Messwert- und Abrechnungsnachrichten

AHB, Formate & Datenaustausch

MSCONS verstehen: Aufbau und Qualifier einer Messwertnachricht

Wie eine MSCONS Marktobjekt, Messgröße, Zeitraum, Wert und Status zusammenführt, was die Qualifier 220, 67 und 201 unterscheiden und wie Z36 bis Z39 die Herkunft einer Energiemenge kennzeichnen.

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Kurzantwort

Eine MSCONS ist eindeutig, wenn fünf Angaben zusammenpassen: das Marktobjekt, für das die Werte gelten, die Messgröße als OBIS-Kennzahl, der Zeitraum der Reihe, die Werte selbst und der Status, der ihre Verwendung beschreibt. Das Marktobjekt steckt in SG6 LOC mit dem Qualifier 172 für den Meldepunkt, die Messgröße in SG9 PIA im Datenelement 7140. Der Zeitraum steht in den DTM-Segmenten mit den Qualifern 163 und 164, der Wert in SG10 QTY und seine Verwendung in den STS-Segmenten derselben Segmentgruppe. Fehlt eine dieser Angaben oder widerspricht sie einer anderen, ist die Messreihe nicht eindeutig zuzuordnen und der Empfänger kann sie nicht verarbeiten. Ob MSCONS Werte liefert und wie sie sich von UTILMD abgrenzt, steht im Überblicksartikel zu UTILMD und MSCONS.

Was die MSCONS zusammenführen muss

Sieben Angaben tragen die Eindeutigkeit einer MSCONS. Fehlt eine davon, bleibt die Messreihe unbestimmt.
  1. Angabe 1UNB · UNH · BGM · DTM+137Absender, Empfänger, Nachrichtennummer, NachrichtenfunktionWer sendet an wen
  2. Angabe 2SG6 LOC+172ID der Messlokation, ID der Marktlokation oder ID des Netzkopplungspunktes (DE3225)Marktobjekt
  3. Angabe 3SG6 DTM+163 / DTM+164Beginn und Ende des Übertragungszeitraums, Format 303 in UTCZeitraum der Reihe
  4. Angabe 4SG9 LIN · SG9 PIA+5+…:SRWPositionsnummer und OBIS-Kennzahl aus der CodelisteMessgröße
  5. Angabe 5SG10 QTYMengenqualifier (220, 67, 201, Z18, 20, 79), Wert, MaßeinheitWert
  6. Angabe 6SG10 DTM+163 / DTM+164Beginn und Ende der einzelnen MessperiodeZeitbezug je Wert
  7. Angabe 7SG10 STSKategorie 10 (Z36 bis Z39), Z32, Z33, Z34, Z40, Z31Herkunft und Verwendung

Ebene 4 bis 7 wiederholen sich je Position in SG9 LIN. Ebene 1 gilt einmal für die ganze Nachricht, die Ebenen 2 und 3 je Objekt und Übertragungszeitraum.

Die Nachrichtenbeschreibung (MIG) legt die Reihenfolge dieser Angaben fest: Auf den Kopf mit Absender und Empfänger folgt das Segment UNS als Trenner zwischen Kopf- und Positionsteil. Danach öffnet SG5 NAD+DP den Liefer- und Bezugsort, SG6 LOC benennt das konkrete Marktobjekt, SG9 LIN zählt die Positionen und SG10 trägt je Position Menge, Zeitbezug und Status. Diese Staffelung ist kein Formalismus. Sie trennt, was für die ganze Nachricht gilt, von dem, was je Messreihe gilt. MSCONS MIG 2.4d, Segmentreihenfolge

Ein häufiger Denkfehler ist, das Marktobjekt im Kopf zu suchen. Der Kopf trägt die Marktpartner, nicht den Meldepunkt. Die Zuordnung der Werte entsteht erst in SG6 LOC. Deshalb kann eine Nachricht Werte zu mehreren Messlokationen enthalten, ohne dass die Positionen sich vermischen.

Der Meldepunkt: welches Objekt die Werte treffen

Das LOC-Segment in SG6 verwendet als Ortsangabe-Qualifier den Wert 172 für den Meldepunkt. In der Ortsangabe (DE3225) steht dann wahlweise die ID der Messlokation, die ID der Marktlokation oder die ID des Netzkopplungspunktes. Welche ID zulässig ist, hängt vom Anwendungsfall und von der Rolle des Absenders ab. Das AHB formuliert dafür Bedingungen: Bei einer 1:1-Beziehung zwischen Messlokation und Marktlokation ist die Verwendung der Marktlokations-ID vorgesehen, während sie bei abweichendem Lastgang der Messlokation unzulässig ist. MSCONS AHB 3.1e, Kap. 6.3 und 7.2.1

Diese Regel erklärt, warum die Messlokations-ID die genauere Angabe ist. Ein Lastgang gehört immer einer Messlokation. Fällt er mit der Marktlokation zusammen, darf die Nachricht vereinfachen. Bildet die Messlokation mehrere Marktlokationen ab, bleibt die Messlokation der Bezug und die Aufteilung erfolgt getrennt.

Neben dem Meldepunkt kennt SG6 LOC weitere Ortsangaben. Der Qualifier 107 bezeichnet das Bilanzierungsgebiet, der Qualifier 237 den Bilanzkreis für EEG-Überführungszeitreihen, der Qualifier Z04 die Profilbezeichnung und der Qualifier Z06 die Profilschar. Bei Zählerständen eines intelligenten Messsystems greift zusätzlich die Zählpunktbezeichnung als Prüfkriterium: Das AHB knüpft eine Bedingung daran, dass der Wert in SG6 LOC+172 DE3225 genau elf Stellen hat. MSCONS AHB 3.1e, Bedingung 46

Messgröße und Zeitreihentyp: OBIS und Profilschar

Die Messgröße steht in SG9 PIA mit dem Qualifier SRW für die OBIS-Kennzahl in DE7140. Erlaubt sind ausschließlich Werte aus der EDI@Energy-Codeliste der OBIS-Kennzahlen und Medien, und zwar solche, die mit dem verwendeten Prüfidentifikator versehen sind. Die Kennzahl sagt, welcher physikalische Wert gemeint ist: Wirkarbeit, Blindleistung, Zählerstand eines Tarifs oder ein Brennwert. MSCONS AHB 3.1e, Kap. 6.3.1

Diese Bindung an die Codeliste erklärt einen typischen Fehler: Ein Wert kann syntaktisch korrekt, aber als OBIS-Kennzahl für den angesagten Geschäftsvorfall unzulässig sein. Bei Zählerständen gilt zusätzlich die Bedingung, dass nur Werte zulässig sind, die im vorherigen Stammdatenaustausch zu diesem Meldepunkt übermittelt wurden. Eine MSCONS darf also nicht stillschweigend neue Kennzahlen einführen. MSCONS AHB 3.1e, Kap. 6.3.1

Zusammen mit dem Zeitreihentyp vervollständigt sich die Beschreibung. Das CCI-Segment trägt den Zeitreihentyp einer Überführungszeitreihe, etwa mit CCI+15++<Code>. Bei Profilscharen trägt zusätzlich die Positionsnummer in SG9 LIN die Temperaturmaßzahl, die Messgröße wird in diesem Fall also erst aus OBIS-Kennzahl und Position zusammen eindeutig. MSCONS AHB 3.1e, Kap. 8.1.2

Zeitbezug: wann die Reihe gilt und wann sie zählt

Der Zeitraum steht auf zwei Ebenen. In SG6 begrenzen DTM+163 (Beginn Messperiode Übertragungszeitraum) und DTM+164 (Ende Messperiode Übertragungszeitraum) den übertragenen Bereich. In SG10 tragen DTM+163 und DTM+164 je Position den Beginn und das Ende der einzelnen Messperiode.

Das Format ist verbindlich: Datum und Uhrzeit in DE2379 mit dem Code 303 gelten in UTC, erkennbar an der Angabe +00 am Ende des Wertes. Die Nachricht rechnet also nicht in Ortszeit. Eine Nachricht über den 25. Oktober 2020, an dem die Sommerzeit endet, trägt für den Lastgang Strom 100 Viertelstundenwerte; am 28. März 2021 sind es 92. Im Gasbereich gelten 25 beziehungsweise 23 Stundenwerte für den Gastag, der um 06:00 Uhr beginnt.

Zusätzlich kennt die MSCONS Zeitpunkte, die die Erfassung beschreiben und den Zeitraum nicht begrenzen. DTM+9 trägt das Ablesedatum, DTM+7 den Nutzungszeitpunkt und DTM+60 den Ausführungs- oder Änderungszeitpunkt, etwa den tatsächlichen Ein- und Ausbau bei einem Gerätewechsel. Das AHB hält ausdrücklich fest, dass für die weitere Verarbeitung ausschließlich der Nutzungszeitpunkt relevant ist. Genau dieser Satz entscheidet in der Praxis, welche Zeitangabe eine Abrechnung führt.

Werte und Verwendung: die Qualifier in QTY und STS

Die Menge steht in SG10 QTY mit DE6063 als Mengenqualifier und DE6060 als Wert. Die wichtigsten Codes sind 220 (wahrer Wert), 67 (Ersatzwert), 201 (Vorschlagswert), Z18 (vorläufiger Wert), 20 (nicht verwendbarer Wert) und 79 (Energiemenge summiert, Bilanzsumme). Der Qualifier beschreibt die Rolle des Wertes und steuert damit, ob er in die Abrechnung einfließt. Ein Vorschlagswert ist keine gemessene Größe, ein wahrer Wert dagegen schon. MSCONS AHB 3.1e, Kap. 7.1 Ob eine Energiemenge auf Zählerständen beruht, sagt die Messklassifizierung im STS-Segment mit der Statuskategorie 10. Die Codes lauten:

  • Z36: Zählerstand zum Beginn der angegebenen Energiemenge vorhanden und kommuniziert
  • Z37: Zählerstand zum Ende der angegebenen Energiemenge vorhanden und kommuniziert
  • Z38: Zählerstand zum Beginn nicht vorhanden, da Mengenabgrenzung
  • Z39: Zählerstand zum Ende nicht vorhanden, da Mengenabgrenzung

Z36 und Z37 stehen für Mengen mit vorhandenen Zählerständen, Z38 und Z39 für Mengenabgrenzungen ohne. Das AHB schließt die Gegensatzpaare aus: STS+10+Z36 ist unzulässig, wenn in derselben SG9 LIN bereits STS+10+Z38 steht, und STS+10+Z37 neben STS+10+Z39. Es geht dabei jeweils um denselben Rand der Menge, also Anfang gegen Anfang und Ende gegen Ende. Für die Übersicht Energie- und Leistungsmaximum schreibt das AHB vor, dass die Segmentgruppe genau zwei Mal je Position anzugeben ist, beide Angaben also zusammen erscheinen. MSCONS AHB 3.1e, Bedingungen 83 bis 86 und 2003

Weitere STS-Segmente derselben Gruppe tragen Plausibilisierungshinweise (Kategorie Z33), das Ersatzwertbildungsverfahren (Kategorie Z32), den Korrekturgrund (Kategorie Z34), den Grund der Ersatzwertbildung (Kategorie Z40) oder die Gasqualität (Kategorie Z31). Die Statusanlässe sind fein geschnitten: Z74 bedeutet fehlender Zugang, Z75 eine Kommunikationsstörung, Z78 einen Gerätewechsel, ZS0 ein Ersatzwertbildungsverfahren nach Angaben auf Ebene der Messlokation. Ein Korrekturgrund ist nach dem AHB anzugeben, wenn etwa ein bereits übermittelter vorläufiger Wert durch einen Ersatzwert ersetzt wird.

Beispiel: eine Energiemenge ohne Abschlusszählerstand

Ein MSB übermittelt dem Netzbetreiber für eine Marktlokation Strom die Energiemenge eines Tages. Der Netzbetreiber verarbeitet die Nachricht, ein vereinfachtes Beispiel:

UNB+UNOC:3+Absender-MP-ID+Empfänger-MP-ID+240401:0800+REF'
UNH+1+MSCONS:D:04B:UN:2.4d'
BGM+7+MSG-1+9'
DTM+137:202404010800?+00:303'
RFF+Z13:13019'
NAD+MS+Absender-MP-ID::9'
NAD+MR+Empfänger-MP-ID::9'
UNS+D'
NAD+DP'
LOC+172+DE00056266694E00826457N5139699L01'
DTM+163:202403312200?+00:303'
DTM+164:202404012200?+00:303'
LIN+1'
PIA+5+1-0:1.29.0:SRW'
QTY+220:1250.500:KWH'
DTM+163:202403312200?+00:303'
DTM+164:202404012200?+00:303'
STS+10+Z36'
STS+10+Z39'
UNT+15+1'
UNZ+1+REF'

Die Reihe ist erst vollständig lesbar, wenn LOC+172 das Objekt, PIA+5+1-0:1.29.0:SRW die OBIS-Kennzahl, QTY+220 den Wert mit Einheit, DTM+163/164 den Zeitraum und STS+10+Z36 zusammen mit STS+10+Z39 die Herkunft benennen. Das Paar sagt hier: Der Anfang der Menge ist durch einen Zählerstand belegt, das Ende nicht. Wer nur QTY liest, sieht eine Zahl von 1250,500 kWh und weiß nichts über ihre Belastbarkeit.

Fehlende Zeitangaben oder fehlende Statusangaben sind deshalb Rückmeldungen wert. Der Prüfidentifikator 13019 benennt den Anwendungsfall Messwert Energiemenge Strom, 13017 den Zählerstand Strom, 13018 den Lastgang Messlokation und 13025 den Lastgang Marktlokation. Ohne ihn weiß der Empfänger nicht, welche Struktur er erwarten darf.

Versionierung und Fehlerfälle

Der Absender ist für die Versionierung verantwortlich. Soll eine Zeitreihe korrigiert werden, trägt die neue Nachricht eine Versionsangabe; in SG6 DTM steht sie neben dem Bilanzierungsmonat oder dem Übertragungszeitraum. Für die Bilanzkreisabrechnung gilt die Regel, dass zu jeder Viertelstunde der gesetzlichen Zeit des angegebenen Bilanzierungsmonats genau ein Wert mit Zeitangabe in SG10 anzugeben ist. Für tägliche Summenzeitreihen muss das Zeitintervall aller Positionen lückenlos genau einen Tag der gesetzlichen Zeit umfassen. Diese Lückenlosigkeitspflicht ist die schärfste Anforderung des Formats. MSCONS AHB 3.1e, Kap. 6.3 und 8.3 Typische Fehlerquellen:

  • Objekt falsch gewählt. Die Nachricht trägt die Marktlokations-ID, obwohl der Lastgang nur auf Ebene der Messlokation gilt.
  • Zeitzone vermischt. Ein DTM-Wert steht in deutscher Ortszeit ohne Umrechnung auf UTC und trägt dennoch den Code 303 mit +00.
  • Statuswiderspruch. STS+10+Z36 und STS+10+Z38 stehen in derselben Position, obwohl das AHB sie ausschließt.
  • Unbekannte OBIS-Kennzahl. Die Kennzahl passt zum Meldepunkt oder zum Prüfidentifikator nicht.
  • Ersatzwert ohne Grund. Ein QTY+67-Wert kommt ohne die zugehörige STS-Gruppe, sodass der Empfänger die Bildung nicht nachvollziehen kann.
  • Vermischung mehrerer Zeitbereiche. Werte für zwei Monate landen in einem UNH-Block, obwohl das AHB für mehrere Zeitbereiche die Wiederholung über das UNH-Segment vorsieht. MSCONS AHB 3.1e, Kap. 6.3.2

Typische Missverständnisse

„MSCONS ist eine Messwertnachricht, der Nachrichtentyp sagt alles.“ Der Typ MSCONS allein beschreibt keinen Anwendungsfall. Erst der Prüfidentifikator, die OBIS-Kennzahl und die Statuscodes zusammen ergeben eine Aussage.

„Der Status ist ein Nice-to-have.“ Z36 bis Z39 entscheiden, ob die Menge belastbar ist. Eine Energiemenge ohne Messklassifizierung ist für die Abrechnung nicht verwertbar.

„PIA und LOC stehen im Kopf.“ Beide stehen im Positionsteil unterhalb von UNS+D. Wer sie im Kopf sucht, verwechselt Marktpartner mit Marktobjekt.

„Z36 und Z37 schließen sich aus.“ Bei einem Zählerstand Anfang und Ende einer abgegrenzten Menge treten beide zusammen auf. Ausgeschlossen sind nur die Gegensätze zwischen vorhanden und Mengenabgrenzung.

„Die Statusangabe gilt für die ganze Nachricht.“ Jedes STS gehört zu dem Wert, der im vorangehenden QTY-Segment derselben Segmentgruppe steht. Dieselbe Position kann mehrere Werte mit unterschiedlichen Status tragen.

Quellen und Pflegehinweis

Tragende Grundlage sind das MSCONS-Anwendungshandbuch 3.1e und die zugehörige Nachrichtenbeschreibung MIG 2.4d, beide veröffentlicht von der Bundesnetzagentur in Mitteilung 42 zum 19.06.2024. Das AHB beschreibt Bedingungen, Formate und die Messklassifizierung, die MIG die Segmentreihenfolge und die erlaubten Codewerte. Für die Fristen und den Umfang der Werteübermittlung durch den Messstellenbetreiber ist zusätzlich WiM Teil 2, Anlage 2b zu BK6-22-024 maßgeblich.

Prüfe bei jeder Formatanpassung zuerst, ob der verwendete Versionsstand noch dem gültigen Release der Bundesnetzagentur entspricht. Die Codeliste der OBIS-Kennzahlen und Medien wird getrennt gepflegt; ein AHB-Wechsel und ein Codeliste-Wechsel treffen nicht zwangsläufig zum gleichen Datum zusammen. Halte Prüfidentifikator, Zeitreihentyp und Versionsangabe in deiner Testdatenbasis aktuell, weil Änderungen an den Codewerten still durchgehen, solange die Syntax gültig bleibt.

Primärquellen zum Nachlesen