Messwerte und Messprodukte

Messwesen & Smart Metering

Zählerfernauslesung im Messwesen

Wie die Fernablesung Zählerstände und Zeitreihen beschafft, wodurch sie sich vom intelligenten Messsystem unterscheidet und welche Datenwege bis zur Marktkommunikation entstehen.

Auf dieser Seite 9 Abschnitte

Kurzantwort

Zählerfernauslesung bedeutet, dass ein Messstellenbetreiber oder sein Dienstleister Zählerstände oder Messreihen ohne Termin vor Ort ausliest. Sie beschreibt damit eine Aufgabe der Datenerhebung und den Weg vom Zähler in ein Auslesesystem. Ein intelligentes Messsystem, kurz iMSys, verbindet eine moderne Messeinrichtung oder eine Einrichtung zur registrierenden Leistungsmessung über ein Smart-Meter-Gateway mit einem Kommunikationsnetz und erfüllt zusätzliche gesetzliche Anforderungen an Sicherheit, Administration und Datenverarbeitung. MsbG § 2

Die Fernablesung kann Teil eines iMSys sein, sie macht aus einem Zähler aber noch kein iMSys. Erst nach der Aufbereitung entstehen marktverwendbare Messwerte. Der Messstellenbetreiber übermittelt diese Werte im WiM-Prozess an die jeweils berechtigten Marktrollen; das Gateway ist dabei der gesicherte Zugang, die Marktkommunikation der fachliche Austauschprozess.

Zwei Begriffe, zwei Ebenen

Ein Zähler erfasst elektrische Arbeit und führt sie als Zählerstand fort. Bei der Zählerfernauslesung liest ein technisches System diesen Stand oder eine Zeitreihe über eine Kommunikationsverbindung aus. Das Ziel kann eine turnusmäßige Abrechnung sein. Auch bei einer registrierenden Leistungsmessung kann der Messstellenbetreiber Lastgänge fern auslesen. Der Begriff legt weder ein bestimmtes Kommunikationsprotokoll noch die Beteiligung eines Smart-Meter-Gateways fest.

Das Messstellenbetriebsgesetz unterscheidet stärker. Es nennt ein Messsystem eine in ein Kommunikationsnetz eingebundene Messeinrichtung. Ein iMSys ist eine moderne Messeinrichtung oder eine Messeinrichtung zur registrierenden Leistungsmessung, die über ein Smart-Meter-Gateway eingebunden ist und die besonderen Vorgaben zu Datenschutz, Datensicherheit und Interoperabilität erfüllt. MsbG § 2

Das Smart-Meter-Gateway, kurz SMGW, bildet die Kommunikationseinheit des iMSys. Es kann Messwerte erfassen, verarbeiten und versenden. Das BSI beschreibt zudem das integrierte Sicherheitsmodul sowie die getrennten Kommunikationsbereiche zum Zähler und zu externen Stellen. BSI: Smart-Meter-Gateway

Frage Zählerfernauslesung Intelligentes Messsystem
Was beschreibt der Begriff? Auslesen von Ständen oder Messreihen aus der Ferne Mess-, Kommunikations- und Sicherheitsarchitektur nach MsbG
Welches Gerät steht im Mittelpunkt? Der fern auslesbare Zähler samt Ausleseweg Moderne Messeinrichtung oder RLM-Messung mit Smart-Meter-Gateway
Muss ein Gateway vorhanden sein? Nein Ja
Welche Zusatzfunktionen gehören dazu? Abhängig von der eingesetzten Technik sichere Administration, geschützte Kommunikation, Verarbeitung und Übermittlung von Messwerten
Entsteht dadurch automatisch Marktkommunikation? Nein Nein, auch ein iMSys braucht den fachlichen WiM-Prozess und berechtigte Empfänger

Vom Zähler zum verwendbaren Messwert

Die Grafik trennt die Auslesung vom regulierten Datenfluss. Im linken Pfad beschafft eine Fernablesung Messdaten. Im rechten Pfad steuert das SMGW den sicheren Kommunikationszugang. Beide Pfade münden erst beim Messstellenbetreiber in die Aufbereitung für die Marktkommunikation.

iMSys: sichere SystemarchitekturFernablesung: ErhebungadministriertZähler oderRLM-MessungAusleseverbindungAuslesesystemdes MSBModerne Messeinrichtungoder RLM-MessungSmart-Meter-Gatewaymit SicherheitsmodulSMGW-Administratorkonfiguriert und überwachtMSB: Plausibilisierung,Ersatzwertbildung, StatusWiM: Übermittlungvon MesswertenBerechtigte Empfänger:Lieferant, Netzbetreiber,weitere Marktrollen
Fernablesung beschafft Messdaten. Ein iMSys ergänzt den gesicherten Gateway-Zugang; erst die Aufbereitung und WiM-Übermittlung erzeugen den Marktprozess.

Eine Messreihe benötigt mehr als die gelesene Zahl. Der Messstellenbetreiber ordnet ihr Messlokation, Zeitbezug, Werteart und Status zu. Fehlen einzelne Werte oder wirken sie unplausibel, gehören Plausibilisierung und Ersatzwertbildung zur Aufbereitung. Das MsbG definiert diese Vorgänge als rechnerische Überbrückung ausgefallener Reihen oder Korrektur unplausibler Werte. MsbG § 2

Bei Strom kann eine Zählerstandsgangmessung eine Reihe viertelstündig ermittelter Zählerstände liefern. Die Verbrauchsmenge eines Intervalls entsteht dann als Differenz zweier aufeinanderfolgender Stände. Ein Lastgang enthält dagegen die Energiemenge je Intervall direkt. Die Fernablesung liefert also je nach Messkonzept einen Stand, eine Zählerstandsgangreihe oder einen Lastgang.

Gateway, Sicherheit und Berechtigung

Ein iMSys leistet mehr als das Abrufen von Werten. Nach MsbG § 21 muss es Messwerte zuverlässig erheben, übermitteln, protokollieren, speichern und löschen können. Es ermöglicht sichere Fernkommunikation, die sichere Administration und den gesicherten Empfang von Messwerten weiterer Zähler. Das Gesetz verlangt außerdem ein Smart-Meter-Gateway, das ausschließlich der Smart-Meter-Gateway-Administrator konfigurieren kann.

Der Smart-Meter-Gateway-Administrator betreibt das Gateway im Auftrag oder als Teil des Messstellenbetriebs. Er konfiguriert und überwacht den technischen Betrieb. Das BSI beschreibt: Kommunikationsverbindungen zu externen Stellen gehen aus Sicherheitsgründen vom Smart-Meter-Gateway aus. Ein Marktakteur ruft deshalb nicht beliebig direkt beim Zähler an.

Auch ein iMSys verteilt Werte nicht pauschal. Das MsbG verlangt verschlüsselte elektronische Kommunikation für personenbezogene Daten sowie Mess-, Netzzustands- und Stammdaten. Die Datenkommunikation muss in dem von der Bundesnetzagentur vorgegebenen einheitlichen Format erfolgen. Für personenbezogene Daten aus iMSys begrenzt § 52 zudem die Kommunikation auf Teilnehmer der Smart-Metering-Public-Key-Infrastruktur des BSI. MsbG § 52

Diese Sicherheitsfunktionen betreffen den technischen Zugang und die Berechtigung. Sie ersetzen keine fachliche Entscheidung darüber, welcher Marktpartner für welchen Zweck welchen Messwert benötigt.

Marktkommunikation nach WiM

WiM steht für Wechselprozesse im Messwesen Strom. Der Teil “Fokus Übermittlung von Werten” der Bundesnetzagentur regelt die Übermittlung von Messwerten zwischen Marktrollen. WiM Strom Teil 2 Der Messstellenbetreiber verbindet dabei die technische Messung mit dem Marktprozess: Er stellt aufbereitete Werte in der vorgegebenen Nachricht und mit den erforderlichen Zuordnungen bereit.

Der Lieferant verwendet Werte etwa für die Abrechnung. Der Netzbetreiber benötigt Messwerte für netzbezogene Prozesse. Welche Empfänger eine konkrete Reihe erhalten, hängt vom Messkonzept, den Rollen und dem Wertebedarf ab. Die Fernablesung selbst beantwortet diese Frage nicht. Auch das SMGW entscheidet nicht über Vertragsbeziehungen oder Abrechnungsregeln.

Datenfluss Verantwortliche Aufgabe Ergebnis
Zähler zur Ausleseinfrastruktur Messwert oder Zählerstand beschaffen Rohdaten oder auslesbare Messreihe
Messeinrichtung zum SMGW Messdaten im lokalen metrologischen Netz übertragen Eingang für die sichere Verarbeitung im iMSys
SMGW zum Administrator Gateway administrieren und überwachen Konfigurierter, geschützter Kommunikationsweg
Messstellenbetreiber zu Marktrollen Werte aufbereiten und im WiM-Prozess übermitteln Verwendbarer Messwert für Abrechnung oder Netzprozess

Vereinfachtes Beispiel

Ein Gewerbebetrieb besitzt einen fern auslesbaren Lastgangzähler. Der Messstellenbetreiber ruft täglich die Viertelstundenmengen ab. Die Auslesung scheitert an einem Morgen für vier Intervalle. Das Auslesesystem enthält dann eine Lücke, aber noch keinen automatisch abrechenbaren Ersatzwert.

Der Messstellenbetreiber prüft die Reihe und bildet nach den geltenden Regeln Ersatzwerte. Er kennzeichnet diese Werte mit ihrem Status und liefert die aufbereitete Zeitreihe an die berechtigten Empfänger. Treffen später die gemessenen Werte ein, korrigiert er die Reihe und übermittelt die Berichtigung. Dieser Ablauf funktioniert auch ohne iMSys.

Ersetzt der Messstellenbetreiber den Ausleseweg durch ein iMSys, ändert sich die Sicherheitsarchitektur: Die Messeinrichtung kommuniziert mit dem SMGW, der Administrator konfiguriert das Gateway und die externen Verbindungen sind geschützt. Die fachliche Prüfung, Statusführung und WiM-Übermittlung bleiben dennoch eigenständige Aufgaben.

Fehlerfälle und Folgen

Ein Kommunikationsausfall ist nicht zwangsläufig ein Messausfall. Der Zähler kann korrekt weiterzählen, während der Messstellenbetreiber die Werte erst später erhält. Fehlt nur der Übertragungsweg, muss die Aufbereitung den zeitlichen Kontext und den Status sauber behandeln. Wer eine ausstehende Ablesung als Verbrauch von null interpretiert, erzeugt eine falsche Reihe.

Eine falsche Zuordnung zur Messlokation kann einen korrekten Wert dem falschen Vertrag oder Netzprozess zuweisen. Ein falsch gesetzter Zeitbezug verschiebt Mengen zwischen Intervallen. Bei iMSys kommt ein weiterer Fehlerbereich hinzu: Unberechtigte oder fehlerhaft konfigurierte Kommunikationsbeziehungen dürfen keinen Zugriff auf Werte eröffnen. Deshalb trennt das Gesetz die sichere Systemadministration vom fachlichen Wertebedarf.

Typische Missverständnisse

„Jeder fernauslesbare Zähler ist ein Smart Meter.“
Die Fernablesung beschreibt nur die Art der Datenerhebung. Ein iMSys benötigt zusätzlich ein Smart-Meter-Gateway und die Anforderungen des MsbG.

„Das Smart-Meter-Gateway rechnet die Kundenabrechnung.“
Das Gateway verarbeitet und übermittelt Messdaten im sicheren System. Abrechnungsregeln und die WiM-Prozesse liegen bei den zuständigen Marktrollen und ihren Systemen.

„Ein direkt ausgelesener Wert kann sofort an jeden Marktpartner gehen.“
Der Messstellenbetreiber muss Werte aufbereiten und nur an berechtigte Empfänger im vorgesehenen Prozess übermitteln.

„Eine Datenlücke beweist, dass der Zähler falsch gemessen hat.“
Eine gestörte Kommunikation kann die Ablesung verzögern, obwohl der Zähler die Energie weiter erfasst.

Quellen und Pflegehinweis

Der Artikel stützt die Begriffe, Sicherheitsanforderungen und Kommunikationsvorgaben auf das Messstellenbetriebsgesetz. Die technische Rolle des Gateways folgt der BSI-Beschreibung. Die fachliche Übermittlung von Messwerten folgt der WiM-Lesefassung der Bundesnetzagentur.

Vor einer Prozess- oder Systemumsetzung müssen die zum Stichtag gültige WiM-Fassung, die Anwendungshandbücher und die konkreten Rollenbeziehungen erneut geprüft werden. Sie bestimmen Nachrichteninhalte, Fristen und Empfängerkreise detaillierter als dieser Grundlagenartikel.

Faktencheck und Abruf der Quellen: 10. September 2026.

Primärquellen zum Nachlesen