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Kurzantwort
Die Abrechnungssteuerung legt den Zeitpunkt fest, zu dem ein Vertrag abgerechnet wird. Sie arbeitet mit zwei getrennten Zeitebenen. Der fachliche Abrechnungszeitraum kommt aus Vertrag und Turnus, der technische Lauftermin aus der Terminsteuerung. Die Terminsteuerung erstellt periodische Terminsätze für Abschläge, reguläre Abrechnungen und Ablesungen (Den Ableseprozess demonstrieren, Abschnitt Ablesung und Terminsteuerung). Zu jedem Ableseauftrag legt das System automatisch einen Abrechnungsauftrag an, der erst mit einem plausiblen Ableseergebnis fakturierbar wird. Fehlt bis dahin ein belastbarer Messwert, greift eine dokumentierte Ersatzwertregel.
Einordnung
Die Abrechnungssteuerung beantwortet die Frage WANN, nicht die Frage WIE VIEL. Die Mengenermittlung, die Tarifanwendung und die Preisbildung liegen bei der Abrechnung selbst. Die Steuerung entscheidet nur, welcher Vertrag in welchem Lauf mit welchem Zeitraum dran ist.
Diese Trennung ist der Kern des Themas. Wer beides vermischt, plant Rechnungsläufe nach dem Kalender und wundert sich über fehlende Messwerte. In SAP S/4HANA Utilities sitzt die Steuerung in der Terminsteuerung und im Abrechnungsauftrag. Die Bewertung dagegen liegt im Tarif und im Tariftyp, der das Abrechnungsschema, die Steuerung der Endabrechnung und der Nachberechnung sowie die Aussteuerungsprüfungen enthält (Abrechnung und Fakturierung ausführen, Abschnitt Tariftyp).
Die Bausteine der Steuerung
Die Steuerung besteht aus wenigen Objekten, die aufeinander aufbauen.
- Terminsteuerung und Terminsätze: Die Terminsteuerung erstellt periodische Terminsätze für Abschläge, reguläre Abrechnungen und Ablesungen. Ihr Ziel ist, den Arbeitsaufwand für Lesen und Fakturieren gleichmäßig auf die 52 Kalenderwochen eines Jahres zu verteilen. Sie gehört zur Utilities-Funktion und ist nicht mit anderen SAP-Komponenten integriert (Den Ableseprozess demonstrieren, Abschnitt Ablesung und Terminsteuerung).
- Ableseauftrag und Abrechnungsauftrag: Für jedes Zählwerk entsteht ein Ableseauftrag, für jeden Vertrag ein Abrechnungsauftrag. Mit dem Ableseauftrag legt das System den Abrechnungsauftrag automatisch an. Der Abrechnungsauftrag enthält die für die Abrechnung erforderlichen Daten und ist ihre Voraussetzung (Den Ableseprozess demonstrieren, Abschnitt Auftragsarten).
- Ablesegrund und Ableseart: Der Ablesegrund ist ein Festwert und bezeichnet den Prozess, der ein Ableseergebnis verlangt. Die Gründe 01, 02 und 03 erzeugen gleichzeitig Abrechnungsaufträge. Der Abrechnungsvorgang folgt dem Ablesegrund und trägt denselben Code: 01 periodisch, 02 interim, 03 Auszug. Die Ableseart beschreibt die Herkunft des Zählerstands, etwa Versorgungsunternehmen, Kunde, Marktkommunikation oder Schätzung. Periodische Ablesungen kommen aus der Terminsteuerung, die übrigen Ablesegründe setzen die zugrunde liegenden Prozesse, etwa Einzug, Auszug mit Endabrechnung oder Geräteeinbau (Den Ableseprozess demonstrieren, Abschnitt Ablesegrund und Ableseart).
- Abschlagsplan: Abschläge und ihre Fälligkeitstermine stehen im Abschlagsplan. Er ist die Grundlage für die Erhebung der Abschläge zwischen zwei Turnusrechnungen (Abrechnung und Fakturierung ausführen, Abschnitt Abschlagspläne bearbeiten).
- Aussteuerung: Ausgesteuerte Rechnungsbelege erfordern eine zusätzliche Verarbeitung: Sie werden freigegeben oder storniert. Als Aussteuerungsgründe nennt die Quelle eine fehlgeschlagene Validierung und ein Kennzeichen im Vertrag (Abrechnung und Fakturierung ausführen, Abschnitt Ausgesteuerte Rechnungsbelege).
Der Ablauf in der Zeitachse
Die folgende Grafik trennt die fachliche Zeitachse von der technischen Auslösung. Sie zeigt außerdem den Ausnahmepfad, wenn zum Lauftermin kein wahrer Messwert vorliegt.
Konkretes Beispiel
Das folgende Beispiel ist ein vereinfachtes Beispiel und zeigt nur die Zeitlogik, keine echten Preise.
Ein Tarifkunde hat einen Vertrag mit jährlicher Turnusabrechnung. Der Kunde zahlt monatliche Abschläge. Diese bemessen sich nach dem Verbrauch des zuletzt abgerechneten Zeitraums StromGVV § 13 Abs. 1. Die Abschläge und ihre Fälligkeitstermine stehen im Abschlagsplan.
Die Terminsteuerung erstellt den Terminsatz für die Turnusablesung. Ein Ableser liest ab, oder der Kunde meldet seinen Zählerstand. Mit dem Ableseauftrag entsteht der Abrechnungsauftrag zunächst mit dem Status 1, nicht abrechenbar. Erst ein plausibles Ableseergebnis setzt ihn auf Status 2, fakturierbar (Den Ableseprozess demonstrieren, Abschnitt Status von Ablesebeleg und Abrechnungsauftrag). Die Abrechnungsausführung entfernt den Abrechnungsauftrag und ersetzt ihn durch einen Abrechnungsbeleg (Den Ableseprozess demonstrieren, Abschnitt Abrechnungsausführung).
Die Fakturierung fasst Abrechnungsbelege von Verträgen desselben Vertragskontos zu einer gemeinsamen Rechnung zusammen und liefert den Rechnungsdruckbeleg (Abrechnung und Fakturierung ausführen, Abschnitt Fakturierung). Das Datum der Fälligkeit und der Rechnungsbetrag müssen auf der Rechnung deutlich erkennbar und hervorgehoben sein EnWG § 40 Abs. 1. Zur Verbrauchsabrechnung gehören Anfangszählerstand, Endzählerstand, der ermittelte Verbrauch und die Art der Zählerstandsermittlung EnWG § 40 Abs. 2 Nr. 6.
Folgen und Fehlerfälle
Ablesung zu spät. Der Lauf findet ohne plausibles Ableseergebnis statt. Der Abrechnungsauftrag bleibt dann auf Status 1 stehen und ist nicht fakturierbar. Das System muss den Verbrauch über eine dokumentierte Regel ersetzen. Ein Ersatzwert ist ein abrechnungsrelevanter Messwert, der unter Verwendung aller verfügbaren Informationen anstelle eines fehlenden wahren Messwerts oder eines unplausiblen Messwerts gebildet wird BNetzA, Diskussionspapier „Umgang mit Messwerten im Fehlerfall“, Kap. 1. Ein vorläufiger Messwert ist dagegen nicht abrechnungsrelevant. Wird der Ersatzwert später durch einen wahren Wert ersetzt, wird die Rechnung korrigiert.
Unplausibles Ableseergebnis. Ein unplausibler Wert ändert nur den Status des Ablesebelegs. Der Abrechnungsauftrag bleibt auf Status 1, bis ein Messspezialist den Wert freigibt oder korrigiert (Den Ableseprozess demonstrieren, Abschnitt Status von Ablesebeleg und Abrechnungsauftrag).
Abrechnung ohne Anlass. Einzug, Auszug mit Endabrechnung oder Geräteeinbau setzen einen eigenen Ablesegrund, der nicht aus der Terminsteuerung kommt. Fehlt er, bleibt der alte Zeitraum offen oder wird doppelt abgerechnet (Den Ableseprozess demonstrieren, Abschnitt Ablesegrund und Ableseart).
Doppelter Lauf nach erneutem Anstoss. Läuft die Abrechnung zweimal, entstehen zwei Abrechnungsbelege. Der Vollstorno storniert Fakturierungs- und Abrechnungsbeleg in zwei getrennten Schritten (Den Ableseprozess demonstrieren, Abschnitt Vollstorno).
Rechnung vor Ende des Zeitraums. Ausgesteuerte Rechnungsbelege kommen nicht in den Versand. Sie müssen freigegeben oder storniert werden, sonst bleiben sie als offene Arbeit liegen (Abrechnung und Fakturierung ausführen, Abschnitt Ausgesteuerte Rechnungsbelege).
Typische Missverständnisse
Der Abrechnungszeitraum ist das Kalenderjahr. Falsch. Der Zeitraum ergibt sich aus Vertrag und Turnus. Die Terminsteuerung verteilt die Termine, sie legt den Vertragszeitraum nicht fest.
Die Auslösung ist die Ablesung. Falsch. Die Ablesung füllt einen Wert, die Auslösung kommt aus der Terminsteuerung. Der Abrechnungsauftrag ist erst fakturierbar, wenn er Status 2 erreicht hat (Den Ableseprozess demonstrieren, Abschnitt Status von Ablesebeleg und Abrechnungsauftrag).
Der Turnus ist das Rechnungsintervall. Falsch. Der Turnus beschreibt den Abrechnungsrhythmus. Die Fakturierung kann Abrechnungsbelege desselben Vertragskontos zu einer gemeinsamen Rechnung zusammenfassen (Abrechnung und Fakturierung ausführen, Abschnitt Fakturierung).
Ein Ersatzwert ist eine Schätzung ohne Regel. Falsch. Der Ersatzwert entsteht nach definierten Bildungsregeln und trägt diese Information mit sich. Beim Ersetzen abrechnungsrelevanter Messwerte wird der Grund des Ersetzens als verbindliche Zusatzinformation übermittelt, soweit möglich auch die Bildungsmethode BNetzA, Diskussionspapier „Umgang mit Messwerten im Fehlerfall“, Kap. 2.2.
Abgrenzung zu Menge und Vorauszahlung
Dieser Artikel behandelt allein Zeitpunkte und Auslösung. Die Menge und ihre Ermittlung stehen im Artikel Abrechnungsmenge. Die Vorauszahlung und ihre Anpassung stehen im Artikel Abschlagsplan verstehen.
Quellen und Pflegehinweis
Die Zeitlogik der Steuerung stützt sich auf die SAP-Lerninhalte zum Ableseprozess und zur Abrechnung in SAP S/4HANA Utilities. Sie beschreiben Terminsteuerung, Ableseauftrag und Abrechnungsauftrag, die Statusführung des Abrechnungsauftrags, den Abschlagsplan, die Aussteuerung und die Fakturierung.
Die Aussagen zu Ersatzwerten stammen aus dem Diskussionspapier der Bundesnetzagentur zu Messwerten im Fehlerfall. Dieses Papier ist ein Diskussionsstand, keine Festlegung. Prüfe bei einer Überarbeitung, ob inzwischen eine verbindliche Regelung zur Ersatzwertbildung und zu den Lieferfristen gilt.
Die rechtlichen Aussagen stützen sich auf § 40 EnWG und § 13 StromGVV in der am 11. September 2026 abgerufenen Fassung. Bei einer Änderung des EnWG oder der StromGVV sind Rechnungsinhalt, Fälligkeit und Abschlagsbemessung erneut zu prüfen. Die StromNZV wird hier bewusst nicht zitiert, weil sie zum 1. Januar 2026 außer Kraft getreten ist.
Primärquellen zum Nachlesen
- SAP Learning – Den Ableseprozess demonstrieren: Terminsteuerung, Ablese- und Abrechnungsauftrag, Statusführunglearning.sap.com
- SAP Learning – Abrechnung und Fakturierung ausführen: Tariftyp, Aussteuerung, Abschlagsplan, Fakturierunglearning.sap.com
- Bundesnetzagentur – Diskussionspapier Umgang mit Messwerten im Fehlerfall (Ersatzwert, vorläufiger Messwert)bundesnetzagentur.de
- Energiewirtschaftsgesetz – § 40 Rechnungslegung und Fälligkeitgesetze-im-internet.de
- Stromgrundversorgungsverordnung – § 13 Abschlagszahlungengesetze-im-internet.de