Energiedaten im Überblick

Energiedaten & Bilanzierung

MaBiS vom Messwert zur Bilanzierung

Wie aus Messwerten bilanzierungsrelevante Zeitreihen werden, wie Aggregation und Bilanzkreisabrechnung zusammenspielen und was das für SAP-IS-U-Projekte bedeutet.

Moderner Zählerschrank mit digitalem Stromzähler und Smart-Meter-Gateway
Messung wird erst durch Kennungen, Rollen und Datenflüsse zum Marktprozess.
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Kurzantwort

Die MaBiS, die Marktregeln für die Durchführung der Bilanzkreisabrechnung Strom, regelt, wie aus Messwerten bilanzierungsrelevante Zeitreihen werden und wie die Bilanzkreise abgerechnet werden. Sie beschreibt die Datenflüsse zwischen Netzbetreibern, Bilanzkreisverantwortlichen und Übertragungsnetzbetreibern. Im Zentrum steht die Frage: Welche Energiemenge gehört zu welchem Bilanzkreis?

Die Bilanzierung ist von der Netznutzungsabrechnung zu unterscheiden. Die Netznutzungsabrechnung verrechnet die Nutzung des Netzes zwischen Netzbetreiber und Lieferant. Die Bilanzierung gleicht dagegen die physikalisch verbrauchten und erzeugten Mengen mit den angemeldeten Fahrplänen der Bilanzkreise ab.

MaBiS · Datenflussvom Messwert zur Bilanzierung
1 · Messwerte und Zeitreihen entstehenBasis der Bilanzierung
MSB / Messwertverarbeiter→Lastgänge · Zählerstandsgänge · Summenzeitreihen

Bilanzierungsrelevant sind vor allem Viertelstundenwerte registrierender Leistungsmessung sowie die über Synthetik oder registrierend gebildeten Werte der Standardlastprofil-Kunden.

2 · Aggregation zur Marktlokation und zum Bilanzkreismehrere Wege, ein Ziel
Einzelwerte→Aggregationsverantwortlicher→Bilanzkreiszeitreihe

Die MaBiS ordnet die Aufgaben der Aggregation zu. In der heutigen, dezentralen Struktur bereiten Netzbetreiber und weitere Marktakteure die Daten für die Bilanzkreise der Lieferanten auf.

3 · Bilanzierung beim ÜbertragungsnetzbetreiberFahrplan gegen Ist
BKV-Fahrplan (Soll)⇄Bilanzkreisabrechnung (Ist)→Ausgleichsenergie

Der Bilanzkreisverantwortliche meldet Fahrpläne. Die Abweichung zwischen Fahrplan und tatsächlicher Bilanzkreiszeitreihe wird über die Bilanzkreisabrechnung dem Bilanzkreis zugeordnet.

4 · Verwendung der ErgebnisseAbrechnung und Mehr-/Mindermengen
Bilanzkreisabrechnung

Monatliche Abrechnung der Bilanzkreise gegenüber dem ÜNB.

Mehr-/Mindermengen

Salden zwischen Lieferanten und Netzbetreiber, etwa nach Lieferantenwechsel.

Netznutzungsabrechnung

Bleibt getrennt: Netznutzung ist keine Bilanzkreisabrechnung.

Der MaBiS-Hub soll diese dezentralen Aggregations- und Abrechnungsschritte künftig bei einem zentralen Akteur bündeln. Details stehen im Festlegungsverfahren BK6-24-210.

Interaktives Lernmodell

Ein möglicher Datenweg

Alle Rollen, Nachrichten und Prüfpunkte in dieser Grafik sind illustrativ vereinfacht.

Messwerte werden bereitgestelltIllustrativer Datenfluss von Messstellenbetreiber über Netzbetreiber zu Bilanzkreisverantwortlicher. Die Nachricht illustrierte Zeitreihe und der Prüfpunkt Zeitbezug prüfen sind hervorgehoben.MessstellenbetreiberNetzbetreiberBilanzkreisverantwortlicherillustrierte ZeitreihePrüfpunkt: Zeitbezug prüfen

Ausgewählt: 1 · Messwerte

Messwerte werden bereitgestellt

Ein Messwert wird für die weitere Verarbeitung als Zeitreihe verfügbar gemacht.

Illustrative Nachricht
illustrierte Zeitreihe
Illustrativer Prüfpunkt
Zeitbezug prüfen

Die Darstellung erklärt eine mögliche fachliche Kette. Konkrete Formate, Empfänger und Fristen ergeben sich aus dem jeweils gültigen Regelwerk.

Wozu die Bilanzierung dient

Strom lässt sich nicht lagern. Zu jedem Zeitpunkt muss die eingespeiste Menge der entnommenen Menge entsprechen. Abweichungen gleichen die Übertragungsnetzbetreiber über Regelenergie aus. Die Kosten dafür tragen die Verursacher, also die Bilanzkreise, deren Fahrplan nicht zur tatsächlichen Entnahme gepasst hat.

Um die Verursacher zu ermitteln, ordnet der Markt jede Energiemenge einem Bilanzkreis zu. Ein Lieferant führt seine Entnahmekunden in einem Bilanzkreis, ein Erzeuger seine Einspeisung. Der Bilanzkreisverantwortliche meldet dem Übertragungsnetzbetreiber, welche Mengen er erwartet. Am Ende der Abrechnungsperiode vergleicht der ÜNB die angemeldeten mit den tatsächlichen Mengen und stellt die Differenz in Rechnung.

Diese Zuordnung funktioniert nur, wenn alle Beteiligten mit denselben Daten arbeiten. Die MaBiS schafft dafür verbindliche Regeln. Sie legt fest, welche Zeitreihen übermittelt werden, wer sie aggregiert, welche Fristen gelten und wie die Bilanzkreisabrechnung abläuft. Ohne diese Regeln wäre die Zuordnung von Energiemengen zu Bilanzkreisen nicht nachvollziehbar.

Die MaBiS existiert seit 2009 und wurde seither mehrfach fortgeschrieben. Jede Fassung passt die Prozesse an neue Marktanforderungen an, etwa an den wachsenden Anteil erneuerbarer Energien oder an die Digitalisierung der Messung. Die aktuell gültige Fassung gilt seit dem 6. Juni 2025 und ist mit den Änderungen aus GPKE und WiM abgestimmt. Bilanzkreisabrechnung (MaBiS)

Für die Zukunft steht eine grundlegende Neuordnung an. Mit dem MaBiS-Hub prüft die Bundesnetzagentur, die Aggregation und Abrechnung künftig bei einem zentralen Akteur zu bündeln. Das Verfahren BK6-24-210 läuft seit Oktober 2024 und gliedert sich in zwei Blöcke. Wer heute Systeme für die Bilanzierung baut, sollte diese Entwicklung im Blick behalten. MaBiS Hub

Vom Messwert zur Zeitreihe

Der Ausgangspunkt der Bilanzierung ist der Messwert an der Messlokation. Bei Kunden mit registrierender Leistungsmessung entstehen Lastgänge in viertelstündlicher Auflösung. Bei Standardlastprofil-Kunden wird der Verbrauch über Profile synthetisch gebildet, weil keine registrierende Messung vorliegt.

Der Messstellenbetreiber liefert die Werte an die berechtigten Empfänger. Für die Bilanzierung müssen die Werte anschließend aggregiert werden. Aus vielen einzelnen Werten entstehen Summenzeitreihen, die einem Bilanzkreis zugeordnet werden. Diese Aggregation ist eine eigene Aufgabe, die in der MaBiS beziehungsweise im Messstellenbetriebsgesetz geregelt ist.

Das MsbG kennt dafür den Aggregationsverantwortlichen. Ihm kann durch eine Festlegung der Bundesnetzagentur die Aufgabe zugewiesen werden, viertelstündige Werte oder Profilwerte zu Summenzeitreihen zu aggregieren. MsbG § 2 Daneben existiert der Messwertweiterverarbeiter, der abrechnungsrelevante Messwerte aufbereitet. Diese Rollen zeigen: Die Aufbereitung der Werte für die Bilanzierung ist ein eigenes Aufgabengebiet.

Die Aggregation folgt dabei einer festen Kette. Einzelne Messwerte werden zu Zeitreihen einer Marktlokation zusammengeführt, mehrere Lokationen zu Summenzeitreihen, und diese Summenzeitreihen werden Bilanzkreisen zugeordnet. Auf jeder Stufe gilt es, die richtige Zuordnung zu wahren. Ein Wert, der auf der falschen Stufe landet, verfälscht die gesamte nachgelagerte Bilanzierung.

RLM und Standardlastprofil

Für die Bilanzierung ist entscheidend, wie eine Marktlokation gemessen und bilanziert wird. Bei der registrierenden Leistungsmessung (RLM) liegen Lastgänge vor, die direkt für die Bilanzierung verwendet werden können. Diese Lokationen werden auf Basis der gemessenen Viertelstundenwerte bilanziert.

Bei Standardlastprofil-Lokationen fehlt die registrierende Messung. Hier wird der Verbrauch über standardisierte Lastprofile gebildet, die das typische Verhalten verschiedener Kundengruppen abbilden. Der Verbrauch einer solchen Lokation wird dem Bilanzkreis über das Profilverfahren zugeordnet. Die synthetisch gebildeten Werte sind keine Messwerte im engeren Sinn, sondern rechnerische Größen.

Für Projekte ist diese Unterscheidung wichtig, weil sie die Werteflüsse prägt. RLM-Lokationen erzeugen Lastgänge, die viertelstündlich übermittelt und aggregiert werden. SLP-Lokationen erzeugen Profilwerte, die über Summenzeitreihen geführt werden. Ein System, das beide Verfahren nicht unterscheidet, ordnet Mengen falsch zu.

Die Zuordnung einer Marktlokation zu einem Bilanzierungsverfahren ist Stammdatenbestandteil. Sie entscheidet darüber, welche Zeitreihen für die Lokation gebildet werden und wie die Mengen in die Bilanzierung eingehen. Ändert sich das Verfahren, etwa durch den Wechsel in die registrierende Leistungsmessung, müssen die betroffenen Systeme den Wechsel sauber vollziehen. Die Datenhistorie bleibt dabei wichtig, weil die Abrechnung vergangener Perioden auf dem damaligen Verfahren aufbaut.

Die Bilanzkreisabrechnung

Die Bilanzkreisabrechnung ist das Ergebnis der Bilanzierung. Sie läuft in der Regel monatlich und vergleicht für jeden Bilanzkreis die angemeldeten Fahrpläne mit den tatsächlich zugeordneten Mengen. Die Differenz wird als Ausgleichsenergie bewertet und dem Bilanzkreis in Rechnung gestellt.

Beteiligt sind mehrere Stellen. Der Bilanzkreisverantwortliche meldet die Fahrpläne, die Netzbetreiber liefern die aggregierten Ist-Mengen, der Übertragungsnetzbetreiber führt die Abrechnung durch. Dazu kommen Salden zwischen Lieferanten, etwa wenn ein Kunde den Lieferanten wechselt und Mehr- oder Mindermengen entstehen.

Die Übermittlung der Daten folgt festen Zeitrastern. Zeitreihen werden in den dafür vorgesehenen Nachrichten übertragen, und die Abrechnung greift auf die konsolidierten Daten zurück. Die Fristen sind so gesetzt, dass die monatliche Abrechnung termingerecht auf den Daten der abgelaufenen Periode aufbaut. Wer diese Fristen im System nicht führt, riskiert verspätete Abrechnungen und unnötige Klärungen.

Dabei ist die Qualität der Daten entscheidend. Fehlerhafte oder verspätete Zeitreihen verursachen Abweichungen, die erst in der Abrechnung sichtbar werden. Die Prozesse sehen deshalb Prüfungen und Rückmeldungen vor, mit denen die Beteiligten Datenstände abgleichen. Ein Netzbetreiber, der fehlerhafte Summenzeitreihen liefert, verschiebt die Fehler in die Bilanzkreisabrechnung.

Die MaBiS beschreibt diese Abläufe in Prozessen und Zeitreihen. Sie legt fest, welche Daten in welcher Form übermittelt werden und welche Fristen für die Abrechnung gelten. Die Bilanzkreisabrechnung ist damit keine Erfindung einzelner Unternehmen, sondern ein standardisierter Marktprozess mit klaren Verantwortlichkeiten.

Abgrenzung zur Netznutzungsabrechnung

Ein häufiger Fehler ist die Gleichsetzung von Bilanzierung und Netznutzungsabrechnung. Beide verarbeiten Energiemengen, beantworten aber unterschiedliche Fragen. Die Netznutzungsabrechnung verrechnet die Nutzung des Netzes: Der Netzbetreiber stellt dem Lieferanten die Netzentgelte für die Entnahme in Rechnung.

Die Bilanzierung fragt dagegen, ob die tatsächlichen Mengen eines Bilanzkreises mit den angemeldeten Fahrplänen übereinstimmen. Sie läuft zwischen Bilanzkreisverantwortlichen und Übertragungsnetzbetreiber. Die Netznutzungsabrechnung läuft zwischen Netzbetreiber und Lieferant. Beide Abrechnungen nutzen ähnliche Daten, haben aber unterschiedliche Vertragspartner und Zwecke.

Wer die beiden Prozesse in einem System vermischt, erzeugt falsche Erwartungen. Eine Klärung zur Netznutzung hilft nicht bei einer Frage zur Bilanzierung. Die MaBiS und die GPKE liefern die getrennten Regelwerke, an denen sich die Prozesse orientieren.

Bedeutung für SAP IS-U

Für SAP-IS-U-Systeme ist die Bilanzierung vor allem eine Frage der Zeitreihenverarbeitung. Das Energiedatenmanagement speichert Lastgänge und Profile, aus denen die bilanzierungsrelevanten Mengen gebildet werden. Die Abrechnung der Netznutzung greift auf dieselben Daten zu, rechnet aber nach eigenen Regeln ab.

In Projekten trennen Fachkonzepte deshalb die Sichten: die Messwert- und Profilverwaltung, die Netznutzungsabrechnung und die bilanzielle Zuordnung. Jede Sicht hat eigene Stammdaten, Fristen und Ergebnisse. Wer die bilanzielle Zuordnung an der Netznutzungsabrechnung aufhängt, baut eine Kopplung ein, die bei Änderungen bricht.

Die wachsende Bedeutung von Last- und Zählerstandsgängen verändert auch die Bilanzierung. Die zukünftige Ausrichtung über einen zentralen MaBiS-Hub wird die Aggregation und Abrechnung neu ordnen. Für SAP-IS-U-Berater heißt das, die Prozesse so zu modellieren, dass sie zentrale Datenflüsse aufnehmen können, ohne die eigenen Abrechnungen zu gefährden.

Für den Testbetrieb bedeutet das eine eigene Herausforderung. Die Bilanzierung arbeitet mit festen Terminen und großen Datenmengen. Wer die Prozesse testen will, braucht realistische Zeitreihen und muss die Fristen der Abrechnung nachbilden. Ein Test, der nur einzelne Nachrichten prüft, verfehlt die eigentliche Logik der Bilanzierung: die konsistente Verarbeitung über die gesamte Abrechnungsperiode.

Praxisbeispiel: Ein Gewerbekunde wechselt die Messklasse

Ein Gewerbekunde überschreitet die Grenze zur registrierenden Leistungsmessung. Bisher wurde seine Marktlokation über ein Standardlastprofil bilanziert, künftig liegen Lastgänge vor. Der Messstellenbetreiber stellt die Messung um, der Lieferant erhält die Lastgänge und ordnet sie seinem Bilanzkreis zu.

Für den Bilanzkreisverantwortlichen ändert sich die Datenbasis. Statt synthetischer Profilwerte erhält er gemessene Viertelstundenwerte. Die Aggregation läuft über den neuen Wertefluss, und die Bilanzkreisabrechnung vergleicht die Ist-Werte mit den Fahrplänen. Das System des Lieferanten muss beide Verfahren beherrschen, damit der Übergang ohne Lücke gelingt.

Das Beispiel zeigt, warum die Unterscheidung von Messverfahren kein Detail ist. Ein Wechsel der Messklasse verändert Wertefluss, Bilanzierung und Abrechnung zugleich.

Für die Stammdatenpflege bedeutet das eine klare Verantwortung: Wer meldet den Wechsel der Messklasse, und wer prüft ihn? In der Regel erkennt der Messstellenbetreiber die geänderte Messung, der Netzbetreiber führt die Bilanzierungsdaten. Fehlt die Abstimmung, entstehen Zeiträume, in denen die Werte weder nach dem alten noch nach dem neuen Verfahren korrekt zugeordnet sind.

Typische Missverständnisse

„MaBiS ist die Netznutzungsabrechnung.“
Nein. MaBiS regelt die Bilanzkreisabrechnung. Die Netznutzungsabrechnung verrechnet die Netznutzung zwischen Netzbetreiber und Lieferant.

„Messwerte sind direkt bilanzierungsrelevante Mengen.“
Nein. Sie müssen erst aufbereitet und aggregiert werden. Dafür gibt es eigene Rollen wie den Aggregationsverantwortlichen.

„Standardlastprofil-Kunden werden gemessen.“
Ihr Verbrauch wird über Profile gebildet, nicht über registrierende Messung erfasst. Bei RLM-Kunden liegen Lastgänge vor.

„Die Bilanzierung läuft zwischen Lieferant und Netzbetreiber.“
Die Bilanzkreisabrechnung läuft zwischen Bilanzkreisverantwortlichen und Übertragungsnetzbetreiber. Die Netznutzungsabrechnung läuft zwischen Netzbetreiber und Lieferant.

„Ein Bilanzkreis ist eine technische Einrichtung.“
Nein. Ein Bilanzkreis ist eine kaufmännische Saldierungsgröße, die der Bilanzkreisverantwortliche gegenüber dem ÜNB verantwortet.

Quellen und Pflegehinweis

Die MaBiS wird von der Bundesnetzagentur veröffentlicht. Aktuell gültige Fassung, Historie und laufende Verfahren stehen auf der MaBiS-Seite. Die Weiterentwicklung über den MaBiS-Hub läuft im Verfahren BK6-24-210. Wegen dieser Entwicklung vor jeder Umsetzung den aktuellen Stand prüfen.

Abrufdatum aller Quellen: 7. September 2026.

Primärquellen zum Nachlesen