lastform bleibt dadurch typischerweise stabil.
- Der Verbrauchsfaktor übersetzt normierte Werte in Kundenverbrauch. Er ergibt sich aus dem Verbrauch geteilt durch den Normwert.
Wie aus Profilkopf und Zuordnung eine Menge wird
Das folgende Diagramm zeigt den Weg vom Bauplan bis zur Menge, die die Abrechnung übernimmt.
Der Import nutzt denselben Weg. Er identifiziert das Zielprofil über Messstelle, Zählwerkcode, Rolle und Rollenkategorie. Ohne Angabe der Rollenkategorie gilt Measurement (SAP Learning, Energy Data Management Components, Abschnitt Profile Role). Wer Prognosewerte einspielt und die Kategorie Forecast vergisst, schreibt die Werte in das Messprofil. Der Fehler ist still, weil die Werte plausibel aussehen. Ob die Originalwerte in EDM liegen oder aus einem Fremdsystem kommen, steht im Profilkopf.
Vereinfachtes Beispiel: Haushaltskunde am Standardlastprofil
Ein Haushaltskunde hat keinen Lastgangzähler. Für ihn legt das System ein synthetisches Profil an und normiert es auf 1000 kWh über das Jahr. Der Kunde verbraucht 900 kWh. Der Verbrauchsfaktor ist damit 900 geteilt durch 1000, also 0,9 (SAP Learning, Managing the EDM Profiles, Abschnitt Usage Factor).
Der Verbrauchsfaktor wird nicht von Hand gepflegt. Er entsteht in der Verbrauchsermittlung der Abrechnung und wird dort fortgeschrieben. Je synthetischem Profil einer Messstelle lässt sich festlegen, ob die Verbrauchsermittlung ihn aktualisiert (SAP Learning, Managing the EDM Profiles, Abschnitt Usage Factor).
Das Profil wird der Messstelle über eine Rolle zugeordnet. Ein Kundensegment kann dasselbe synthetische Profil für mehrere Messstellen nutzen, weil die Zuordnung über Messstelle und Rolle läuft. Mehrere synthetische Profile an einer Messstelle sind möglich, etwa eines für die Abrechnung und eines für die Bilanzierung.
Folgen und Fehlerfälle
Der Fehler sitzt oft im Profilkopf. Intervalllänge, Mengenart und kumulative Werte sind nach dem Sichern fest. Ein zu grobes Raster für einen zeitvariablen Tarif fällt erst bei der Abrechnung auf. Dann hilft nur ein neues Profil mit passendem Raster, nicht eine Korrektur am alten.
Konsistenzprüfungen fehlen scheinbar grundlos. Wer den Profilkopf mit externen Originalwerten und dem Kennzeichen TOU Billable anlegt, kann keine Prüfgruppen zuordnen. Die Ursache liegt in der unzulässigen Kombination, nicht in fehlenden Berechtigungen.
Ein Import trifft das falsche Profil. Trägt eine Messstelle zwei Zählwerke mit demselben Zählwerkcode für dieselbe Messaufgabe, ist die Auswahl nicht mehr eindeutig. Dann braucht der Import eine technische Messstelle, weil dieselbe Messstelle nicht beide Lastgänge trennen kann (SAP Learning, Energy Data Management Components, Abschnitt Profile Role).
Die Normierung wird zur Menge erklärt. Ein normiertes synthetisches Profil hat über das Jahr nicht den Verbrauch des Kunden. Ohne angewandten Verbrauchsfaktor entstehen Mengen, die zum Zählerstand nicht passen.
Nachträgliche Änderung blockiert. In welcher Rolle ein Profil nach der Abrechnung noch geändert werden darf, steht in der Rollendefinition der Customizing-Einstellungen. Ist dort keine Änderung erlaubt, bleibt die Zeitreihe nach der Abrechnung unverändert.
Typische Missverständnisse
„Ein Profil ist eine Messung.“ Ein Profil ist eine Zeitreihe. Gemessen sein muss sie nicht. Elementarprofile tragen gemessene Werte, synthetische Profile tragen erzeugte.
„Der Verbrauchsfaktor gehört ins Profil.“ Er gehört zur Zuordnung. Das synthetische Profil bleibt normiert, der Faktor sitzt an der Verbindung zur Messstelle.
„Die Rolle ist ein Etikett.“ Die Rolle steuert den Import, die Ersatzwertbildung, den Abrechnungsbezug und die Frage, ob eine Änderung nach der Abrechnung möglich ist.
„Eine Messstelle pro Rolle.“ Die Messstelle kann mehrere synthetische Profile tragen, solange deren Rollen verschieden sind. Der harte Grenzwert von eins gilt innerhalb einer Rollenkategorie wie Measurement oder Forecast.
Quellen und Pflegehinweis
Die Zuordnung und die Rollenkategorien sind im EDM stabil. Normierung, dynamische Änderung und Verbrauchsfaktor folgen der Produktdokumentation und werden bei Releases angepasst. Vor einer Änderung an bestehenden Profilköpfen lohnt die Frage, welche Rollen und Rollenkategorien daran hängen, weil der Profilkopf nach dem Sichern kaum korrigierbar ist. Für die Marktsicht auf Standardlastprofile, Mehr- und Mindermengen ist der eigene Artikel unter Prognose zuständig.
Geprüft
Die Aussagen zu Profilkopf, Rollen, Rollenkategorien und Zuordnung stammen aus der SAP-Produktdokumentation und dem SAP-Lernmaterial. Die Definition des Profilwerts stammt aus der SAP-Hilfe. Nicht belegt sind Transaktionscodes, Feldnamen und Tabellennamen.
Primärquellen zum Nachlesen