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Kurzantwort
Stammdaten beschreiben eine Marktlokation, ihre Zuordnung und ihre technische Einordnung. Konfigurationen beschreiben dagegen die Ausprägung der Messung und Steuerung an einer Messlokation. Beide Bereiche laufen über eigene Prozesse in der GPKE: Konfigurationen sind in GPKE Teil 3 geregelt, Stammdaten in GPKE Teil 4.
Seit der Neuverfügung 2025 pflegt jede Marktrolle die Daten aus ihrer Verantwortung selbst. Der Netzbetreiber leitet Stammdaten nicht mehr zentral an alle Beteiligten weiter. Erwartet ein Empfänger andere Inhalte, bestellt er eine Stammdatenänderung. Die Messkonfiguration bestellen Lieferant oder Netzbetreiber beim Messstellenbetreiber, der sie an der Messlokation umsetzt.
Zählwerke, Register, Auflösung und Wertebedarf der Messlokation.
Schaltbefehle und Schaltprofile an steuerbare Ressourcen und Einrichtungen.
Konfigurationsänderungen laufen über Bestellung, Ausführung und Rückmeldung.
Teil 3 trennt die Bestellung von der Ausführung: Der Auftraggeber beschreibt das fachliche Ziel, der Messstellenbetreiber setzt es an der Messlokation um und meldet das Ergebnis zurück.
Der Netzbetreiber leitet Stammdaten nicht mehr zentral weiter. Jede Marktrolle pflegt die Daten aus ihrer Zuständigkeit und informiert die betroffenen Partner. Erwartet ein Empfänger andere Inhalte, stößt er eine Bestellung zur Stammdatenänderung an.
Für die Bilanzkreistreue bei Viertelstunden-Bilanzierung übermittelt der NB Stammdaten direkt an den ÜNB. Diese Meldung ersetzt die frühere Stammdatensynchronisation.
Fachliche Stammdaten einer Marktlokation umfassen unter anderem die Lokations-IDs, die Marktpartnerzuordnung, Bilanzierungsdaten, die Netzebene und die Messkonfiguration. Welche Felder in welcher Meldung geführt werden, bestimmt der jeweilige Use-Case im AHB.
Stammdaten: die Beschreibung der Marktlokation
Stammdaten einer Marktlokation umfassen die Angaben, die für Belieferung, Bilanzierung und Netznutzung nötig sind. Dazu zählen die Lokations-Identifikationsnummern, die Zuordnung der Marktpartner, Bilanzierungsdaten, die Netzebene und netzbezogene Merkmale. Manche Angaben liegen beim Netzbetreiber, andere beim Lieferanten, wieder andere beim Messstellenbetreiber.
Die GPKE ordnet die Verantwortung klar zu. Der Netzbetreiber pflegt die Daten, die aus seiner Netzsicht stammen, etwa die Netzlokation und die Netzebene. Der Lieferant pflegt die Daten seiner Belieferung, etwa den Zuordnungsbeginn. Der Messstellenbetreiber pflegt die Daten der Messlokation, etwa die Messkonfiguration. Diese Aufteilung ist die Grundlage der Stammdatenprozesse.
Ein häufiger Denkfehler in Projekten: Stammdaten werden als ein großer Datenbestand behandelt, den eine Stelle vollständig besitzt. Tatsächlich verteilen sich die Daten auf mehrere Verantwortliche, und jede Nachricht transportiert nur den Teil, für den der Sender verantwortlich ist. Wer den Gesamtbestand aus einer Quelle erwartet, baut falsche Abhängigkeiten auf.
Konfigurationen: die Ausprägung der Messung
Die Konfiguration beschreibt, wie an einer Messlokation gemessen und gesteuert wird. Dazu gehören die Zählwerke und Register, die Auflösung der Werte, die Messrichtung und der Wertebedarf. Bei steuerbaren Einrichtungen gehört auch das Schaltprofil oder der Steuerbefehl zur Konfiguration.
Konfigurationsänderungen laufen über Bestellung und Ausführung. Der Auftraggeber, in der Regel der Lieferant oder der Netzbetreiber, bestellt die gewünschte Konfiguration. Der Messstellenbetreiber prüft die Bestellung, setzt sie an der Messlokation um und meldet das Ergebnis zurück. Erst die Rückmeldung macht die neue Konfiguration wirksam.
Die GPKE Teil 3 trennt dabei sauber zwischen der Bestellung und der technischen Umsetzung. Ein Lieferant, der für eine Marktlokation einen neuen Wertebedarf hat, bestellt nicht selbst am Zähler. Er beschreibt das fachliche Ziel, und der Messstellenbetreiber entscheidet über die technische Ausführung. Diese Trennung schützt die Verantwortung des Messstellenbetreibers für die Messstelle.
Der Bestellprozess bei Abweichungen
Ein Kernstück der GPKE 2025 ist der Bestellprozess. Er greift, wenn ein Empfänger andere Daten erwartet, als er erhalten hat. Statt die Meldung nur abzulehnen, kann der Empfänger eine Bestellung zur Stammdatenänderung an den verantwortlichen Marktpartner senden.
Der verantwortliche Marktpartner prüft die Bestellung, setzt die Änderung um und informiert die betroffenen Partner. Kommt er zu einem anderen Ergebnis, begründet er das. Der Bestellprozess ersetzt damit das frühere Muster, in dem eine zentrale Stelle Daten verteilte und alle anderen auf Korrekturen warteten.
Diese Logik gilt auch für die Messkonfiguration. Ein Lieferant, der einen anderen Wertebedarf erwartet, bestellt die Konfigurationsänderung beim Messstellenbetreiber. Der Messstellenbetreiber setzt sie um und meldet den neuen Stand. Erst dann liefert er die Werte in der gewünschten Form. Wer die Bestelllogik nicht im System abbildet, verliert bei Abweichungen den Überblick über den gültigen Stand.
Bilanzierung und Abrechnungsdaten im Stammdatenprozess
Die Stammdatenprozesse sind eng mit Bilanzierung und Abrechnung verzahnt. Der Netzbetreiber übermittelt die Abrechnungsdaten der Marktlokation zum Zuordnungsbeginn an den Lieferanten und, soweit erforderlich, an den Übertragungsnetzbetreiber. Diese Daten sind die Grundlage der Netznutzungsabrechnung und der Bilanzkreisabrechnung.
Für die Bilanzkreistreue bei Viertelstunden-Bilanzierung übermittelt der Netzbetreiber die benötigten Stammdaten direkt an den ÜNB. Diese Übermittlung ersetzt die frühere Stammdatensynchronisation. Damit entfällt ein aufwendiger Abgleich, und beide Seiten arbeiten mit demselben Datenstand.
Für Projekte heißt das: Stammdatenprozesse enden nicht mit der Pflege von Feldern. Sie lösen Folgeprozesse aus, die bis in die Abrechnung reichen. Eine Stammdatenänderung an der Marktlokation kann die Bilanzierung, die Netznutzungsabrechnung und die Messwertübermittlung betreffen. Die Systeme müssen diese Abhängigkeiten kennen und die betroffenen Folgeprozesse anstoßen.
Zeitliche Steuerung und Gültigkeit
Stammdaten und Konfigurationen besitzen eine zeitliche Gültigkeit. Eine Zuordnung gilt ab einem Zuordnungsbeginn, eine Konfiguration ab einem Umsetzungszeitpunkt, ein Stammdatum ab dem Zeitpunkt seiner Änderung. Diese Zeitpunkte steuern, welche Daten für welchen Zeitraum gelten.
Für die Praxis heißt das: Eine Konfigurationsänderung wirkt nicht rückwirkend auf bereits erzeugte Messwerte. Ein neuer Wertebedarf gilt für die Zukunft, sofern die Prozesse nichts anderes vorsehen. Eine Stammdatenänderung kann dagegen Bestandsdaten korrigieren, wenn ein Fehler vorlag. Die GPKE unterscheidet diese Fälle über den Anlass der Änderung und den Zeitpunkt des Wirksamwerdens.
Systeme sollten deshalb zu jedem Datum den Zeitpunkt seiner Gültigkeit führen. Kommt eine Rückfrage zu einem abgelaufenen Zeitraum, lässt sich daraus der damalige Stand rekonstruieren. Fehlt diese Historie, enden viele Klärfälle in manuellen Suchen in Archiven und Logs. Eine saubere Zeitführung ist die Grundlage, um Fristen, Stornierungen und Korrekturen automatisiert zu behandeln.
Dazu gehört auch der Umgang mit abgelehnten Meldungen. Lehnt ein Empfänger eine Stammdatenänderung ab, bleibt der bisherige Stand gültig. Erst nach einer erfolgreichen Bestellung und Umsetzung gilt der neue Stand. Werden Ablehnungen nicht dokumentiert, entsteht der Eindruck, die Änderung sei wirksam, obwohl sie nie bestätigt wurde. Die Prozesse verlangen deshalb eine nachvollziehbare Kette aus Meldung, Prüfung, Bestellung und Bestätigung.
Bedeutung für SAP IS-U
In SAP-IS-U-Landschaften sind Stammdaten über mehrere Objekte verteilt. Die Marktlokation wird über die Marktkommunikation mit Vertrag und Anlage verbunden, die Messlokation über das Messwesen. Konfigurationen betreffen die Mess- und Geräteverwaltung. Die Herausforderung liegt darin, die externen Objekte mit den internen Objekten konsistent zu halten.
Eingehende Stammdatenänderungen müssen prüfen, ob die Marktlokation bekannt ist, ob der Sender die richtige Rolle hat und ob die Änderung zum aktuellen Stand passt. Ausgehende Änderungen müssen den richtigen Empfänger und die richtige Nachrichtenart wählen. Fehler in dieser Kette führen zu abgelehnten Nachrichten und zu Klärfällen.
Neben den Stammdaten der Marktlokation pflegt das System auch die Stammdaten der Marktpartner. Dazu gehören die Marktpartner-Identifikationsnummer, die Kommunikationsadresse und die Rolle des Partners. Diese Angaben steuern, an welche Adresse eine Nachricht geht und mit welcher Kennung sie signiert wird. Ein falsch gepflegter Marktpartner verursacht Übertragungsfehler, die auf den ersten Blick wie Transportprobleme aussehen.
Für die Konfigurationen gilt eine eigene Sicht. Das Messwesen führt die Zählwerke, Register und die technischen Einrichtungen der Messlokation. Ändert der Marktprozess die Konfiguration, muss das Messwesen den neuen Stand übernehmen und die Wertebereitstellung anpassen. Diese Kette verbindet GPKE Teil 3 mit dem Messwesen und der Werteübermittlung nach WiM.
Besondere Aufmerksamkeit verdient die Historie. Stammdaten ändern sich im Zeitverlauf, und die Abrechnung braucht den Stand, der zu einem bestimmten Zeitpunkt galt. Wer nur den aktuellen Stand speichert, kann spätere Rückfragen nicht beantworten. Eine zeitnahe Führung der Stammdaten ist deshalb keine Kür, sondern Voraussetzung für stabile Marktprozesse.
Praxisbeispiel: Konfigurationsbestellung nach Lieferbeginn
Ein neuer Lieferant übernimmt eine Marktlokation mit Wärmepumpe. Für seine Abrechnung benötigt er den Lastgang der Messlokation. Im Rahmen des Lieferbeginns bestellt er die Messkonfiguration mit der gewünschten Auflösung beim Messstellenbetreiber.
Der Messstellenbetreiber prüft die Bestellung. Die Messlokation besitzt bereits ein intelligentes Messsystem, die Konfiguration ist also technisch möglich. Er setzt die Konfiguration um und meldet die Bestätigung. Ab dem bestätigten Zeitpunkt liefert er den Lastgang. Das System des Lieferanten erkennt an der Bestätigung, dass der Wertebedarf gedeckt ist, und startet die Abrechnung.
Im Beispiel zeigt sich die Rollenteilung: Der Lieferant beschreibt den Bedarf, der Messstellenbetreiber entscheidet über die Umsetzung. Ein System, das beide Schritte vermischt, würde entweder technische Grenzen ignorieren oder fachliche Bedarfe falsch einordnen.
Stammdatenqualität und Fehlerbilder
Viele Klärfälle in der Marktkommunikation lassen sich auf Stammdatenfehler zurückführen. Eine falsche Marktlokation, eine veraltete Netzebene oder eine nicht passende Messkonfiguration führen zu abgelehnten Anmeldungen oder falschen Zuordnungen. Die GPKE-Prüfungen fangen solche Fehler ab, aber sie erkennen sie erst, wenn eine Nachricht eintrifft. Besser ist es, die Datenqualität bereits im Bestand zu sichern.
Ein typisches Fehlerbild ist die doppelte Marktlokation. Zieht ein Kunde um und pflegt das System die alte und die neue Lokation nicht sauber, geht eine Anmeldung unter Umständen an die falsche Marktlokation. Der Netzbetreiber lehnt ab, weil die Lokation nicht in seinem Netz liegt oder bereits einem anderen Lieferanten zugeordnet ist. Ohne saubere Zuordnung zwischen Kunde und Marktlokation hilft keine noch so gute Nachrichtenverarbeitung.
Ein zweites Fehlerbild betrifft die Messkonfiguration. Ein Lieferant erwartet Lastgänge, die Messlokation liefert aber nur Tageswerte. Die Bestellung der Konfiguration wurde nie ausgeführt oder der Wertebedarf falsch beschrieben. Der Messstellenbetreiber kann nicht liefern, was nicht konfiguriert ist. Erst der Abgleich zwischen Wertebedarf und tatsächlicher Konfiguration schließt die Lücke.
Ein drittes Fehlerbild entsteht beim Netzbetreiberwechsel. Wechselt eine Marktlokation zwischen zwei Netzbetreibern, müssen die Stammdaten an beiden Stellen stimmen. Fehlt die Abstimmung, entstehen Lücken in Netzlokation, Netzebene oder Bilanzierungsdaten. Die GPKE und die BDEW-Anwendungshilfen beschreiben diese Prozesse; in den Systemen erfordern sie eine saubere Übergabe der Daten.
Für SAP-IS-U-Projekte bedeutet das: Datenqualität ist ein Prozess, kein Projekt. Prüfungen bei der Aufnahme neuer Marktlokationen, regelmäßige Abgleiche mit den Marktpartnern und klare Verantwortlichkeiten für jedes Stammdatum halten den Bestand stabil. Wer erst im Klärfall nach Fehlern sucht, zahlt den Preis in Fristen und manueller Arbeit.
Typische Missverständnisse
„Stammdaten und Konfiguration sind dasselbe.“
Nein. Stammdaten beschreiben die Marktlokation und ihre Zuordnung. Konfigurationen beschreiben die Ausprägung von Messung und Steuerung an der Messlokation.
„Der Netzbetreiber informiert alle Beteiligten über jede Änderung.“
Seit 2025 nicht mehr. Jede Rolle meldet Änderungen aus ihrer Verantwortung. Bei Abweichungen greift der Bestellprozess.
„Ein Zählerwechsel ändert die Stammdaten der Marktlokation.“
Nicht automatisch. Ein Gerätewechsel betrifft die Messlokation. Die Marktlokation und ihre Zuordnung bleiben unverändert.
„Konfigurationen stellt der Lieferant direkt am Zähler ein.“
Nein. Der Lieferant bestellt beim Messstellenbetreiber. Der Messstellenbetreiber führt die Konfiguration an der Messlokation aus.
„Die Stammdatensynchronisation gibt es weiterhin.“
Die bisherige Stammdatensynchronisation wurde durch die Übermittlung der Abrechnungsdaten und die direkten Stammdatenprozesse ersetzt.
Quellen und Pflegehinweis
Die Konfigurationsprozesse stehen in GPKE Teil 3, die Stammdatenprozesse in GPKE Teil 4. Beide Fassungen gehören zur Neuverfügung 2025. Weil sich die Prozesse weiterentwickeln, vor jeder Umsetzung den aktuell gültigen Stand der GPKE-Teile und der zugehörigen AHB prüfen.
- Bundesnetzagentur: GPKE Teil 4, Fokus Stammdatenprozesse
- Bundesnetzagentur: GPKE Teil 3, Fokus Konfigurationen und Steuerbefehle (Lesefassung)
- Bundesnetzagentur: Lieferantenwechsel (GPKE)
- Bundesnetzagentur: Beschluss BK6-22-024
- Bundesnetzagentur: WiM Strom
Abrufdatum aller Quellen: 7. September 2026.
Primärquellen zum Nachlesen
- Bundesnetzagentur – GPKE Teil 4, Fokus Stammdatenprozessebundesnetzagentur.de
- Bundesnetzagentur – GPKE Teil 3, Fokus Konfigurationen und Steuerbefehle (Lesefassung)bundesnetzagentur.de
- Bundesnetzagentur – Lieferantenwechsel (GPKE)bundesnetzagentur.de
- Bundesnetzagentur – Beschluss BK6-22-024bundesnetzagentur.de
- Bundesnetzagentur – WiM Strom (Wechselprozesse im Messwesen)bundesnetzagentur.de
