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Kurzantwort
Ein Lokationsbündel ist die Menge der Marktobjekte, die an einer Anschlusssituation messtechnisch zusammengehören. Dazu zählen eine oder mehrere Marktlokationen, eine oder mehrere Messlokationen, die Netzlokation und die technischen oder steuerbaren Ressourcen. Der BDEW-Foliensatz „Objekte in der Marktkommunikation” definiert das Lokationsbündel knapp als „Bündel messtechnisch abhängiger Markt- und Messlokationen”. Es fasst alle Markt- und Messlokationen zusammen, die in messtechnischer Beziehung stehen, damit jeder beteiligte Messstellenbetreiber den vollen Umfang kennt und jede Veränderung mitbekommt. Ein Lokationsbündel besteht mindestens aus einer Marktlokation und einer Messlokation. Es trägt keinen eigenen Identifikator, kommuniziert werden die [[die-marktlokation]]-ID und die [[die-messlokation]]-ID der enthaltenen Objekte. Das Lokationsbündel läuft ausschließlich im Datenaustausch zwischen Netzbetreiber und Messstellenbetreiber.
Die Lokationsstruktur, im Format als Lokationsbündelstruktur bezeichnet, beschreibt die Beziehungen und die Hierarchie innerhalb des Bündels. Sie zeigt die physikalischen Abhängigkeiten zwischen den Messlokationen, den Marktlokationen und den technischen Ressourcen sowie deren Lage am Kabel und an der Leitung. Bislang steckten diese Angaben in Installationsplänen und Messkonzepten und wurden in der Marktkommunikation nicht ausgetauscht. Das EDI@Energy-Konzept vom 1. August 2022 schließt diese Lücke: Jede gängige Anschlusssituation bekommt einen Code aus der „Codeliste der Lokationsbündelstrukturen”, und jedes Objekt im Bündel erhält einen Objektcode für seine feste Position. Übertragen wird der Code über die [[die-messlokation]] beschreibende UTILMD als Stammdatenänderung. Der Netzbetreiber ist die datenführende Stelle.
Der Nutzen ist die maschinenlesbare Beschreibung komplexer Anschlüsse. Ein Einfamilienhaus mit Photovoltaik, Batteriespeicher und Wallbox besteht aus mehreren Marktlokationen, mehreren Messlokationen und mehreren Ressourcen. Ohne strukturierte Übertragung muss der Empfänger raten, welcher Zähler zu welcher Marktlokation gehört und wie sich deren Energiemenge berechnet. Mit dem Bündel und der Struktur steht beides eindeutig fest.

Das Lokationsbündel als Mengengerüst
Das Lokationsbündel beantwortet eine einzige Frage: Welche Marktobjekte gehören an dieser Stelle im Netz messtechnisch zusammen? Der Netzbetreiber bildet, verwaltet und schließt das Bündel. Er teilt es dem Messstellenbetreiber mit, damit dieser seine Aufgaben nach dem Messstellenbetriebsgesetz erfüllen kann. Sind an den Messlokationen eines Bündels verschiedene Messstellenbetreiber tätig, erhält jeder von ihnen den vollen Umfang, denn eine Änderung an einer Messlokation kann die Berechnung einer Marktlokation im selben Bündel verschieben.
Das Bündel ist ein Objekt aus dem Rollenmodell für die Marktkommunikation. Die Trennung von Marktlokation und Messlokation kam mit der Marktkommunikation 2020, die Marktlokations-ID gilt seit dem 1. Februar 2018. Die Netzlokation und die technische sowie die steuerbare Ressource wurden mit der Neuordnung der Marktprozesse eingeführt, die als MaKo 2022 firmiert und deren Datenformate mit dem UTILMD-Anwendungshandbuch Strom zum 1. April 2023 in Kraft traten. Seither steht der Objektbaukasten bereit, den die Lokationsbündelstruktur zusammensetzt.
| Objekt | Rolle im Bündel | Identifikator | Pflicht |
|---|---|---|---|
| Lokationsbündel | Klammer um alle messtechnisch abhängigen Objekte | keiner | genau eines je Anschlusssituation |
| Marktlokation | Ort von Verbrauch oder Erzeugung, Anker für Belieferung und Bilanzierung | MaLo-ID, 11 Stellen | mindestens eine |
| Messlokation | Ort der Messung mit allen technischen Einrichtungen | MeLo-ID, Präfix DE, 33 Stellen |
mindestens eine, außer bei pauschaler Marktlokation |
| Netzlokation | Anschlusspunkt im Netzgebiet, Blindarbeit und Leistungsgrenze | NeLo-ID, nur wenn marktrelevant | optional |
| Technische Ressource | Erzeugungs- oder Verbrauchseinheit an einer Marktlokation | TR-ID, Vergabe optional | optional, dynamisch 0 bis n |
| Steuerbare Ressource | technische Einrichtung mit Steuerbefehl oder Schaltprofil, § 14a EnWG | SR-ID | optional |
Nicht Teil der Struktur sind Wandler und Transformatoren. Ihre Daten laufen über die UTILMD und die UTILTS und ändern die Struktur nicht. Auch eine Tranche gehört nicht hinein. Eine Tranche entsteht aus rein kaufmännischen Gründen an einer Marktlokation und lässt die Lokationsbündelstruktur unberührt.
| Rolle | Aufgabe am Lokationsbündel |
|---|---|
| Netzbetreiber | bildet, pflegt und schließt Bündel und Struktur, vergibt die Objektcodes, versendet die UTILMD |
| Messstellenbetreiber | empfängt Bündel und Struktur, ordnet die verbauten Geräte den richtigen Messlokationen zu |
| Lieferant | empfängt die Lokationsbündelstruktur, leitet daraus Prognose und passende Produkte ab, prüft die Plausibilität der berechneten Werte |
Lokationsstruktur und Lokationsbündelstruktur
Die Lokationsbündelstruktur beschreibt innerhalb eines Bündels die physikalischen Abhängigkeiten zwischen den Messlokationen, den Marktlokationen und den technischen Ressourcen sowie deren Lage am Kabel und an der Leitung. Sie stellt damit die Verkabelung so weit dar, wie sie für die Marktkommunikation nötig ist. Der komplette Schaltplan des Gebäudes bleibt außen vor, ein Gebäude kann aus mehreren Bündeln mit je einer Struktur bestehen.
Der Aufbau folgt einer Codeliste. Jede gängige Anschlusssituation trägt einen dreizehnstelligen Code der Lokationsbündelstruktur, im Dokument zur besseren Lesbarkeit mit Leerzeichen geschrieben, im Datenaustausch ohne. 9992 00000 002 6 steht für „Verbrauch mit einer Messlokation”, die Standardsituation im Haushalt. Innerhalb der Struktur bekommt jedes Objekt einen Objektcode, der seine feste Position beschreibt. Der Objektcode hängt ab vom Objekttyp, von der Ebene, von der Energieflussrichtung und bei der Messlokation zusätzlich von ihrer Funktion. 9992 00000 101 6 kennzeichnet zum Beispiel die verbrauchende Marktlokation auf Ebene 1.
| Funktion der Messlokation | Kürzel | Bedeutung |
|---|---|---|
| Netzübergabe | N |
Messung an der Verbindung zum Netz |
| Hinterschaltung | H |
Messung hinter einer vorgelagerten Messlokation |
| Differenzmessung | D |
Messwert wird von einem anderen Messwert abgezogen |
| Speicher | S |
Messung am Speicher |
| Merkmal | Werte | Aussage |
|---|---|---|
| Energieflussrichtung | Verbrauch, Erzeugung, Verbrauch und Erzeugung | ob das Objekt bezieht, einspeist oder beides |
| Ebene | 1, 2, 3 | Position in der Hierarchie, Ebene 1 liegt am Netz |
| Dynamisierung | statisch, dynamisch | ob die Anzahl der Objekte fest ist oder variiert |
| Ebenenwechsel | markiert oder nicht | ob eine Referenz von Messlokation zu Messlokation nötig ist |
Die meisten Objekte sind statisch, ihre Anzahl liegt fest. Technische Ressourcen sind immer dynamisch, sie wiederholen sich beliebig oft, etwa mehrere PV-Module oder die Verbraucher Licht, Wärme und E-Mobilität. Auch Mess- und Marktlokationen können in einigen Strukturen dynamisch sein. Bei einem dynamischen Objekt reichen Objektcode und Objektcode allein nicht, es braucht Objektreferenzen. Eine rote Linie in den Modellen steht für eine Referenz von der Messlokation zur Marktlokation, eine grüne Linie für eine Referenz von Messlokation zu Messlokation beim Wechsel der Ebene.
Fehlt für eine reale Anschlusssituation ein passender Code, meldet der Netzbetreiber im Segment SG10 CCI+ZXZ, dass die Struktur bilateral mitzuteilen ist. Soll die Struktur umgebaut werden, kommt zusätzlich das CAV+ZXX „Geplante Lokationsbündelstruktur” zum Einsatz.
Die Zuordnungstypen im Überblick
Die eigentliche fachliche Information des Bündels sind die Zuordnungen. Sie sagen, welches Objekt mit welchem anderen in welcher Weise verbunden ist. Sechs Typen kommen regelmäßig vor.
| Zuordnungstyp | verbundene Objekte | Bedeutung | Träger im Datenaustausch |
|---|---|---|---|
| Marktlokation zu Messlokation, ohne Summenbildung | 1 MaLo, 1 MeLo | die Energiemenge der Marktlokation ist der Messwert einer einzigen Messlokation | UTILMD, Berechnungsformel mit Status Z40 |
| Marktlokation zu Messlokation, mit Summenbildung | 1 MaLo, n MeLo | die Zeitreihe der Marktlokation entsteht arithmetisch aus mehreren Messlokationen mit Vorzeichen + oder − |
UTILTS, Berechnungsformel mit Rechenschritten |
| Marktlokation zu Netzlokation | n MaLo, 1 NeLo | die Marktlokationen sind über genau eine Leitung an denselben Anschlusspunkt angebunden | UTILMD-Stammdaten, NeLo-ID an der MaLo |
| Technische Ressource zu Marktlokation | 1 TR, 1 MaLo | die Erzeugungs- oder Verbrauchseinheit wirkt an dieser Marktlokation | UTILMD SG8 SEQ+ZXX, Referenz RFF+ZYZ auf die MaLo |
| Steuerbare Ressource zu Netzlokation | 1 SR, 1 NeLo | die Netzlokation überwacht die Leistungsgrenze am Anschluss der steuerbaren Einrichtung, § 14a EnWG | Stammdaten der Netzlokation, Leistungskurvendefinition |
| Messlokation zu Zähler zu Zählwerk | 1 MeLo, 1 bis n Zähler, je Zähler 1 bis n Zählwerke | die Messeinrichtung sitzt in der Messlokation, jedes Zählwerk führt einen OBIS-adressierten Wert | UTILMD-Gerätedaten, nicht Teil der Lokationsbündelstruktur |
Die ersten beiden Typen tragen die kaufmännisch-bilanzielle Rechnung. Die Marktlokation zu Netzlokation trägt die Netzsicht: An der Netzlokation ermittelt der Netzbetreiber die Blindarbeit und prüft die Einhaltung vorgegebener Leistungsgrenzen. Technische Ressourcen erklären, warum an einer Marktlokation mehrere Vorgänge parallel laufen, sie sind in der Struktur immer dynamisch und optional mit einer ID versehen. Die steuerbare Ressource verbindet die Anlagensicht mit der netzorientierten Steuerung. Die Kette Messlokation zu Zähler zu Zählwerk gehört zur Messsicht und läuft über die Gerätestammdaten, sie steht hier, weil sie in Projekten oft mit der Struktur verwechselt wird. Details dazu stehen unter [[zaehlwerk-und-zaehlwerksdaten]] und [[netzlokation-und-technische-ressource]].


Summenbildung: aus Messlokationen wird die Marktlokations-Zeitreihe
Braucht eine Marktlokation Werte von mehr als einer Messlokation, entsteht ihre Zeitreihe rechnerisch. Die Rechenvorschrift ist die Berechnungsformel. Sie beschreibt die Formel zur Berechnung der Werte der Markt- oder Netzlokation unter Angabe der nötigen Messlokationen und Parameter und wird über die UTILTS übertragen. Der Netzbetreiber sendet sie unter dem Prüfidentifikator 25001 an Messstellenbetreiber und Lieferant, die Antwort trägt den Prüfidentifikator 25010.
Die Formel besteht aus Rechenschritten. Jeder Rechenschritt referenziert eine Messlokation und trägt einen mathematischen Operator sowie eine Energieflussrichtung.
| Operator | Code | Wirkung |
|---|---|---|
| Addition | Z69 |
Messwert wird addiert, Vorzeichen + |
| Subtraktion | Z70 |
Messwert wird abgezogen, Vorzeichen − |
| Divisor | Z80 |
Messwert steht im Nenner |
| Dividend | Z81 |
Messwert steht im Zähler |
| Faktor | Z82 |
Messwert wird multipliziert |
| Positivwert | Z83 |
negatives Ergebnis wird auf null gesetzt |
| Energieflussrichtung Verbrauch | Z71 |
der Schritt betrifft eine Bezugsmenge |
| Energieflussrichtung Erzeugung | Z72 |
der Schritt betrifft eine Einspeisemenge |
| Status der Berechnungsformel | Code | Fall |
|---|---|---|
| Berechnungsformel liegt bei | Z33 |
die Formel wird mitgeliefert |
| muss beim Absender angefragt werden | Z34 |
bilaterale Klärung nötig |
| besitzt keine Rechenoperation | Z40 |
genau eine Messlokation misst die Marktlokation |
| nicht erforderlich | Z41 |
keine Messlokation, pauschale Marktlokation |
Drei Muster decken die Praxis weitgehend ab. Beim ersten wird eine Untermessung abgezogen. Eine Schule und die Hausmeisterwohnung teilen sich einen Anschluss, die Hauptmessung erfasst beides, eine Untermessung erfasst nur die Wohnung. Die Zeitreihe der Marktlokation Schule ist Hauptmessung minus Untermessung. Beim zweiten Muster addiert eine Kaskade mehrere ungemessene Verbraucher oder Erzeuger hinter einer Messlokation, etwa eine Wärmepumpenkaskade. Beim dritten Muster steht Einspeisung gegen Bezug: An einem Zweirichtungszähler liefert die eine Energieflussrichtung die verbrauchende, die andere die erzeugende Marktlokation.
Bündel-Beispiele
Die Codeliste der Lokationsbündelstrukturen deckt Verbrauch ohne Messlokation, Verbrauch mit einer Messlokation, Volleinspeisung, mehrere Varianten der Überschusseinspeisung, Hinterschaltungen, Pooling, dynamische Einspeisung und Kaskaden ab. Vier Fälle zeigen die Bandbreite.
| Fall | Marktlokationen | Messlokationen | Ressourcen | Summenbildung |
|---|---|---|---|---|
| Haushalt ohne Erzeugung | 1 verbrauchend | 1 an der Netzübergabe | keine oder ungemessen | keine, Status Z40 |
| Einfamilienhaus mit PV-Überschuss, Speicher, Wallbox | 1 verbrauchend, 1 erzeugend | 1 Zweirichtung an der Netzübergabe, 1 für die Erzeugung | PV, Batteriespeicher, Wärmepumpe, Wallbox | Erzeugungs-MeLo geht in die Einspeise-MaLo, Rest in die Bezugs-MaLo |
| Mehrfamilienhaus mit Mieterstrom und Untermessung | je Wohnung 1, plus Allgemeinstrom, plus Erzeugung | Summenzähler am Netz, je Wohnung 1, Erzeugerzähler | PV-Anlage, gemeinsame Wärmeerzeugung | Wohnungs-MeLo werden vom Summenzähler abgezogen |
| Gewerbe mit Eigenerzeugung | 1 verbrauchend, 1 erzeugend | 1 an der Netzübergabe, 1 an der Erzeugung, ggf. Netzlokation für Blindarbeit | Blockheizkraftwerk oder PV, Lastmanagement | Bezug gleich Netzübergabe minus Eigenerzeugung, plus Blindarbeit an der NeLo |
Wer das Bündel pflegt und wie es ausgetauscht wird
Der Netzbetreiber ist die datenführende Stelle für Lokationsbündel und Lokationsbündelstruktur. Er baut das Bündel bei der Inbetriebsetzung auf, ändert es bei jedem Umbau der Anschlusssituation und schließt es bei der Stilllegung. Jede Änderung läuft als Stammdatenänderung über die UTILMD an Messstellenbetreiber und Lieferant.
| UTILMD-Inhalt | Segment | Bedeutung |
|---|---|---|
| Daten der Marktlokation | SG8 SEQ+Z01, RFF+Z18 |
Referenz auf die MaLo-ID |
| Lokationsbündelstruktur-Daten | SG10 CCI+ZYY |
eröffnet die Strukturangabe |
| Code der Lokationsbündelstruktur | CAV+ZYZ |
der dreizehnstellige Code der Struktur |
| Objektcode | CAV+ZZZ |
feste Position dieses Objekts in der Struktur |
| Daten der Messlokation | SG8 SEQ+Z18, RFF+Z19 |
Referenz auf die MeLo-ID |
| Zuordnung MeLo zu MaLo | RFF+Z16 |
die der Messlokation zugeordnete Marktlokation |
| Referenz vorgelagerte MeLo | RFF+ZVV |
Pflicht bei dynamischem Kabel, grüne Linie |
| Daten der technischen Ressource | SG8 SEQ+ZXX, RFF+ZXY |
Referenz auf die TR-ID, optional |
Der Zeitplan aus dem Konzept sah die Veröffentlichung der Codeliste zum 1. Oktober 2023 vor, die freiwillige Anwendung ab dem 1. April 2024 und die verpflichtende Anwendung ab dem 1. April 2025. Sendet der Netzbetreiber die Daten früher, müssen Messstellenbetreiber und Lieferant sie verarbeiten und speichern. Die Formatstände sind später in das UTILMD-Anwendungshandbuch Strom in den Versionen 2.x eingegangen, dessen verbindliche Anwendung Mitte 2025 griff. Der jeweils gültige Stand steht auf edi-energy.de und bei der Bundesnetzagentur.
Praxisbeispiel: Einfamilienhaus mit PV-Überschuss, Batteriespeicher und Wallbox
Ein Einfamilienhaus am Niederspannungsnetz bezieht Strom und speist den Überschuss einer Dach- und Fassaden-Photovoltaik ein. Ein Batteriespeicher puffert, eine Wärmepumpe heizt, eine Wallbox lädt das Fahrzeug. Wärmepumpe und Wallbox sind steuerbare Verbrauchseinrichtungen nach § 14a EnWG. Der Netzbetreiber bildet für dieses Haus ein Lokationsbündel mit der Struktur „Überschusseinspeisung mit einer separaten Erzeugungsmessung”.
| Objekt | Typ | Identifikator | Position |
|---|---|---|---|
| Anschlusspunkt Blindarbeit und Leistungsgrenze | Netzlokation | NeLo-ID, falls marktrelevant | Ebene 1 |
| Zweirichtungszähler am Hausanschluss | Messlokation A | MeLo-ID DE00..., Objektcode 9992 00000 121 4 |
Ebene 1, Funktion Netzübergabe, Richtung Verbrauch und Erzeugung |
| Erzeugungszähler der PV | Messlokation B | MeLo-ID DE00..., Objektcode 9992 00000 115 7 |
Ebene 2, Richtung Erzeugung |
| Haushalt inklusive Wärmepumpe, Wallbox, Speicherladung | Marktlokation Verbrauch | MaLo-ID, Objektcode 9992 00000 101 6 |
Ebene 1 |
| PV-Überschuss | Marktlokation Erzeugung | MaLo-ID, Objektcode 9992 00000 111 5 |
Ebene 2 |
| PV-Module Dach und Fassade | technische Ressourcen, erzeugend | TR-ID optional | dynamisch an der Erzeugungs-MaLo |
| Wärmepumpe, Wallbox | steuerbare Ressourcen | SR-ID | an der Verbrauchs-MaLo, Leistungsgrenze an der NeLo |
| Batteriespeicher | technische Ressource | TR-ID optional | an der Verbrauchs-MaLo, ungemessen |
| Zuordnung | von | nach | Art |
|---|---|---|---|
| MaLo Verbrauch zu MeLo A | Marktlokation Verbrauch | Messlokation A | Summenbildung, Richtung Verbrauch |
| MaLo Verbrauch zu MeLo B | Marktlokation Verbrauch | Messlokation B | Summenbildung, Vorzeichen − |
| MaLo Erzeugung zu MeLo B | Marktlokation Erzeugung | Messlokation B | Summenbildung, Richtung Erzeugung |
| MaLo zu NeLo | beide Marktlokationen | Netzlokation | Anbindung über eine Leitung |
| TR zu MaLo | PV-Module | Marktlokation Erzeugung | Ressourcenzuordnung |
| SR zu NeLo | Wärmepumpe, Wallbox | Netzlokation | Leistungsgrenze § 14a EnWG |
Die Summenbildung Schritt für Schritt für die verbrauchende Marktlokation:
| Schritt | Operator | Messlokation | Richtung | Zwischenergebnis |
|---|---|---|---|---|
| 1 | Z69 Addition |
Messlokation A, Bezugsanteil | Z71 Verbrauch |
gesamter Netzbezug am Hausanschluss |
| 2 | Z70 Subtraktion |
Messlokation B | Z72 Erzeugung |
Netzbezug minus die vor Ort verbrauchte PV-Menge, die intern durchläuft |
| 3 | Z83 Positivwert |
Ergebnis aus 1 und 2 | – | negatives Ergebnis wird auf null gesetzt, damit kein Scheinbezug entsteht |
Die erzeugende Marktlokation ergibt sich spiegelbildlich: Sie übernimmt den Einspeiseanteil der Messlokation A mit der Energieflussrichtung Erzeugung. Ändert der Anschlussnutzer später den Speicher gegen ein größeres Modell oder ergänzt eine zweite Wallbox, ändert sich die Zahl der technischen Ressourcen. Der Netzbetreiber schickt eine Stammdatenänderung mit derselben Struktur und der erweiterten Ressourcenliste. Kommt eine separate Speichermessung hinzu, wechselt die Struktur auf „Überschusseinspeisung mit separat gemessenem Speicher”, und der Code der Lokationsbündelstruktur ändert sich. Mehr zu den Anlagenbegriffen steht unter [[anlage-erzeugung-verbrauch-und-ressource]].

Typische Missverständnisse
Das Lokationsbündel hat eine eigene ID.
Es trägt keinen Identifikator. Kommuniziert werden die MaLo-IDs und die MeLo-IDs der enthaltenen Objekte, und in der Struktur zusätzlich die Objektcodes.
Lokationsbündel und Lokationsbündelstruktur sind dasselbe.
Das Bündel ist das Mengengerüst, also welche Objekte messtechnisch zusammengehören. Die Struktur ist die Beschreibung ihrer physikalischen Beziehungen und ihrer Lage am Kabel, ausgedrückt über Codes.
Die Lokationsbündelstruktur ersetzt die Berechnungsformel.
Die Struktur zeigt, welche Objekte voneinander abhängen. Die konkrete Rechenvorschrift mit Operatoren und Vorzeichen liefert die Berechnungsformel über die UTILTS.
Eine Tranche verändert das Lokationsbündel.
Tranchen entstehen aus kaufmännischen Gründen an einer Marktlokation. Sie lassen die Lokationsbündelstruktur unberührt.
Der Lieferant bekommt das Lokationsbündel.
Das Bündel selbst läuft nur zwischen Netzbetreiber und Messstellenbetreiber. Der Lieferant erhält die Lokationsbündelstruktur und die Berechnungsformel, damit er Prognose und Plausibilität prüfen kann.
Quellen und Pflegehinweis
Die Definition des Lokationsbündels und die Objektabgrenzung folgen dem BDEW-Foliensatz „Objekte in der Marktkommunikation” und dem Rollenmodell für die Marktkommunikation, dessen Objekte mit der Marktkommunikation 2020 und der MaKo 2022 eingeführt wurden. Aufbau und Codierung der Lokationsbündelstruktur stehen im EDI@Energy-Konzept vom 1. August 2022 und in der Codeliste der Lokationsbündelstrukturen 1.0 vom 31. März 2023. Die Summenbildung und die Operatoren stammen aus dem UTILTS-Anwendungshandbuch zur Berechnungsformel. Die Einbindung in den Stammdatenaustausch beschreibt das UTILMD-Anwendungshandbuch Strom. Der Einführungszeitpunkt für die verpflichtende Anwendung hat sich gegenüber dem Konzept verschoben und ist in die UTILMD-Formatstände 2.x eingeflossen. Codelisten, Konzepte und Anwendungshandbücher ändern sich mit jedem Formatstand. Vor jeder Umsetzung ist der aktuelle Stand auf edi-energy.de und bei der Bundesnetzagentur zu prüfen, besonders bei den Objektcodes, den zulässigen Strukturen und den Prüfidentifikatoren.
- EDI@Energy / BDEW: Konzept zur Übermittlung der Lokationsbündelstruktur (Strom), 01.08.2022
- EDI@Energy: Codeliste der Lokationsbündelstrukturen 1.0, 31.03.2023
- BDEW: Foliensatz „Objekte in der Marktkommunikation” 1.5, 06.03.2023
- EDI@Energy: UTILTS Anwendungshandbuch zur Berechnungsformel 1.0, 01.10.2024
- EDI@Energy: UTILMD Anwendungshandbuch Strom 1.2a, 25.01.2024
- EDI@Energy: UTILMD Anwendungshandbuch Strom, Konsultationsfassung 2.1
- Bundesnetzagentur: Mitteilung Nr. 30 zu den Datenformaten
- Bundesnetzagentur: Marktkommunikation 2020 (BK6-18-032)
- Bundesnetzagentur: GPKE Teil 1, Lesefassung (BK6-22-024)
- Messstellenbetriebsgesetz § 2, Begriffsbestimmungen
- EDI@Energy: Datenformate für die Marktkommunikation
- Natuvion: MaKo 2023 – Lokationsbündel und Netzlokation
Abrufdatum aller Quellen: 8. September 2026.
Primärquellen zum Nachlesen
- EDI@Energy / BDEW – Konzept zur Übermittlung der Lokationsbündelstruktur (Strom), Version 1.0, 01.08.2022bundesnetzagentur.de
- EDI@Energy – Codeliste der Lokationsbündelstrukturen, Version 1.0, 31.03.2023data.bundesnetzagentur.de
- BDEW – Foliensatz „Objekte in der Marktkommunikation", Version 1.5, 06.03.2023bdew.de
- EDI@Energy – UTILTS Anwendungshandbuch (Berechnungsformel), Version 1.0, Stand 01.10.2024bundesnetzagentur.de
- EDI@Energy – UTILMD Anwendungshandbuch Strom, Version 1.2a, Stand 25.01.2024bundesnetzagentur.de
- EDI@Energy – UTILMD Anwendungshandbuch Strom, Konsultationsfassung Version 2.1bundesnetzagentur.de
- Bundesnetzagentur – Mitteilung Nr. 30 zu den Datenformaten zur Abwicklung der Marktkommunikationbundesnetzagentur.de
- Bundesnetzagentur – Marktkommunikation 2020 (Festlegung BK6-18-032)bundesnetzagentur.de
- Bundesnetzagentur – GPKE Teil 1, Lesefassung (BK6-22-024)bundesnetzagentur.de
- Messstellenbetriebsgesetz – § 2 Begriffsbestimmungengesetze-im-internet.de
- EDI@Energy – Datenformate für die Marktkommunikationedi-energy.de
- Natuvion – MaKo 2023: Lokationsbündel und Netzlokationnatuvion.com
