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Kurzantwort
Die Messlokation ist der Ort, an dem Energie messtechnisch erfasst wird, samt allen technischen Einrichtungen, die zur Ermittlung und zur Übermittlung der Messwerte nötig sind. Sie ist der Bezugspunkt des Messstellenbetriebs. Das Messstellenbetriebsgesetz kennt den Begriff selbst nicht, es arbeitet mit Messstelle und Zählpunkt. Der Zählpunkt ist nach MsbG § 2 Nr. 28 der Punkt, an dem der Energiefluss messtechnisch erfasst wird. Die Messlokation als Lokationsobjekt der Marktkommunikation definiert die GPKE Teil 1 in Kapitel 3.3.
Jede Messlokation trägt eine eigene ID, die 33-stellige Zählpunktbezeichnung nach VDE-AR-N 4400. Der Netzbetreiber vergibt sie, und sie bleibt unverändert, solange die Messlokation existiert. An einer Messlokation arbeiten ein Messstellenbetreiber, ein Messkonzept und eine Messeinrichtung oder ein intelligentes Messsystem, das mehrere Zählwerke führen kann. Die Messlokation liefert die Messwerte, die Marktlokation ordnet sie kaufmännisch zu. Die Prozesse der WiM und die MSCONS beziehen sich auf die Messlokations-ID, die GPKE dagegen auf die Marktlokation.

Definition und rechtliche Einordnung
Die GPKE Teil 1 beschreibt die Messlokation als eine Lokation, an der Energie gemessen wird und die alle technischen Einrichtungen beinhaltet, die zur Ermittlung und gegebenenfalls Übermittlung der Messwerte erforderlich sind. In einer Messlokation wird jede relevante physikalische Größe zu einem Zeitpunkt maximal einmal ermittelt. Dieser Satz ist die praktische Abgrenzung: Wird eine Größe an einem Ort doppelt erfasst, etwa durch eine Vergleichsmesseinrichtung, liegt eine zweite Messlokation mit eigener ID vor.
Das Messstellenbetriebsgesetz liefert die Bausteine. Die Messstelle ist nach § 2 Nr. 11 die Gesamtheit aller Mess-, Steuerungs- und Kommunikationseinrichtungen an den Zählpunkten eines Anschlussnutzers. Die Messeinrichtung ist nach Nr. 10 ein Messgerät, das allein oder mit anderen Geräten für die Gewinnung eines oder mehrerer Messwerte eingesetzt wird. Die moderne Messeinrichtung nach Nr. 15 und das intelligente Messsystem nach Nr. 7 bauen darauf auf. Die Messlokation bündelt diese Bausteine an einem Zählpunkt zu einem Objekt, das die Marktkommunikation adressieren kann.
| Begriff | Quelle | Kern |
|---|---|---|
| Zählpunkt | MsbG § 2 Nr. 28 | Punkt, an dem der Energiefluss messtechnisch erfasst wird |
| Messstelle | MsbG § 2 Nr. 11 | Gesamtheit der Mess-, Steuerungs- und Kommunikationseinrichtungen am Zählpunkt |
| Messeinrichtung | MsbG § 2 Nr. 10 | Messgerät zur Gewinnung eines oder mehrerer Messwerte |
| moderne Messeinrichtung | MsbG § 2 Nr. 15 | Messeinrichtung, die Verbrauch und Nutzungszeit abbildet, iMSys-fähig |
| intelligentes Messsystem | MsbG § 2 Nr. 7 | moderne Messeinrichtung, über ein Smart-Meter-Gateway eingebunden |
| Messlokation | GPKE Teil 1, Kapitel 3.3 | Lokation der Messung mit allen technischen Einrichtungen, eigene ID |
Der Messstellenbetrieb setzt an der Messlokation an. Einbau, Betrieb, Wartung, Ablesung und Datenübermittlung beziehen sich immer auf eine konkrete Messlokation, nie auf die Marktlokation. Ein Wechsel des Messstellenbetreibers, ein Gerätewechsel und ein Ein- oder Ausbau sind Vorgänge an der Messlokation. Ein Lieferantenwechsel dagegen berührt die Messlokation nicht. Diese Trennung zur [[die-marktlokation]] ist der rote Faden jeder sauberen Systemabbildung.
Die Messlokations-ID: Zählpunktbezeichnung nach VDE-AR-N 4400
Die ID der Messlokation ist die Zählpunktbezeichnung. Die WiM definiert sie als eindeutige, nicht temporäre, alphanumerische Bezeichnung, die den Zählpunkt identifiziert. Ihre Bildung folgt der FNN-Anwendungsregel Messwesen Strom, dem Metering Code, veröffentlicht als VDE-AR-N 4400. Der Netzbetreiber vergibt die ID, und nach GPKE Teil 1 darf sie sich grundsätzlich nicht mehr ändern, solange die Messlokation besteht. Das gilt auch bei Netzübernahme, Netzabgabe oder einer geänderten Postleitzahl.
Der Metering Code hat eine Geschichte. Die Verbändevorgabe MeteringCode 2006 des VDN führte die strukturierte 33-stellige Zählpunktbezeichnung ein, der BDEW übernahm sie, seit 2011 trägt sie die Bezeichnung VDE-AR-N 4400. Zum 1. Februar 2018 löste die 11-stellige Marktlokations-ID die Zählpunktbezeichnung in den Wettbewerbssparten für die kaufmännische Sicht ab. Für die Messlokation bleibt die Zählpunktbezeichnung die ID.
Aufbau der 33 Stellen
| Segment | Länge | Inhalt | Regel |
|---|---|---|---|
| Land | 2 | Länderkennung nach DIN EN ISO 3166-1 | für Deutschland DE |
| Netzbetreiber | 6 | Netzbetreibernummer | Vergabe durch den BDEW, rechtsbündig, links mit Nullen aufgefüllt |
| Postleitzahl | 5 | Postleitzahl des Ortes, in dem die Messstelle liegt | ersatzweise der Unternehmenssitz des Netzbetreibers |
| Zählpunktnummer | 20 | frei vom Netzbetreiber vergebene Kennung des Zählpunkts | nur Großbuchstaben A bis Z und Ziffern 0 bis 9, im Netzgebiet eindeutig und nicht temporär |
Die vollständige Zählpunktbezeichnung ist eine Einheit aus 33 Zeichen. Anders als die Marktlokations-ID trägt sie keine Prüfziffer. Die Eindeutigkeit sichert der Netzbetreiber selbst, häufig über eine interne Anlagennummer oder über geografische Koordinaten in der Zählpunktnummer. Prüfungen auf Empfängerseite laufen deshalb nicht über eine Prüfziffer, sondern über den Abgleich mit den Stammdaten.
Vergibt ausnahmsweise nicht der Netzbetreiber die ID, etwa bei einer kaufmännisch-bilanziellen Weitergabe durch einen anderen Marktpartner, gilt eine alternative Bildungsregel: 13-stellige Globale Lokationsnummer oder BDEW-Codenummer des vergebenden Unternehmens plus 20-stellige Zählpunktnummer, zusammen ebenfalls 33 Stellen.
Ein Beispiel Stelle für Stelle
Die Zählpunktbezeichnung DE00056266802AO6G56M11SN51G21M24S zerlegt sich so:
| Stellen | Zeichen | Segment | Lesung |
|---|---|---|---|
| 1 bis 2 | DE |
Land | Deutschland nach ISO 3166-1 |
| 3 bis 8 | 000562 |
Netzbetreiber | BDEW-Nummer 562, links mit Nullen aufgefüllt |
| 9 bis 13 | 66802 |
Postleitzahl | Ort der Messstelle, hier im Saarland |
| 14 bis 33 | AO6G56M11SN51G21M24S |
Zählpunktnummer | 20 Zeichen, frei vergeben, im Netzgebiet eindeutig |
Aus der ID lässt sich also der Netzbetreiber und grob der Ort ableiten, mehr nicht. Die Zählpunktnummer ist bewusst bedeutungsfrei, damit sie stabil bleibt, wenn sich am Zählpunkt etwas ändert. Eine ID sagt nichts über das Messkonzept, die Geräteausstattung oder die zugeordnete Marktlokation aus. Diese Angaben stehen in den Stammdaten und wandern über die [[stammdaten-und-konfigurationen]] zwischen den Marktpartnern.
DE sagt: deutsche Länderkennung. Die folgenden sechs Ziffern nennen den Netzbetreiber aus dem BDEW-Verzeichnis. Die nächsten fünf sind die Postleitzahl am Ort der Messstelle. Die letzten 20 Zeichen sind die Zählpunktnummer, die der Netzbetreiber in seinem Netzgebiet frei und eindeutig vergibt. Keine Stelle trägt eine Prüfziffer. Wer eine ID prüfen will, gleicht sie gegen die Stammdaten ab, nicht gegen eine Rechenregel.
Abgrenzung zu anderen Kennungen
| Kennung | Identifiziert | Format |
|---|---|---|
| Messlokations-ID / Zählpunktbezeichnung | den Ort der Messung | 33 Stellen, Präfix DE, alphanumerisch |
| Marktlokations-ID | den Ort der bilanziellen Entnahme oder Einspeisung | 11 Stellen, rein numerisch, mit Prüfziffer |
| MaBiS-Zählpunkt | den Aggregationspunkt der Bilanzierung | Struktur der Zählpunktbezeichnung |
| Geräte-Identifikationsnummer nach DIN 43863-5 | das physische Messgerät | 14 Stellen, alphanumerisch, herstellerübergreifend |
| Zählernummer | das eingebaute Gerät, aufgedruckt | herstellerabhängig |
Die Geräte-Identifikationsnummer nach DIN 43863-5 betrifft das Gerät, nicht den Ort. Sie ersetzt die früheren Eigentumsnummern und begleitet den Zähler über seinen gesamten Lebensweg, unabhängig davon, in welcher Messlokation er sitzt. Beim Gerätewechsel bleibt die Messlokations-ID gleich, die Geräte-ID wechselt. Die Norm wurde inzwischen durch DIN 43849:2024-05 abgelöst, die 14-stellige Nummer bleibt in Betrieb.
Genau eine Messlokation, genau ein Bündel technischer Einrichtungen
An einer Messlokation gibt es zu jedem Zeitpunkt genau einen Messstellenbetreiber. Die WiM verlangt, dass der Netzbetreiber jede einzelne Messlokation lückenlos einem Messstellenbetreiber zuordnet. Fehlt ein wettbewerblicher Messstellenbetreiber, springt der grundzuständige Messstellenbetreiber ein. Eigentumsverhältnisse an den Geräten spielen für diese Zuordnung keine Rolle.
An einer Messlokation gilt genau ein Messkonzept. Es beschreibt, wie die Erfassung aufgebaut ist: welche Größen gemessen werden, in welche Richtung, mit welchen Zählwerken, ob direkt oder über Wandler. Die Messeinrichtung setzt dieses Konzept um. Ein einzelnes Gerät kann mehrere Zählwerke führen, etwa je Tarif oder je Energieflussrichtung. Jedes Zählwerk trägt eine OBIS-Kennzahl, die Messgröße, Richtung, Messart und Tarif codiert. Wie dieser Code aufgebaut ist, erklären die [[obis-kennzahlen]], die Struktur der Zählwerksdaten die [[zaehlwerk-und-zaehlwerksdaten]].
| Bestandteil der Messlokation | Anzahl je Messlokation | Bemerkung |
|---|---|---|
| Messlokations-ID | genau eine | vom Netzbetreiber vergeben, stabil |
| Messstellenbetreiber | genau einer je Zeitpunkt | lückenlose Zuordnung durch den Netzbetreiber |
| Messkonzept | genau eines | beschreibt Aufbau und Richtung der Erfassung |
| Messeinrichtung oder iMSys | in der Regel eine | Vergleichsmesseinrichtung bildet eine eigene Messlokation |
| Zählwerk | ein oder mehrere | je Tarif, je Richtung, je Messgröße, je OBIS-Kennzahl |
Messlokation und Marktlokation
Die Zuordnung von Messlokation zu Marktlokation ist nicht fest eins zu eins. Die GPKE Teil 1 nennt drei Grundtypen. Zusätzlich gibt es Marktlokationen ohne Messlokation, die Pauschalanlagen, deren Menge pauschal ermittelt wird.
| Beziehung | Wann | Beispiel |
|---|---|---|
| 1:1 | die Energie einer Marktlokation wird mit genau einer Messlokation gemessen | einfacher Haushalt mit einem Zähler |
| 1:n | die Erfassung braucht mehrere Messlokationen | Industriestandort, Wohnhaus mit Untermessung |
| n:1 | die gemessene Energie einer Messlokation wird für mehrere Marktlokationen gebraucht | Zweirichtungszähler für eine verbrauchende und eine erzeugende Marktlokation |
| Marktlokation ohne Messlokation | die Menge wird pauschal ermittelt | Pauschalanlage, öffentliche Verbrauchseinrichtung nach MsbG § 72 |
Aus mehreren Messlokationen bildet der Netzbetreiber die Energiemenge einer Marktlokation durch Summen- oder Differenzbildung. Bei Summen- und Differenzmessungen fordert die VDE-AR-N 4400, dass alle beteiligten Messstellen mindestens gleich lange oder kürzere Registrierperioden nutzen als die gebildete Summe. Entsteht die Menge rechnerisch, spricht die Regel von einem virtuellen Zählpunkt. Auch dieser bekommt bei Bedarf eine Zählpunktbezeichnung nach derselben Bildungsregel.
Messlokation ohne Marktlokation
Nicht jede Messlokation gehört zu einer Marktlokation. Reine Netzmessungen an Umspannwerken, Netzkoppelpunkten und Ortsnetzstationen erfassen Energieflüsse im Netz, ohne dass dahinter ein Letztverbraucher oder eine Erzeugungsanlage im Sinne der Belieferung steht. Kontroll- und Vergleichsmessungen dienen der Qualitätssicherung der Abrechnungsmessung. In der Hoch- und Höchstspannung ist eine Vergleichsmesseinrichtung Pflicht, in anderen Spannungsebenen ist sie optional. Sie erhält eine eigene Zählpunktbezeichnung, die denselben Zählpunkt identifiziert, damit sich ihre Werte von der Abrechnungsmessung unterscheiden lassen.
| Fall | Zweck | Marktlokation |
|---|---|---|
| Netzmessung | Erfassung von Flüssen im Netz, Netzbilanz, Verluste | keine |
| Kontrollmessung | Plausibilisierung, Ersatzwertbildung | keine eigene, Bezug zur bestehenden |
| Vergleichsmesseinrichtung | redundante Abrechnungsmessung in HS und HöS | dieselbe wie die Abrechnungsmessung, eigene ID |
Messkonzepte
Das Messkonzept beschreibt den Aufbau der Erfassung an einer Messlokation. Es ist kein eigener Rechtsbegriff der GPKE, sondern die praktische Beschreibung, die Netzbetreiber und Messstellenbetreiber in ihren technischen Anschlussbedingungen und Formularen führen. Die folgende Übersicht ordnet die verbreiteten Varianten.
| Messkonzept | Aufbau | Zählwerke und OBIS | Typischer Einsatz |
|---|---|---|---|
| Bezugsmessung | ein Zähler, eine Richtung | Bezug, tariflos oder je Tarif | einfacher Haushalt, Gewerbe ohne Erzeugung |
| Zweirichtungsmessung | ein Zähler, beide Richtungen | Bezug und Einspeisung getrennt | Haushalt mit PV und Überschusseinspeisung |
| Volleinspeisung mit getrennter Bezugsmessung | zwei Zähler oder zwei Messlokationen | Erzeugung an einem Punkt, Eigenbedarf am anderen | PV- oder BHKW-Anlage mit voller Einspeisung |
| Kaskade und Untermessung | vorgelagerter Zähler plus nachgelagerte Zähler | Hauptmessung und Unterzähler, Menge per Differenz | Mieterstrom, Wohnhaus mit mehreren Parteien |
| Summenzählermessung | mehrere Messungen, rechnerische Summe | virtueller Zählpunkt mit eigener ID | Standort mit mehreren Einspeisern oder Abgängen |
| Wandlermessung | Zähler hinter Strom- oder Spannungswandlern | Sekundärwerte, Umrechnung mit Wandlerfaktor | Leistungen oberhalb der Grenze der Direktmessung |
Bei der Wandlermessung misst der Zähler nicht die tatsächliche Größe am Zählpunkt, sondern einen heruntertransformierten Sekundärwert. Der Primärwert entsteht durch Multiplikation mit dem Wandlerfaktor, im Zähler selbst oder in einem nachgelagerten System. Im Niederspannungsnetz kommen nur Stromwandler zum Einsatz, in Mittel-, Hoch- und Höchstspannung Strom- und Spannungswandler. Der Wandlerfaktor gehört zu den Stammdaten der Messlokation, ein falscher Faktor skaliert jede Menge falsch.

Wie sich aus mehreren Messlokationen, Marktlokationen und Ressourcen ein zusammenhängendes Gebilde ergibt, behandelt die [[lokationsbuendel-und-lokationsstruktur]].
Die Messlokation in WiM und MSCONS
Identifizierung in den WiM-Prozessen
Die WiM Teil 1 regelt in Kapitel 1.6, wie ein Sender eine Messlokation benennt. Grundsätzlich geschieht das über die postalische Adresse und die ID der Messlokation. Ist die ID noch nicht bekannt oder kann der Empfänger sie nicht zuordnen, nennt der Sender ersatzweise die ID einer zugeordneten Marktlokation oder eine Kombination aus postalischer Adresse und der Zählernummer der aktuell eingebauten Messeinrichtung. Bei der erstmaligen Inbetriebnahme dienen Adresse, Name des Anschlussnutzers oder Anschlussnehmers und nötige Zusatzangaben zur Identifikation. Sobald die Messlokation identifiziert ist, verwendet jede Folgenachricht die Messlokations-ID.
| WiM-Prozess | Bezug zur Messlokation |
|---|---|
| Beginn und Ende Messstellenbetrieb | ordnet einen Messstellenbetreiber der Messlokations-ID zu |
| Wechsel des Messstellenbetreibers | überträgt die Zuständigkeit für eine Messlokation, ID bleibt gleich |
| Gerätewechsel und Geräteübernahme | tauscht die Messeinrichtung, Messlokations-ID bleibt, Geräte-ID wechselt |
| Ein- und Ausbau, Erweiterung | ändert das Messkonzept oder die messtechnische Einordnung an der Messlokation |
| Messlokationsänderung | Netzbetreiber oder Lieferant meldet dem Messstellenbetreiber eine Änderung an der Messlokation |
| Übermittlung von Werten | knüpft Zeitreihen und Zählerstände an die Messlokations-ID |
Messwerte in der MSCONS
Die MSCONS trägt Messwerte je Messlokation. Die Nachricht nennt die Zählpunktbezeichnung als Identifikator der Messlokation, darunter je Zählwerk eine Position mit OBIS-Kennzahl, Menge und Zeitbezug. Die zulässigen OBIS-Kennzahlen sind zuvor im Stammdatenaustausch der UTILMD vereinbart. Die MSCONS-Nachrichtenbeschreibung von EDI@Energy und die Anwendungshandbücher legen die Segmentbelegung fest. Details zu Nachrichtentypen behandelt der Artikel [[utilmd-und-mscons]].
Die Trennung der Bezugspunkte ist entscheidend. Die GPKE fragt nach der Marktlokation, wenn es um Belieferung und Bilanzierung geht. Die WiM und die Messwertübermittlung fragen nach der Messlokation. Ein System, das beide Ebenen in einem Feld führt, kann eine MSCONS mit mehreren Messlokationen zu einer Marktlokation nicht sauber verarbeiten.
Praxisbeispiel: Zweirichtungsmessung bei einer PV-Anlage
Ein Haushalt betreibt eine PV-Anlage mit Überschusseinspeisung. Der Messstellenbetreiber hat einen Zweirichtungszähler eingebaut. Es gibt eine Messlokation mit der ID DE00083452070XZ7402KP19RT55DA30MB, ein Messkonzept Zweirichtungsmessung und eine moderne Messeinrichtung mit zwei relevanten Zählwerken.
| Stellen | Zeichen | Segment | Lesung |
|---|---|---|---|
| 1 bis 2 | DE |
Land | Deutschland |
| 3 bis 8 | 000834 |
Netzbetreiber | BDEW-Nummer 834 |
| 9 bis 13 | 52070 |
Postleitzahl | Ort der Messstelle |
| 14 bis 33 | XZ7402KP19RT55DA30MB |
Zählpunktnummer | 20 Zeichen, im Netzgebiet eindeutig |
Die Messeinrichtung führt zwei Zählwerke. Das eine zählt die aus dem Netz bezogene Wirkarbeit, in Kurzform 1.8.0. Das andere zählt die ins Netz gelieferte Wirkarbeit, 2.8.0. Beide Zählwerke gehören zu derselben Messlokation und derselben ID.
Kaufmännisch entstehen zwei Marktlokationen. Die verbrauchende Marktlokation bekommt vom Stromlieferanten des Haushalts einen Liefervertrag, ihr ist das Zählwerk 1.8.0 zugeordnet. Die erzeugende Marktlokation ist Gegenstand der Einspeisevergütung oder der Direktvermarktung, ihr ist das Zählwerk 2.8.0 zugeordnet. Das ist der n:1-Fall: eine Messlokation, zwei Marktlokationen.
Der Messstellenbetreiber sendet die Messwerte in einer MSCONS. Die Nachricht nennt die Messlokations-ID einmal, darunter zwei Positionen: eine mit der OBIS-Kennzahl für den Bezug, eine mit der Kennzahl für die Einspeisung, jeweils mit Zählerstand und Ablesezeitpunkt. Der Netzbetreiber verteilt die Werte an die berechtigten Empfänger: den Bezug an den Stromlieferanten, die Einspeisung an den für die Erzeugung zuständigen Marktpartner.
Wechselt der Haushalt den Stromlieferanten, meldet der neue Lieferant den Lieferbeginn über die Marktlokations-ID der verbrauchenden Marktlokation. Die Messlokation, ihre ID, der Zweirichtungszähler und die Einspeisebeziehung bleiben unberührt. Baut der Messstellenbetreiber später den Zähler aus und ein neues intelligentes Messsystem ein, wechselt die Geräte-ID, die Messlokations-ID bleibt gleich, und die Zuordnung der beiden Marktlokationen ändert sich nicht.
Typische Missverständnisse
Die Messlokation ist der Zähler. Der Zähler ist ein Gerät in der Messlokation. Er wird getauscht, die Messlokation und ihre ID bleiben. Die Messlokation ist der Ort samt allen technischen Einrichtungen der Erfassung.
Jede Marktlokation hat genau eine Messlokation. Nur im Grundfall. Untermessung und getrennte Messkreise führen zu mehreren Messlokationen je Marktlokation, ein Zweirichtungszähler versorgt zwei Marktlokationen aus einer Messlokation, und eine Pauschalanlage hat gar keine.
Die Messlokations-ID hat wie die Marktlokations-ID eine Prüfziffer. Die 11-stellige Marktlokations-ID trägt eine Prüfziffer. Die 33-stellige Zählpunktbezeichnung nicht. Ihre Eindeutigkeit sichert der Netzbetreiber über die frei vergebene 20-stellige Zählpunktnummer.
Ein Lieferantenwechsel läuft über die Messlokations-ID. Belieferung und Bilanzierung knüpfen an die Marktlokation. Die Messlokations-ID steht im Zentrum der WiM-Prozesse und der Messwertübermittlung, nicht der GPKE.
Eine Messlokation braucht immer eine Marktlokation. Netzmessungen an Umspannwerken und Netzkoppelpunkten sowie Kontroll- und Vergleichsmessungen sind Messlokationen ohne zugeordnete Marktlokation.
Quellen und Pflegehinweis
Die Definition der Messlokation und die Beziehungstypen zur Marktlokation stehen in der GPKE Teil 1, Kapitel 3.2 und 3.3, in der jeweils gültigen Lesefassung der Bundesnetzagentur. Die Identifizierung einer Messlokation und die Prozesse mit Bezug zur Messlokations-ID regelt die WiM Strom Teil 1 und Teil 2. Aufbau und Bildungsregel der 33-stelligen Zählpunktbezeichnung stehen in der FNN-Anwendungsregel VDE-AR-N 4400, Kapitel 5, hier zitiert nach dem Entwurf 2023-09. Die gesetzlichen Bausteine Messstelle, Messeinrichtung und Zählpunkt definiert das Messstellenbetriebsgesetz in § 2. Die Geräte-Identifikationsnummer beschreibt DIN 43863-5, abgelöst durch DIN 43849:2024-05. Die Einbindung der Messlokation in die Nachrichten steht in den UTILMD- und MSCONS-Anwendungshandbüchern von EDI@Energy. Festlegungen, Lesefassungen und Formatstände ändern sich regelmäßig, vor jeder Umsetzung ist der aktuelle Stand auf den Seiten der Bundesnetzagentur, bei VDE|FNN und auf edi-energy.de zu prüfen.
- Messstellenbetriebsgesetz § 2, Begriffsbestimmungen
- Bundesnetzagentur, GPKE Teil 1, Lesefassung BK6-22-024
- Bundesnetzagentur, WiM Strom Teil 1, Lesefassung BK6-22-024
- Bundesnetzagentur, Wechselprozesse im Messwesen (WiM), Verfahrensseite
- VDE|FNN, E VDE-AR-N 4400:2023-09, Messwesen Strom (Metering Code), Entwurf
- VDE|FNN, Hinweis Anwendungshilfe VDE-AR-N 4400, Marktkommunikation
- BDEW / BNetzA, Anwendungshilfe Marktlokations-Identifikationsnummer
- DIN 43863-5:2012-04, Herstelleruebergreifende Identifikationsnummer fuer Messeinrichtungen (DKE)
- EDI@Energy, Datenformate fuer die Marktkommunikation
- EDI@Energy, MSCONS Nachrichtenbeschreibung (MIG) 2.4c
- BDEW, Marktkommunikation (BDEW-MaKo)
- Zaehlpunkt, Wikipedia
Abrufdatum aller Quellen: 8. September 2026.
Primärquellen zum Nachlesen
- Messstellenbetriebsgesetz (MsbG) § 2 – Begriffsbestimmungengesetze-im-internet.de
- Bundesnetzagentur – GPKE Teil 1, Lesefassung BK6-22-024 (Kapitel 3.3 Messlokation)bundesnetzagentur.de
- Bundesnetzagentur – WiM Strom Teil 1, Lesefassung BK6-22-024 (Kapitel 1.6 Identifizierung einer Messlokation, Glossar)bundesnetzagentur.de
- Bundesnetzagentur – Wechselprozesse im Messwesen (WiM), Verfahrensseitebundesnetzagentur.de
- VDE|FNN – E VDE-AR-N 4400:2023-09, Messwesen Strom (Metering Code), Entwurf (Kapitel 5 Zaehlpunkt und Zaehlpunktbezeichnung)vde.com
- VDE|FNN – Hinweis Anwendungshilfe VDE-AR-N 4400, Marktkommunikationvde.com
- BDEW / BNetzA – Anwendungshilfe Marktlokations-Identifikationsnummer (mit Bezug zur Zaehlpunktbezeichnung)bundesnetzagentur.de
- DIN 43863-5:2012-04 – Herstelleruebergreifende Identifikationsnummer fuer Messeinrichtungen (DKE)dke.de
- EDI@Energy – Datenformate fuer die Marktkommunikation (UTILMD, MSCONS)edi-energy.de
- EDI@Energy – MSCONS Nachrichtenbeschreibung (MIG) 2.4cbundesnetzagentur.de
- BDEW – Marktkommunikation (BDEW-MaKo), Codelisten und Anwendungshilfenbdew-mako.de
- Zaehlpunkt – Wikipedia (Aufbau der 33-stelligen Zaehlpunktbezeichnung, Historie MeteringCode)de.wikipedia.org
